die Berichte

Berichte 01.02. – 15.02. 2024

1.2.2024

Ankunft in Cancun, Ankunft in einer ganz anderen Welt. Und zunächst gilt es unangenehme Situationen zu meistern. Aus den bisherigen Taxifahrten habe ich gelernt, dass eine Fahrt vom Flughafen zum YurInn, wo das Kamel steht, maximal 600 Pesos (30 CHF für 12 km) kostet. Da warten aber schon eine Menge Taxi Unterhändler mit frisch gedruckten Tabellen da. Unter 1600 Pesos wird keine Fahrt angeboten, unmöglich, so sagen sie… Auch eine Art Mafia eben. Ich schlängle mich durch die Plakat- und Fake-listen-Menschen durch, direkt zu den Taxifahrern.  Und da gibts den einen, der mich für die 600 hinfahren will. Am Ende gebe ich ihm 700 Pesos. Willkommen in Mexico.

 

2.2.2024

Es gibt wieder alles zu kaufen. Es gibt auch Coca-Cola, McDonalds und andre US Junkfood Ketten – und viele übergewichtige Menschen. Man braucht auch sehr viel mehr Geld als in Kuba, denn Mexiko ist schon sehr viel teurer geworden. 

Eigentlich gibt es alles zu kaufen, das ist richtig, aber nicht alle können alles kaufen. Es fehlen nun zwar die Leute, die nach Geldwechsel fragen, Che Bildchen verkaufen oder irgendwelche schönen Frauen oder Zigarren anbieten, oder sonst irgendwie nach Geld fragen. Doch Bettler gibt es auch, aber die wirken hier irgendwie wie verstummt. Resigniert liegen sie an den Strassenecken herum. Am auffälligsten werden nur diese an den Strassenkreuzungen, die irgendetwas vorführen oder vortanzen, oder Scheiben reinigen wollen…  und dann mit vorgehaltener Hand den Autos entlang gehen um etwas zu bekommen. 

 

3.2.2024

Nun renne ich also wiederum von Werkstatt zur Werkstatt, von Garage zu Garage.  Und immer wieder gibt es auch Missverständnisse. 

So habe ich eine Unterbodenreinigung und Rostbehandlung gewünscht, doch es wurde dann so irgendwie einen Korrosionsschutzschicht gespritzt.  Diese müsse man nach vier oder fünf Jahren mit eDas kann ja lustig werden. inem Lösungsmittel wieder wegbringen, meint der Werkstattleiter. Nun hoffe ich wenigstens, dass es in der Zwischenzeit der Rost nicht mehr sehr viel weiterknabbern wird . 

Den „Schleicher“ auf dem Reifen hinten links kann behoben werden, glaub› ich wenigstens. Eine bösartige kleine Schraube hat sich durchgestochen. Die Schraube hat zwar den Reifen noch ziemlich dicht gehalten, aber es ist doch immer ein bisschen Luft entwichen. 

Nun habe ich auch schon etwas Einkäufe getätigt. Morgen geht es nur noch darum, das Kamel richtig zu beladen.

 

4.2.2024

Alles nimmt doch ein bisschen mehr Zeit in Anspruch, als ursprünglich geplant. Mein Fazit: Das Stehenlassen eines Autos für mehrere Monate schadet dem Fahrzeug um einiges mehr, als wenn einfach die ganze Strecke durchgefahren würde. Aber das ist in meinem Fall eben nicht anders lösbar.

Die meisten Schäden sind eine Art Standschäden. Da ist der Schimmel, die kaputten Batterien, Korrosion an Steckern, gewisse Teile und Schrauben, die eingerostet sind, Schlösser die sich nicht mehr bewegen lassen, und gewisse Sachen funktionieren dann einfach nicht mehr. Die Akkus laufen nur noch halb so lange wie vorher. Rost hat sich erstmals so richtig bemerkbar gemacht, und gar Insekten haben sich einen neuen Lebensraum geschaffen. 

Das Kamel ist doch dann irgendwann um 15 Uhr endlich reisebereit, auch den Wassertank habe ich gefüllt. Die Fahrt ist eher kurz, ich habe ein Angebot gratis campieren zu dürfen. Dort werde ich mich mal erst ausruhen. Es hat sogar ein Cenote, wo man schwimmen kann. Das Wasser ist zwar etwas kälter als das Meereswasser, aber kristallklar. Seelen und Haut reinigend. Und es gibt abends praktisch keine Menschen, ich bin ganz alleine in diesem abgeschlossenen Jungle Bereich.

Die Familie unweit von hier in ihrem kleinen Häuschen ist sehr nett und hat mich besucht, die Kinder fragen mir schier Löcher in den Bauch. Leider kann ich nicht ganz alles verstehen. Und sie wohl auch nicht.  

 

5.2.2024

Am Vormittag mache ich noch die letzten kleinen Reparaturen, die ersten kleinen Rostlöcher hinten im Kotflügel behandle ich mit einem Korrosionsschutzfett. Aber ich werde wahrscheinlich in den nächsten Monaten sicher mal ein Stück ausschneiden, und neu lackieren lassen müssen. 

Am Nachmittag besuche ich den naheliegenden Ort Porto Moreillo, der ist ausgesprochen touristisch strukturiert.  Aber sehr viel angenehmer und hübscher  als die Hotel Umgebung von Cancun. Und am Abend richte ich noch mal im gleichen Camping wie gestern ein. 

 

6.2.2024

Marco ist der Platzwärter des staatlichen Campings in Bacalar. Dem iOverlander App (übrigens wirklich sehr empfehlenswert) kann man entnehmen, dass eine Übernachtung 200 Pesos kostet. Marco will das doppelte geltend machen. Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle ihm beiläufig von den Angaben im Internet. Und siehe da, er ist dann bereit, ein Sonderangebot zu machen. 200 Pesos eben. Aber freundschaftlich, nur für mich, nicht weitersagen und so… eine absolute Ausnahme. Ich danke, lobe ihn und seine grossartige Hilfe. Und alles ist ok., sein Gesicht gewahrt.

 

7.2.2024

Ich bleibe in und um Bacelar. Es gibt wunderbare Cenotes, auch in den Lagune. Ein Ferienparadies.

Wir planen die Weiterreise, denn mittlerweile haben wir uns zu Viert zusammengeschlossen. Gemeinsam werden wir durch Belize, Guatemala, wohl bis El Salvador oder gar bis Panama reisen. 

Es sind dies Kamyl und Veronique aus Quebec, und Nancy aus Mexico. Das junge Paar aus Canada fährt auch einen alten Landcruiser. 

Mit zwei Autos unterwegs zu sein vermittelt doch eine Art Sicherheitsgefühl. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass ein weiteres Auto mitfährt, doch dieser VW Bus hat momentan noch einen Getriebeschaden zu beheben. 

 

8.2.2024 

Heute fahren wir über die Grenze nach Belize. Jetzt lasse ich das wunderbare Reiseland Mexico hinter mir. Das ganze Verfahren am Zoll dauert zwar eine Weile, aber der Grenzübertritt ist eher problemlos. Eine Haftpflichtversicherung kann auch unmittelbar nach dem Grenzübertritt abgeschlossen werden. Unser Tross fährt noch bis Orange Walk Town. Belize mit den vielen, schier endlosen Zuckerrohr Plantagen (Orange Walk ist die Sugar Town) erinnert mich zunächst mal an Kuba. Aber wirtschaftlich ist das Land in einer ganz anderen Situation. Übrigens ist die offizielle Sprache Englisch. Das vereinfacht die Kommunikation doch schon erheblich… Ich bin nicht mehr so sprachlos, 😉

 

9.2.2024

Heute rumpeln wir über die Piste nach Lamanai. Die Maya-Ruinen von Lamanai in Belize sind versteckt im Dschungel, es hat beeindruckende Tempel und Paläste, darunter den imposanten «Hochtempel» mit spektakulären Ausblicken. Der «Jaguar-Tempel» und die Maskentempel enthüllen Einblicke in die religiösen Praktiken der Maya. Lamanai, bedeutet «untergetauchter Krokodil», und solche Krokodile gibt es hier tatsächlich. Und ab und zu tauchen sie eben wieder auf – deshalb schlagen wir unser Camp in einer sicheren Distanz zum Fluss auf.

In Belize höre ich zum ersten Mal in unserem Leben die Brüllaffen. Echt beängstigende Waldrufe. (Zunächst fürchtete ich mich vor Jaguaren – die soll es hier ja auch geben).

 

10.02.2024

Belize wurde übrigens erst am 21. September 1981 unabhängig… und ist aus dem früheren Britisch Honduras entstanden. Offenbar soll der Name Belize von einem Seeräuber stammen, Peter Wallace, genannt „Ballis“. Er benannte 1638 den Belize River und wurde so zum Namensgeber des späteren Staates Belize.

Belize hat eine faszinierende Geschichte und vielfältige Kultur. Einst Teil des Maya-Reiches (Die historischen Maya-Stätten wie Caracol und Xunantunich ziehen Besucher an), wurde es später von Spaniern und Briten kolonisiert. Die Bevölkerung spiegelt eine Mischung aus Maya, Garifuna, Mestizen und anderen ethnischen Gruppen wider, was zu einer reichen kulturellen Vielfalt führt.

Die politische Landschaft von Belize sei geprägt von einer stabilen Demokratie. Die Hauptstadt ist Belmopan. Auffallend: Der Ökotourismus ist in Belize stark vertreten, da das Land über das zweitgrößte Barriereriff der Welt, das Belize Barrier Reef, verfügt. Der Great Blue Hole, ein Unterwasserloch, ist ein weiteres beeindruckendes Naturwunder. Die Ökotourismus Angebote sind aber eher teuer. Einen Ausflug zum Unterwasserloch müssen wir der hohen Kosten wegen auslassen. 

Die Umweltthemen, insbesondere der Schutz des Barriereriffs und der Regenwälder, sind für Belize von grosser Bedeutung. Es setzt sich aktiv für den Umweltschutz ein und fördert nachhaltigen Tourismus. 

Wir teilen uns auf, die Véronique und der Kamyl fahren einen Bogen in die südlichen Küstengebiete, Nancy und ich fahren direkt in das Naturgebiet um San Ignazio.  Die Küstenstadt Belize City, meiden wir, es sei eher riskant dort… 

Wir fahren durch eine Bergregion nach San Ignacio. Und sind schon fast am anderen Ende des Staates. Belize ist gar kleiner als die Schweiz, fast nur halb so gross… 22’966 km2.

Das Camp hier fühlt sich wirklich schon sehr tropisch an. Und trotzdem brauche ich nachts meinen Schlafsack. Die Temperaturen sacken von 35° auf 18°C ab. Brrr…

 

11.02.2024

Ein beliebtes Ausflugsziel sind die „Big Rock Falls„. Diese befinden sich rund 30 km von San Ignacio entfernt und liegen in den Mountain Pine Ridge Reserves. Die wollen wir heute besuchen. Doch am Vormittag machen wir alles mal ein bisschen achtsamer und verlangsamt.Und wir haben wir also ein Hiking Tag, in den Pinienwäldern eben. Wir wandern rund 5 km und erholen uns dann in den kühlen aber nicht kalten Gewässern des Flusses.  Mein Bein schmerzt wieder etwas. Die Abkühlung im Wasser jedoch wirkt Wunder. Alles geht nachher ganz flott.

 

12.02.2024

Nun überqueren wir die Grenze nach Guatemala. Sie ist ja auch nicht mehr weit. Das Ganze Procedere ging doch sehr viel einfacher als ich mir das vorgestellt habe, in Belize mussten wir zuerst ein paar Dollar liegen lassen, um ausreisen zu dürfen, in Guatemala gibt es zuerst eine Desinfektions Waschstrasse für das Kamel, und auch das kostete wieder ein paar Dollar. Bei der Immigration geht alles ganz zügig. Auch etwas kostet es für die Fotokopien, um das Auto einzuführen, und dann habe ich auch noch eine für die Einfuhrdokumente zu bezahlen, damit ich das Auto überhaupt über Grenze nehmen kann. Versicherung brauche ich keine In Guatemala, für die paar Tage. So sagt die nette Dame am Schalter. Er sei da nicht obligatorisch. Das werde ich mir noch überlegen müssen. Auch wenn’s nur etwa acht Tage maximal sind. 

 

13.02.2024

Papageien krächzen, Affen brüllen, und leichte Nebel steigen aus dem Dschungel auf, aus dem Regenwald des Tikal Nationalparks. Ganz alleine sitze ich zuoberst auf der Pyramide, 70 m Höhe sei dieses Wunderwerk. Es ist ein erhabenes Gefühl, viele würden wohl den Ort als Kraftort bezeichnen.  Man fühlt sich tatsächlich als ein winziges Teil eines unendlichen Ganzen. Schon um 5:00 Uhr haben wir gefrühstückt, und uns dann individuell in diesem Tikal bewegt, die Touristenbusse kommen erst sehr viel später an. Das ist ein Vorteil, wenn man eben direkt neben dieser legendären Anlage parkieren und schlafen kann. Es ist auch alles sicher hier, denn Touristen darf nichts passieren, und deshalb hat es überall Soldaten und bewaffnete Polizisten. Nur die Mörderbienen im Tempel 2 stellen eine kleine Bedrohung dar. Mit Leitern,  Seilen und speziell ausgerüsteten Kletter Künstlern versucht man diese loszuwerden. Ich schaue zusammen mit Nancy zu, ein Angestellter Erzieher dann auch von verschwundenen oder von Krokodilen gefressenen Touristen. Auch hier In Guatemala sind die ersten Eindrücke doch so, dass die Menschen sehr liebenswert und sehr offen sind für jegliche Anliegen. Die Leute erzählen gerne Geschichten, da verstehe ich halt nicht ganz alles, doch die Einblicke in das Leben der Einheimischen sind tief, nicht zuletzt dank den Übersetzungen von Nancy. Sei es über die wilden Tiere im Park, die verschwundenen Touristen eben, wo man nur noch Brillen und Handys findet – oder was auch immer. 

 

14.02.2024

Wir sind zu viert unterwegs, und die Herausforderung besteht darin, vier unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Einige von uns müssen öfter essen, andere bevorzugen ein zügiges Tempo. Während ich gerne plaudere, möchten die anderen lieber vorwärtskommen. Dennoch erstaunen wir uns in vielen Belangen durch erstaunliche Homogenität.

Unser Ziel ist zunächst die kleine Stadt Isla de Flores, und alle sind mit der Idee des Stadtbummels und dem anschliessenden Einkauf einverstanden.

Heute steht vor allem Autofahren auf dem Programm. Die Routenplanung erfolgt sorgfältig mithilfe der iOverlander App, die uns vor Raubüberfällen und Strassenblockaden in bestimmten Abschnitten warnt. Wir vermeiden Strassen mit zahlreichen Achtungssignalen, wie zum Beispiel auf der Straße Nr. 5, und nehmen stattdessen einen riesigen Umweg von 2 Tagen in Kauf.

Trotz der Vorsichtsmassnahmen schaffen wir heute die 230 Kilometer in 6 Stunden. Die Reise birgt Herausforderungen, doch die Vorfreude auf Semuc Champey und die gemeinsamen Erlebnisse verbinden uns auf dieser abenteuerlichen Fahrt.

 

15.02.2024

Heute Teil 2 der Umfahrung… 150 km, in 7 Stunden. Die Strasse windet sich mal wie ein schmaler Pfad durch die Berge, mal wie ein steiles Bachbett, gespickt mit tückischen Löchern wie Bombenkrater so gross, und abschüssigen Abschnitten. Durch den vorangegangenen Regen ist der Untergrund leicht rutschig, während die kurvige Strecke mit steilen Bergauf- und Bergabpassagen sowie engen Haarnadelkurven eine wahre Herausforderung für jeden Fahrer darstellt. Die kurvige Strecke könnte ich mich mir ohne Servolenkung gar nicht vorstellen. Es gibt auch Stücke die sie sind recht angenehm. Wir fahren durch zahlreiche kleine Dörfer, alles ist sehr bunt und schön, vor allem die Frauen tragen traditionelle Kleidung, mit sehr knallig farbigen Blusen und Stickereien. Die Begegnungen mit den Leuten ist spannend, die Indios hier scheinen sehr schüchtern zu sein. Sie wenden sich sehr oft auch ab, andere winken etwas zaghaft zurück, wenn man ihnen zuwinkt. Die meisten freuen sich, Ausländer gibt es nicht jeden Tag zu sehen, und wenn man vorbeigefahren ist hört man alle diese «Gringos!  Gringos!» Rufe. Das ist lustig. In einem Dorf bleiben wir zwei Stunden und geniessen das Essen aus Indianerküche.

Ziemlich erschöpft kommen wir abends in Lanquin an.