Berichte 01.01. – 15.01.2018

Gegenwärtig geniesse ich das Leben im Kreise meiner Lieben… und am 03.01.2018 gehts wieder ab in die Ferne: Mit dem Flugzeug nach Jakarta in die sommerlichen Temperaturen. Dann wird das Rote Kamel überholt, gewartet, geschmiert… Wir möchten dann von Jakarta bis Darwin kommen. Mal sehen… Wir freuen uns wieder in die fremden Welten einzutauchen zu dürfen, nicht virtuell eben, sondern mit allen Sinnen und Gefühlen. Und ich freue mich euch allen dann wieder viel Neues erzählen zu können.

 

03.01.2018

Heute Abend sollte mein Flugzeug abheben. Das tut es auch, ziemlich geschüttelt und gerüttelt, und dann irgendwann endlich… Burglind (das unheimliche Sturmtief) beschert mir einen stürmischen Abschied. Mit einem solchen Namen kann es ja nicht anders kommen.

Am Flughafen Zürich erfolgt die Meldung, mein Flug würde sich um mehr als eine Stunde verzögern. Ein hilfsbereiter Angestellter meint, ich solle abfliegen, in Frankfurt würde der Anschlussflug nach Singapur bestimmt auf mich warten. Nee, denkste… So übernachte ich in einem gesponserten Hotel beim Flughafen Frankfurt.

 

04.01.2018

Morgens um elf Uhr fliege ich in einer umgebuchten Version tatsächlich gegen Osten. Statt einer Lufthansa Maschine ist es nun die Singapor Airlines die mich verwöhnt. Der Flug ist diesmal ruhig. Und der Tag kurz. Ich fliege ja gegen Osten…

 

05.01.2018

Keine grosse Überraschung am Singapurer Flughafen: Der Anschlussflug ist weg. Und auch klar ist, dass keiner bezahlen will. Eigentlich habe ich ja ganz vorsichtig gebucht, an diesem Flughafen habe ich eine Wartekadenz von 11 Stunden eingeplant. Aber wer hätte schon gedacht, dass es dann 24 Stunden würden.

Malaysian Air hat keine Plätze mehr und weist mich an Schalter 6. Dort können sie mir einen Flug für 150 Fr. anbieten. Aber leider nur mit max. Gepäck von 20kg. Mein 29kg Täschchen wollen die nicht.

Versuche mit einer Online Plattform kurzfristig auf eine Lion Air umzubuchen, gebe die Kreditkartennummer ein, alles scheint zu funktionieren. Aber dann kommt die ernüchternde Meldung: Buchung nicht erfolgreich!

Die Zeit drängt, es bleiben weniger als 2 Stunden vor dem Abflug dieser Lion Air. Ich gehe kurzerhand hin, in den zweiten Stock ganz hinten zum Einchecken, klage mein Leid und sage, es hätte zwar noch Plätze frei, aber die Buchungsbestätigung sei noch nicht auf dem Handy erschienen. Sie bestätigen die freien Plätze und verkaufen mir kurzerhand vor Ort das Ticket für 65 Fr.

Voilà, nun komme ich doch noch nach Jakarta, mit dem Lion zum Camel.

 

06.01.2018

Ich habe ein erstes Mal wieder im Kamel übernachtet. Anwar und die ganze Crew von Indah Motors Cibinong haben wunderbar zu meinem Kamel geschaut. Es ist genau in dem Zustand, wie wir es verlassen haben. Ein wenig rostiger vielleicht.

Nun ist erster Bautag. Zuerst Kisten und Schränke ausräumen, ergänzen und wieder einräumen. Dann Lampe reparieren, das so genannte Torpedoblech abschrauben und die Abflüsse reinigen (wir haben bei starkem Tropenregen Wasser im Fahrgastraum). Der Wasserhahn wäre auch noch zu ersetzen. Aber ich muss das Arbeitstempo ein wenig der Hitze anpassen. Im Kamel drin ist es schnell mal 45°… Und ich erblinde schier, weil mir der Schweiss dauernd in die Augen tropft.

 

07.01.2018

Eigentlich traurig. Einer der Arbeiter aus der Putz-Equipe bei Anwars Indah Motors spricht ein überraschend gutes Englisch. Als einziger. Und mit einem Leuchten in den Augen, denn er kann es fast nicht glauben, dass ich ihn auch mühelos verstehe. Er erzählt mir, er habe Englisch einzig aus Filmen, vom TV, aus Songs gehört und so gelernt, im Internet nachgesucht, was die Wörter bedeuten und die Aussprache vor seinem Handspiegel geübt. Er sagt auch, dass er so gerne hätte an der Universität studieren wollen. Aber schon die Highschool würde 10’000’000 IDR jährlich kosten (etwa 700 CHF). Aber seine Familie, arme Bauern vom Lande, hätten sich das eben nie leisten können. Und die Uni würde dann auch schon 20’000’000 IDR kosten. Ich frage ihn, ob ich in der Schweiz nach einem Sponsoring Ausschau halten soll. Er wird traurig: „Zu spät, ich bin schon 34 Jahre alt.“ Ich habe ihn auf zwanzig geschätzt.

 

08.01.2018

Heute ist ein besonderer Tag, der Tag des unendlichen Versicherungs-Marathons. Schon um Acht spurten wir los, der Anwar ist so lieb mich zu begleiten, sprich mich hinzufahren. Die erste Versicherung ist nah, etwa 2km vom Kamelstall weg. Doch schon mal eine erste Ernüchterung: Die Versicherung hier ist nur für allgemeine Haftpflichtsfragen zuständig. Wir sollen weiter nach Bogor fahren. 2okm, auch Autobahn. Das tun wir denn auch, noch zuversichtlich. Denn für die nächste Versicherung ist das Auto zu alt, erst ab 2008 würde versichert. Weiter halt, bei der dritten werden keine ausländischen Fahrzeuge versichert. Bei der vierten… und es liegen immer einige Kilometer dazwischen, telefonische Abklärungen seien nicht möglich… ist das Auto immer noch zu alt. Jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer, die Zurich. Heimatliche Sicherheitsgefühle, doch ach, diese ist in Bogor nicht mehr vorhanden

Die sechste Versicherung ist die Allianz. Mit dieser Versicherung habe ich grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht, aber eben mit Herrn Häberling, nicht mit Herr … . Gut, er sagt es sei schwierig, er würde aber die zahlreichen Abklärungen machen.

Komisch, denn an der Grenze zu Kalimantan (Indonesien auf Borneo) aber haben wir schon mal eine Versicherung in Indonesien abgeschlossen. Florian, wenn du das liest, wirst du staunen… die war ein Monat lang gültig, aber leider nur für Kalimantan. So sind wir also schon mal wochenlang ganz ohne Versicherungsschutz unterwegs gewesen.

Das Kamel schart, und kurzerhand entschliesse ich mich nun, mit ihm auszufahren, ganz ohne Versicherung halt, in die Cibinong City Mall, wo es doch haufenweise gute Sachen zu essen gibt. Ich brauche wieder mal einen guten Chinesischen Food.

 

09.01.2018

Die Versicherungsgeschichte findet eine Fortsetzung. Um Acht sind wir wieder in Bogor, Büro eins und Büro zwei, Kopfschütteln, diskutieren, telefonieren… Das Auto ist immer noch zu alt. Aber ich habe diesmal einen Trumpf in der Hand: Genau dieses Rote Kamel war ja bis im Mai in Indonesien versichert, auf Borneo an der Grenze von Malaysia herkommend. Das Papierchen habe ich nämlich glücklicherweise wieder gefunden. Also folgt ein Telefonat nach Borneo. Dieser Versicherungsinspektor ist Spitze und er will helfen. Und in Etinong an der Grenze sind die Beamte auch zu gewinnen. Sie stellen ein Papier aus, machen eine Foto und senden dies per Mail. Am Mittag ist dies ausgedruckt, gestempelt… und das Kamel ist wieder versichert. Leider nur für einen Monat. He nu, dann gehen wir im Februar wieder in die Büros…

 

10.01.2018

Heute ist Entrostungstag… Glücklicherweise hat Anwar begabte Carosserie Spengler auf dem Hof. Spritzkabinen gibt es nicht, die Farben werden gemischt bis sie stimmen, Schutzmaske habe ich noch keine gesehen. Die Kerle dauern mich.

 

11.01.2018

Grundsätzlich sitze ich etwas im Hof von Anwars Indah Motors fest. Es wird weiter am Auto gearbeitet… 

Ich glaube, dass ich in diesen paar Wochen mehr und mehr auch noch Indonesisch lernen müsste. Fällt mir nicht nur leicht. Aber eigentlich gibt es doch eine kleine Chance, denn in diese Sprache beinhaltet viele Parallelwörter, so heisst Staubsauger einfach Vakuum, Auto einfach mobil, Parkplatz ist parkir, Radio ist radio, und Musik ist eben musik. Und der Polizist ist der polisi (und von denen gibt es im Moment überall sehr viele, über das Wochenende finden Wahlveranstaltungen statt).

Übrigens kennt jede durchschnittliche Schweizerperson mindestens zwei bis vier Indonesische Wörter. Orang Utan und Nasi goreng. Orang heisst Mensch, utan so etwas wie „aus dem Wald“, und Schweizer heisst dann also Orang Swiss. Nasi ist Reis, und goreng gebraten. So ist das…

 

12.11.2018

Heute morgen nerven mich wie immer die 48’000 Hähne rund um das Auto. Und dann bereits um Fünfe rufen die Muezzins von den Minaretten in diversen Stimmlagen und Gesangskadenzen gnadenlos in mein Kopfkissen.

Der Automaler hat seine rote Farbe bekommen und sprayt schon vor Sechs fröhlich um mein Auto herum, noch bevor ich wirklich das Kamel verlassen habe.

Trotz alledem bekomme ich keinen roten Kopf, ich finde das lustig und spannend. Und tatsächlich, das Auto wird bis am Abend meisterhaft bearbeitet. Wunderschön. Alle Schäden behoben.

Bald kann es losgehen… Schaut euch mal die Bilder an.

 

13.01.2018

Heute Samstag reisen doch einige aus Anwars Indah Motors ab in ihre Dörfer, die meisten aber bleiben. Denn sowohl auch am Samstag und am Sonntag wird gearbeitet.

Das Dach wird heute grundiert und gespritzt. Der Farbmischer ist ein wahrer Künstler, wie man auch guckt, es ist kaum ein Unterschied festzustellen. Einzig stark exponierte Stellen wie die Motorhaube ist halt eben stark verkreidet und hat einen leisen Hauch Weiss im Rot.

Das Dach reibt stark an der Karosserie, nun habe ich auch ein paar 1mm Alustreifen zusätzlich montiert, so dass zwischen Dach und Farbe etwas Luft bleibt. Hoffentlich. Denn allzu viele Metallstreifen waren nicht aufzutreiben.

 

14.01.2018

Die Familie Anwars, Familie Saepol findet sich zu einem „Family Gathering“ ein, unweit von da, in einem Dorf. Und er lädt auch mich dazu ein. Ich fühle mich sehr geehrt.

Wir fahren mit dem Roten Kamel hin. Die Familie ist sehr wohlhabend, der Vater hatte auch eine wichtigere Position unter Sukarno (dem ersten Staatschef nach der Unabhängigkeit 1945). Ein ganzer Strassenzug besteht aus Häusern der Familie, Bruder, Schwester, wieder Bruder, eine weitere Schwester… wunderbar in der grünen Natur, angenehm im Schatten von Teak- und Fruchtbäumen.

Und gar eine beeindruckende Moschee liess der mittlerweile 80jährige Vater bauen.

Er ist übrigens wie andere der Familie ein El Hadj, das heisst er hat eine Mekka Pilgerreise hinter sich.

Das Essen findet im familieneigenen Restaurant statt, schlicht wunderbar. Die Zusammenkunft besuche ich dann selber nicht, geniesse viel mehr die Ruhe und die gute Luft.

Diese Zusammenkunft ist eine Art Standortbestimmung, Probleme und Erfolge werden besprochen und die Einkünfte ausgeglichen. Die Familie selbst ist hier die soziale Einrichtung.

 

15.01.2018

Heute habe ich mich schier verschlafen. Irgendwie höre ich die Muezzins nicht mehr. Da bin ich nicht ganz unglücklich.

Waschtag, Coleman Kocher etwas entrosten und testen, … und dann entschliesse ich mich kurzerhand in der Nähe ein Hotel zu suchen. Luxus pur für 28.- CHF, in einem Erholungsresort – ich glaube ein Altersheim für Reiche ist auch in der Nähe.

Und an Wochenenden wird geheiratet hier, die ganze Infrastruktur ist schon bereit, auch die üppigen Torten präsentieren sich schon hinter den Glastheken.

Jetzt probiere ich mal zuerst den Swimmingpool aus… Trotz gelegentlichem Regen.

Keine Menschenseele. Ich bin der einzige Gast weit und breit.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.