Berichte 16.05. – 31.05.2018

16.05.2018

Das Warten dehnt die Zeit aus… ich übe mich in Geduld und geniesse es, keine Eile haben zu müssen. Alles mache ich verlangsamt, und trotzdem wächst die Spannung stetig. Irgendwann vor Mittag halte ich es nicht mehr aus und telefoniere, frage nach dem Verbleib des Containers, natürlich, ohne das Gegenüber aus der Fassung zu bringen. Man weiss nichts.

Dann endlich um 15 Uhr die Nachricht, dass der Container gegen Abend eintreffen würde, und dass morgen Nachmittag dieser dann geöffnet werden könne.

So besuche ich halt den Crocodylus Park. Das Salzwasser Krokodil sei dort auf ungefährliche Art zu beobachten.

Diese grössten noch lebenden Reptilien können bis zu 6m lang werden und über eine Tonne wiegen.

Ich treffe sie dort tatsächlich an, und diese (noch) lebenden Handtäschchen sehen tatsächlich furchterregend aus, erwecken aber trotzdem mein tiefes Mitleid. Sie sind auf engstem Raum eingepfercht, auch den anderen Tieren im Park geht es kaum besser. Und tatsächlich kann man dort die ganzen Krokodil Leder Accessoires kaufen, auch Krokodil Steaks werden angeboten. 

Die vielen lobenden Einträge im Gästebuch beim Eingang erstaunen mich. Ich schreibe einen sehr negativen.

 

17.05.2018

Heute steht das Rote Kamel das erste Mal mit allen vier Rädern auf Australischem Boden. Wow. Um 15 Uhr findet das lang ersehnte „Unpacking“ statt. Der Container wird als sehr sauber eingestuft. Wir dürfen dann die beiden Autos eigenhändig in die Quarantäne Halle fahren, morgen früh beginnt dann die Inspektion. Der Beamte betont, er sei zwar nicht ein Inspektor, aber die Autos würden ihm einen sauberen Eindruck machen. 

Die Spannung wächst. Morgen folgt also die Inspektion.

 

18.05.2018

Das Frühstück will nicht so recht schmecken, ich habs eilig,. Tina fährt mich zum Busbahnhof in Casuarina… und schon sehr früh treffe ich mich mit Jeannine und Tobias bei der Quarantäne. Die Inspektoren machen einen freundlichen aber auch eben pflichtbewussten Eindruck. Alles, wirklich alles muss ausgepackt werden. Ich habe vorgesorgt und staple die weissen Plastiktaschen aus. In den Schränkchen und Winkeln des Kamels ist gähnende Leere. Alles geht zunächst ganz rasch und einfach, beim weissen Cruiser finden ein Beamter mit der starken Lampe ein Gräschen. Doch im richtigen Moment kommt ein Windstoss und bläst das Corpus delicti einfach weg… Ok, it’s done. Auch bei mir loben sie die Sauberkeit, wertschätzen unsere Arbeit – doch dann finden sich auch bei mir in einer Kabelhülle eingeklemmt drei etwa 2mm lange, dürre vertrocknete Gräschen. Unser Helfer nimmt kurzerhand ein Klebeband und zieht die drei Dinger aus dem Spalt der Hülle. Das wird akzeptiert, es sind ja auch die einzigen Funde. 

Hei, und dann sind unsere Autos in Australien aufgenommen. Super, wir sind froh. Und auch die grosse Schlussrechnung von 1’214 AUS$ macht uns gar nicht mehr so viel Bauchweh.

 

19.05.2018

Heute besorge ich mir mal die Materialien, um das Kamel einzumotten, und um alles wieder einzurichten, was ich wegen der Einfuhrbestimmungen in Dili zurücklassen musste. Unter anderem Holz für das blaue Fässchen zu stabilisieren. Und ein Innenteppich muss auch wieder eingepasst werden.

Am Abend gibt es an der Waterfront ein Fest, mit Operngesängen und Feuerwerk. Einfach wunderschön, mir gefällt heute sogar die Oper. Und es kommt mir schier vor, als dass es das Fest des Roten Kamels* ist… ich bin jetzt in Australien angekommen.

Die Airbnb Familie und deren Freunde bescheren mir einen eindrucksvollen Abend. Tina, ganz herzlichen Dank!

*und Tante Klaras 115. Geburtstag, Susanne und Max werden heute etwas wenig alt…

 

20.05.2018

Autoeinräumen, das ist tagesfüllend. Aber Berichte füllt es weniger spannend.

 

21.05.2018

Montag, also los gehts, mit Organisieren: Telefon zu Ed, dem Garagisten, hinfahren, abklären, terminieren, dann die böse Erkenntnis: der Bolzen an der Heckstossstange ist nur in Europa zu beschaffen, nun ab zum Autoelektriker, die Alarmanlage geht wieder, beim Gummigeschäft die Absage: Solche Gummis für den Kotflügel gibts hier nicht, jetzt ab in die Schlosserei, ja, die Zelthalterung kann man machen, also dann Zelt bestellen und bezahlen, dann zu Bunnings, das falsch eingekaufte Zeugs zurückgeben, bei ARB ein Zusatzfederblatt für die Federn hinten bestellen… Auch so kriegt man einen Tag hin.

 

22.05.2018

Auch heute fahre ich wieder zum Elektriker. Die schadhafte Alarmanlage funktioniert zwar wieder (diese habe zu viel Wasser abgekommen: kein Wunder!), dafür kann man das Innenlicht nicht mehr abschalten. Und da es derselbe Schaltkreis ist, vermute ich, dass da gestern etwas nicht ganz geklappt hat. Nun, wie sich herausstellt, ist eine Platine hinten am Armaturenbrett durchgebrannt. Wie auch immer… keine Ahnung wie das passiert ist… jetzt überbrückt der Autoelektriker mir einem Minikupferdrähtchen. Und alles ist wieder bestens.

Nachmittags versuche ich das Auto zu versichern und zu legalisieren. Nicht einfach, wie sich später in einem Mail herausstellt. Denn bevor ich eine Autohaftpflichtversicherung abschliessen kann, muss ich das Auto registrieren lassen. Und da beisst sich die Schlange schon mal in den Schwanz: Bevor man das Auto versichern kann, muss man es registrieren. Und um es zu registrieren muss es versichert sein.

Für Interessenten mit der gleichen Problematik aus dem MV Mail:

You can drive your overseas registered vehicle in the Northern Territory (NT) if can meet all of the following:

–          it’s only temporarily in the NT (less than three months)

–          it’s registered in another country for the duration of its stay in the NT

–          it has number plates required by the law of that country

–          it has a policy of compulsory third party insurance issued within Australia.

If th vehicle first entered Australia in the NT you must do all the following:

  1. Have your vehicle inspected at a MVR inspection test shed for compliance with NT roadworthy requirements – https://nt.gov.au/driving/rego/vehicle-inspections/book-a-vehicle-inspection
  2. Supply a current visa issued by the Department of Foreign Affairs and Trade
  3. Provide a current certificate of registration from the country where the vehicle is registered, in the name of the applicant, for the vehicle
  4. Provide a copy of CARNET or Federal Office of Road Safety import approval, and any other customs documents.

 

23.05.2018

Ja, morgen werde ich die liebe Familie Bernardi Higgins und deren Freunde verlassen. In dieser Familie habe ich nicht nur offene Türen gefunden. Die gute Zeit, die Herzlichkeit und das offene und ehrliche Zusammenleben haben mir ausserordentlich gefallen. Das war ja fast eine „Wohlfühloase sondergleichen“, ein richtiges Zuhause. Ich  durfte jeweils nicht nur eine grosse Gastfreundschaft erleben, sondern habe auch auch viel Hilfe und Unterstützung für alle meine Reisebelange erfahren. Dafür auch hier einen ganz herzlichen Dank.

Zu Tina, Leila, Noah und Paddy habe ich durch Airbnb gefunden. Wenn jemand in Darwin eine gute Adresse sucht, so darf sie/er mich gerne kontaktieren. Im Airbnb habe ich u.a. geschrieben: Ein Zuhause, das mich zum Bleiben brachte, ohne mich am Abreisen zu verhindern.

 

24.05. – 30.05.2018 / Ende der III. Etappe

Früh morgens um 3 verlasse ich das Kamel in seinem neuen Stall und beende somit die dritte Etappe. Das Flugzeug hebt um 6 Uhr ab. In Singapur will ich noch einmal ein paar Tage ausruhen, vor allem in Stille verarbeiten, einige Administration erledigen, die Rückkehr vorbereiten, Chinamedizin kaufen und immer und immer wieder fein Chinesisch essen*… dazu bietet sich die Nähe von Chinatown richtig an. *(in Darwin nicht wirklich möglich, oder dann eben viel zu teuer).

Die dritte Etappe, dieses Insel-Hüpfen, war wiederum sehr spannend und erlebnisreich, mit intensivsten Naturerlebnissen, tiefen täglichen Eindrücken, abwechslungsreich wie ein Action-Endlosfilm mit vielen Höhepunkten, und vor allem mit unendlich vielen schönen Begegnungen. Es gibt so viele gute Menschen auf dieser Erde. Und mit einigen werde ich verbunden bleiben dürfen.

Aber diese  Etappe war auch nicht immer ganz einfach – rückblickend war es doch bisher die schwierigste Etappe. Mit einem Krankheitsfall und einer schwierigen Rückführung, mit Pannen und Reparaturen, einem Raub, mit vielen Aufwänden und haufenweise Papierkram und auch grösseren finanziellen Auslagen. Dazu kommt auch die schwer zu verarbeitende Erkenntnis, das diese Erde in Kürze durch unser Konsumverhalten und unseren unbedachten Umgang mit der Umwelt zerstört sein wird, wenn nicht bald ein Wunder geschieht. Das kann sich wirklich nur vorstellen, wer es direkt gesehen hat. 

Liebe ehemalige Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen: Das Abholzen der Regenwälder, der Umgang mit Plastik und anderen Kunststoffen, unser Konsumverhalten muss Thema an unseren Schulen sein. Die Zeit drängt! … 

Eine ganz besonderen Dank möchte ich Pierre und Edi aussprechen. Es ist ein grosses Glück, mit Freunden Reiseeindrücke teilen zu dürfen, die nicht einfach mitgehen, sondern eben aktiv teilnehmen.

Und ein ganz besonderer Dank gilt auch den im Hintergrund Arbeitenden, insbesondere meinem lieben Göttibuben Tobias. Er betreut die Seite und schaltet die Beiträge auf.

Nun freue ich mich auf die Zeit in der Schweiz. Am 30.05. bin ich zurück. Ende Oktober melde ich mich wieder mit der IV. Etappe…

Hoo Roo, Aussies…

 

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