Berichte 01.12. – 15.12.2025
Edificios de 20 pisos
Montag, 1.12.2025
Wir verlassen El Chaltén nicht, ohne vorher in einer kleinen Bäckerei feinstes Vollkornbrot mit Nüssen und Calafate-Saft zu kaufen. Vollbeladene Radfahrer*innen decken sich ebenfalls ein. Der Fitz Roy liegt im Nebel, es ist kühl im Ort. Ziel der heutigen Etappe: Calafate …? Ja, Calafate! Die Berberritzenbeeren, schon seit Jahrtausenden in der Region verehrt und genossen, sind auch namensgebend für das regionale Hauptstädtchen und «Nr. 1-Patagonien-Tourismus-Destination», quasi die Hauptstadt der Andenwelt um den Parque Nacional Los Glaciares. Die Fahrt ist lang und führt weg aus der Bergwelt, erneut in die leere, wüstenhafte Steppe, diesmal durch Millionen Jahre alte Sedimentschichten eines ehemaligen Urmeeres. Schlussendlich öffnet sich der Blick auf den riesigen Lago Argentino, welcher von einem der grössten Gletscherfelder der Welt gespiesen wird. Das Städtchen ist quirlig und vollkommen auf den Parque-Nacional-Los-Glaciares-Tourismus ausgerichtet. In einer gut sortierten Buchhandlung sehe ich zum ersten Mal Literatur über die verschiedenen indigenen Kulturen der Region. Das rote Kamel parken wir zwischen anderen Geländewagen und Campermobilen auf einem gut gelegenen Platz nahe dem Zentrum und einer Wäscherei.
Dienstag, 2.12.2025
Dann stehen wir auf einer Plattform gegenüber des Glaciar Perito Moreno! Gigantische Eismassen aus den umliegenden Bergmassiven stossen hier in den obersten Teil des Lago Argentino. Die Gletscherzunge ist bis zu 70 Meter hoch und über 3 Kilometer breit, wuchtig und mächtig. Beim Ankommen bricht (kalbt) gerade ein grosser Block in voller Höhe weg – also ein fast 20-geschossiges Hochhaus! Welche Dimensionen. Eisberge driften weit in den See hinaus, surreale Bilder.
https://de.wikipedia.org/wiki/Perito-Moreno-Gletscher
Nos preguntamos qué pasó?
Mittwoch, 3.12.2025
Nach dem Besuch im Centro de interpretación Calafate widme ich aus stiller Betroffenheit über die systematische, bis ins 20. Jahrhundert praktizierte Entwürdigung und Vernichtung der verschiedenen regionalen, indigenen Volksgemeinschaften (Genozid) heute diesen Beitrag ausschliesslich dem Thema des Zentrums.
Übersetzt mit DeepL (https://dee.pl/app)
Wir fragen uns, was
passiert ist?
MUSEEN WOFÜR?
Um sich zu erinnern.
Um zu vergessen.
Die Erinnerung besteht aus Vergessen.
Wenn wir uns an alles erinnern, erinnern wir uns an nichts.
Museen, um den Wandel zu zeigen.
Museen, um Diskriminierung zu bekämpfen oder um sie zu legitimieren?
Um einen Völkermord zu verurteilen oder um ihn zu erklären?
Um die Wahrheit aufzuspüren oder um die Spuren zu verwischen?
Die Geschichte ist ein Schlachtfeld.
In diesem Museum bekämpfen wir die Vorstellung, dass Patagonien eine kulturelle Wüste war und ist.
Ein Findling und seine Felskunst in der Steppe schreien es uns entgegen.
Hören wir es?
Patagonien ist eine Landschaft voller Geschichten, voller Leben und Kultur seit Jahrtausenden,
ein Schauplatz der biologischen Evolution und der menschlichen Geschichte.
Museen, wozu?
Damit sie den Kindern sagen, dass sie nach der Wahrheit suchen sollen.
Damit sie uns Erwachsenen daran erinnern, dass wir weiter lernen können.
Museen, um Vergessenes wieder gut zu machen.
Museen, um Zukunft zu gestalten.
Torres, Torres, Torres
Donnerstag, 4.12.2025
Freitag , 5.12.2025
Esperanza, mitten im grossen Nirgendwo Argentiniens! Die Weite und die Strecken sind kaum fassbar. Die Fahrt geht weiter, vorbei an endlosen, eingezäunten Flächen. Oft handelt es sich hier um Schafhaltung. Die Gutshöfe – Estancias – sind entweder ärmlich oder wohlhabend und ducken sich hinter schützenden, windgepeitschten Baumreihen. Sie umfassen aber immer Gebietsflächen, welche für uns Europäer einfach unvorstellbar sind. Am Wegrand oft Gedenkstätten für Verstorbene, Unfallopfer, auch Kinder.
Die Grenze zu Chile ist bezüglich Landschaft wie auch Strassenzustand messerscharf. Das Zollprozedere ist wie gehabt. Vor der Grenze gibt es einen Essenshalt, wir brauchen alle frischen Lebensmittel auf. Dann geht’s schlank durch. Unterwegs zum Etappenziel erfolgt ein Wetterumschlag – es geht ins Gebirge. Regen und stürmischer Gegenwind schütteln am roten Kamel. Am Lago Azul …. der grandiose, leicht verhüllte Blick auf die Torres!!!
Wir erreichen eine weitere Traumdestination so vieler Südamerika Reisender:
Parque national Torres del Paine!
Eine kurze Nacht steht bevor!
Der (Super-) Vollmond zeigt sich erst kurz vor Mitternacht, frühes Aufstehen wird feurig belohnt. Handschuhe und Daunenjacke schützen den Fotografen mässig gegen die kalte, windige Nacht.