Berichte 01. bis 15. Mai 2017

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Montag, 01. Mai 2017

Schon heute verlassen wir Brunei und fahren nach Miri in Sarawak. Dort treffen wir das erfahrene Reisepärchen Liliana und Emil, die mit ihrem Toyota Landcruiser in den letzten 33 Jahren schon 750`000 km gefahren sind. Sie sind seit drei Monaten in Miri und lassen ihr Auto rundum erneuern. Bei ihnen im Hotel tauschen wir unsere Erlebnisse aus. Wir geniessen die Gastfreundschaft und die Gespräche sehr.

 

Dienstag, 02. Mai 2017

Wir möchten das malayische Urvolk der Penan besuchen. Wir haben gewisses Vorwissen teils aus der persönliche Begegnung zwischen Heinz und Bruno Manser, teils aus Organisationen wie WWF oder dem Bruno Manser Fond und teils aus der Presse. Wir suchen die Begegnung um zu erfahren wie es ihnen geht.

In einem ersten Schritt machen wir uns auf den Weg nach Long Bedian.

Nach einer mehrstündigen Pistenfahrt kommen wir trotz Tropenregen heil im Dorf an. Wir finden ein Super Hostel für einheimische Angestellte, die für Petronas an den Pipelines arbeiten und fliessend Englisch sprechen.

 

Mittwoch, 03. Mai 2017

Mit einem Ortskundigen Mann machen wir uns auf den Weg. Schon die ersten Eindrücke stimmen uns zunehmend pessimistisch: Entgegenkommende Holzlaster, kahlgeschlagene Bergrücken, riesige Holzstapel aus Baumriesen, Camps von Samling und die wenigen Dörfer in der Gegend lassen Armut erahnen.

Mittlerweile gibt es zwei Arten von Penan. Die halbsesshaften in den kleinen Dörfern und die Nomaden, die nach wie vor tief im Wald leben. Die Nomaden sind sehr schwer anzutreffen, deshalb fokussieren wir uns auf die halbsesshaften Penan in den Dörfern. Beide haben gemeinsam, dass der Regenwald ihre Lebensgrundlage darstellt.

Die Dörfer bestehen aus einzelnen, kleineren Hütten und Langhäusern.

Uns fällt die grosse Armut auf. Erwachsene und Kinder, schlecht gekleidet, halten sich im ersten Moment schüchtern auf Distanz. Bald begrüssen uns die Leute herzlich. Ein älterer Mann erklärt dem Guide, er würde uns gerne Essen und Trinken anbieten, leider habe er aber nichts zu Essen und keinen Zucker für das heisse Wasser.

Es stimmt uns traurig, dass dieses Volk durch den Mensch seiner Grundlage beraubt wurde. Bisher lebten die Penan im Wald und vom Wald. Das Abholzen der Wälder zerstört das Gleichgewicht vollends, die Tiere finden weniger Raum und werden vom Lärm vertrieben. Durch den fehlenden Schatten der hohen Bäume ersticken wuchernde Kletterpflanzen wichtige Kräuter und Pflanzen. Vielerorts wird durch Erosion der Fruchtbare Boden weggeschwemmt.

Wir erleben die Penan als sehr gutmütige, friedliche, liebenswerte und schüchterne Menschen, die sich in unserer modernen Welt kaum durchzusetzen vermögen. Sie wurden wiederholt betrogen, Versprechungen von Staat und Konzernen erwiesen sich als grosse Lügen, und uns scheint, sie haben kaum Möglichkeiten sich zu wehren.

Uns erstaunt wie viele Bruno Manser noch kannten oder von ihm gehört haben. Auch ihm ist es zu verdanken, dass die weite Welt auf das Volk aufmerksam wurde.

Wahrscheinlich müssen die Penan ihre Tradition mit modernen Mitteln ergänzen. Sie brauchen Leute mit Englischkenntniss, moderne Kommunikation und Vertretung gegen Aussen.

 

Donnerstag, 04. Mai 2017

Nach der Übernachtung im Penan Dorf verbringen wir einen zweiten Tag bei ihnen. Ein Jäger zeigt mir wie man das traditionelle Blasrohr benutzt. Leider lande ich direkt beim ersten Versuch einen Glückstreffer und erwische die etwa fünf Meter entfernte Petflasche. Ich hätte gerne noch etwas mehr Pfeile abgeschossen jedoch hätte ich kaum noch ein zweites Mal getroffen, also belasse ich es bei meinem Anfängerglück.

Wir treffen Jusely Gadung, einen Penan der gutes Englisch spricht. Über ihn erfahren wir einen Menge über die Situation des Volkes.

 

Freitag, 05. Mai 2017

Wir machen uns auf den Weg zurück nach Miri. Interessant sind die kleinen Pfeilschilder am Strassenrand, welche die Fahrseite bestimmen. Bis zum Schluss erkennen wir keine klare Systematik hinter den Schildern.

Wie schon bei der Hinfahrt nehmen wir, für den lächerlichen Betrag von einem Ringgit (25 Rappen), eine Autofähre um einen breiteren Fluss zu überqueren.

Am späten Nachmittag treffen wir in der Stadt ein.

Ich schlafe in einem Dormitory und Heinz entscheidet wegen dem starken Geruch nach Käse und Fussschweiss und wegen schnarchenden Mitbewohnern dann doch für ein Hotel.

 

Samstag, 06. Mai 2017

Gemütlich essen wir mit Emil und Liliana chinesisch zu Mittag und führen sehr spannende Gespräche. Nach der Mahlzeit machen wir uns auf in Richtung Kuching. Um etwa 10 Uhr abends kommen wir in der kleinen Stadt Sibu an, wo es einen Nightmarket geben soll. Hier versteht man unter dem Begriff „Nacht“ wohl etwas anderes als wir: Es sind schon fast alle Stände abgebaut. Etwas ausserhalb der Stadt finden wir einen super Schlafplatz am Ufer eines Flusses an einem gemütlichen aber etwas verschmutzten Strand. Am nächsten Morgen beobachten wir vollbeladene Transportschiffe die Unmengen an Tropenholz flussaufwärts bringen.

 

Sonntag, 07. Mai 2017

Heute würden wir Kuching erreichen, doch wir umfahren die Stadt. Bei den Ranchan Pools in Serian legen wir eine kurze Pause ein. Ein kleiner Urwaldbach bildet mitten im Regenwald ein Becken in dem gebadet wird. Wir werden daran erinnert dass Sonntag ist: dutzende Einheimische geniessen die Abkühlung im frischen Wasser. Am Meer dürfen wir das Kamel gratis neben einem kleinen und unscheinbaren Guesthouse parkieren. Es gehört einer Städteplanerin aus Kuala Lumpur, die um Welten besseres Englisch spricht als wir. Es ist sehr spannend mit ihr zu diskutieren.

 

Montag, 08. Mai 2017

Wenige Minuten von unserem Schlafplatz entfernt der Gunung Gading Nationalpark mit der Rafflesia, der grössten Blume der Welt. Wir haben aber Pech, sie blüht zurzeit nicht. Wir beschliessen dennoch etwas durch den Park zu wandern. Wir finden einen wunderschönen Wasserfall und nehmen ein Bad im kühlen Wasser. Erfrischt fahren wir weiter zur Grenze nach Indonesien. Am Grenzübergang warten hunderte einheimische, wir dürfen jedoch direkt zur Kontrolle. Zum ersten Mal seit ich mitreise wird das Kamel durchsucht, es scheint aber alles zu stimmen. Schon nach wenigen Minuten Fahrt im neuen Land bin ich begeistert. Die bunten Häuser sind noch im alten Stil gebaut, eines schöner als das andere. Von allen Gebieten die ich bereist habe überzeugt mich Kalimantan architektonisch am meisten. Wir dürfen das Kamel neben einem Hostel auf dem Parkplatz abstellen. Die Besitzer sind extrem freundlich und offenherzig.

 

Dienstag, 09. Mai 2017

Auf dem Weg nach Pontianak wird die Landschaft immer schöner. Links und rechts der etwas erhöhten Strasse erstreckt sich sumpfiges Gebiet mit Wald im Hintergrund. Die bunten Häuser stehen auf Stelzen im Wasser und sind durch kleine Holzbrücken mit der Strasse verbunden. Manchmal zieren kleine Vorgärten die Häuser. Das Staunen hört nicht auf.

Heute überqueren wir den Äquator. Enttäuschung: kein Schild, kein Parkplatz, nichts. Wir müssen mitten auf der Strasse stoppen um ein Foto vom Kamel auf dem Äquator schiessen zu können. Noch nie habe ich so viele Motorräder gesehen wie in Pontianak. Von überallher strömen sie wie Insekten aus einem Nest. An den roten Ampeln bilden sich ganze Fronten. Auf dem Fähren-Office wird uns erklärt, wir können uns zwar für die Fähre am 12. Mai anmelden , hätten jedoch keine Garantie den Platz zu bekommen, da Lastwagen mit Agrargütern immer Vorrang bekommen. Jedoch habe die Firma auch Fähren in Kumai. Dort haben die Fähren garantiert Platz, also buchen wir und machen uns direkt auf den Weg. Auf dem Weg treffen wir einen Motorradfahrer der uns zu seinem Hotel bringt. Wir dürfen dort parkieren und sogar die Toiletten benutzen.

 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Nach einem Frühstück im Hotelrestaurant fahren wir los. An einer Brücke halten wir um die schönen Stelzenhäuser am Fluss zu fotografieren. Das Dorf Betenung gefällt uns so fest, dass wir kurzerhand beschliessen zu bleiben. Wir fahren zum Dorfplatz und werden freudig empfangen. Schnell gibt es eine regelrechte Versammlung rund ums Kamel. Ein junger Mann Namens Herkulanos spricht sehr gutes Englisch. Er bietet sich an uns als Führer das Dorf vorzustellen. Wir sehen das „Gemeindehaus“ des Dorfes in welchem sich die Dorfleute bei Problemen beraten, die alten Kornspeicher und den Dorffriedhof, dekoriert mit wunderschönen, farbigen Drachenskulpturen. Er zeigt uns das Dorfdenkmal für das Pärchen, welches das Dorf vor langer Zeit gegründet haben. Als wir im Fluss baden springen alle Kinder hinterher. Der ganze Fluss ist voller Leute, war sehr lustig. Wir lernen Indra kennen einen anderen sehr liebenswerten jungen Mann der auch sehr gut Englisch spricht. Vor einem riesen Publikum kocht Heinz Spaghetti. Ich glaube in meinem ganzen Leben wurden von mir weniger Fotos aufgenommen als an diesem Abend von den Kindern mit ihren Smartphones. Müde von den ganzen schönen Eindrücken legen wir uns Schlafen.

 

Donnerstag, 11. Mai 2017

Am Morgen unternehmen wir gemeinsam mit unseren neuen Freunden einen Spaziergang entlang des Flusses. Wir staunen über die Schönheit der Natur und der Häuser hier. Die Jungen erklären uns, dass sie gerne mehr Touristen hätten denen sie ihre Kultur zeigen könnten. Heinz versucht ihnen Tipps zu geben wie sie dies realisieren könnten ohne dass externe Unternehmen den Profit für sich sichern. Nach dem Gespräch verabschieden wir uns schweren Herzens. Der Besuch in Betenung war einer der Höhepunkte unserer Reise und wir empfehlen jedem der durch Kalimantan reist, dem Dorf einen Besuch abzustatten. Wir fahren weiter in Richtung Kumai. In der etwa eine halbe Stunde entfehrten Stadt Pangkalan Bun finden wir ein Hotel. 

 

Freitag, 12. Mai 2017

Wir freuen uns auf die Schifffahrt. Pünktlich treffen wir am Hafen ein. Es gibt ein Problem. Die Gezeiten führen zu einer logistischen Überforderung für Schiffgesellschaft (gibt ja immerhin zwei), es ist Ebbe und die Fähre kann die Lastwagen nicht abladen. Campieren am Hafen ist angesagt. Etwa im Halbstundentakt weckt uns die Schiffhupe, die jedes mal ertönt vor den Durchsagen, die uns auf indonesisch auf dem Laufenden halten.

 

Samstag, 13. Mai 2017

Da mein Handy sich spontan in der Zeitzone geirrt hat ertönt mein Wecker bereits um halb fünf. Guter Start in den Tag. Etwa um halb neun legt das Schiff mit geladenem Kamel ab. Am Abend bewundern wir den klaren Sternenhimmel und die leuchtenden Algen die im Kielwasser funkeln. Die Hitze vom Laderaum macht es mir unmöglich im Kamel einzuschlafen. Also versuche ich es in der Lobby wo all die anderen Passagiere sich bereits eingerichtet haben. Als mir nach fünf Minuten die ersten beiden Kakerlaken unters Hemd laufen und ich auf dem Sitz vor mir eine Bettwanze umherwandern sehe, beschliesse ich trotz des starken Windes draussen auf Deck zu schlafen.

 

Sonntag, 14. Mai 2017

Schlafen ist vielleicht etwas viel gesagt. Der kalte Wind und die zu kurze Bank führen zu einer schlaflosen Nacht. Lohnt sich aber sehr. Um halb fünf morgens geht die Sonne über dem Meer auf. Später tummelt sich eine Gruppe Delphine vor dem Bug und springen gelegentlich aus dem Wasser. Auch fliegende Fische und Quallen tauchen immer wieder auf. Gegen Mittag treffen wir in Semerang ein. Auf mich wirkt die Stadt so wie ich mir das alte China vorstelle und auch Heinz erinnert sie an Taiwan vor 40 Jahren. Wir kommen zufällig in ein Quartier in dem alle Häuser bunt bemalt sind. Staunend steigen wir aus und wandern zwischen den Häusern umher. Später erklärt man uns: Es handelt sich hier um ein Projekt der Universität Untip, die den Slumquartieren Farbe zur Verfügung stellen und so die sonst langweiligen Quartiere in ein farbenprächtiges Häusermeer verwandeln. Wir sind begeistert. Wir finden ein super Restaurant und essen dort: ein Steak, einen kleinen Kebab, Spaghetti Bolognese, eine Portion Pommes frites, frittierte Bananen, einen Tiramisu Smoothie und einen Melon Juice für umgerechnet 6 Franken.

 

Montag, 15. Mai 2017

Wir essen noch einmal ausgiebig im gleichen Restaurant und fahren los. Jawa ist die am dichtesten besiedelte Insel der Welt und das merkt man gut. Wir kommen ohne Übergang von Stadt in Agglo und dann wieder in Stadtgebiet. Überall sind Häuser und Leute. Auch der Verkehr ist gewaltig und uns brennen während der Fahrt von den ganzen Abgasen die Augen. In einem Carwash putzt uns ein sechsköpfiges Team während einer halben Stunde von innen und aussen das Kamel. Preis: drei Franken. Wir übernachten auf dem Vorplatz von einem Restaurant, zwar etwas lärmig aber wir dürfen Toilette und Dusche nutzen.

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