Freitag, 16.1. bis Sonntag 18.1. 2026
Tage in Buenos Aires
Heinze ist nun auch in Buenos Aires eingetroffen. Die Putzerei, die anstehenden Reparaturen und vor allem die unerfreuliche Neuigkeiten zur Organisation der Verschiffung und ein starkes Gewitter am Donnerstagabend haben ihm den „Koller“ angehängt. Stadt- anstatt Landluft sorgt für frischen Wind.
Wir treffen uns auf eine Empfehlung des Schweizargentiniers Massimo weit weg vom Zentrum in einem unter Einheimischen sehr beliebten Parrilla-Ort, also einem Grillrestaurant. Grosse Feuerstellen mit Fleisch für mehrere Hundert Personen erwarten uns. Für uns Schweizer einmal mehr unglaublich, aber nachweislich ein wesentlicher Teil der argentinischen Esskultur.
Die Fahrt aus dem Zentrum heraus öffnet die Augen für diese riesengrosse Stadt mit ihren riesengrossen Gegensätzen. Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung Argentiniens lebt in diesem Ballungszentrum.
Nach dem gemeinsamen Essen, für unserer Reise das eigentliche Abschlussessen, geht jeder von uns seinen Wegen nach, um „sein“ Buenos Aires zu erkunden.
Es ist noch viel zu früh und nicht abgeschlossen, um die vergangenen drei Monaten einzuordnen. Das Erlebte, Gesehene, die Begegnungen und die intensive gemeinsame Zeit des Zusammenseins sind mindestens so reich und einzigartig wie die Zahl der gefahrenen Kilometer: 9’932
Danke Heinze!
Danke rotes Kamel!
Hiermit beende ich die Berichterstattung und reiche den Fülli – die Schreibfeder – am Heinze weiter und wünsche den beiden auf dem Weg in den Hafen von Montevideo einen gesunden, zufriedenen und bereichernden Abschluss dieser Etappe.
Samstag, 17.01.2026
Buenos Aires ist eine pulsierende Stadt. Tagsüber ist es wahrlich heiss. Entweder bleibt man drinnen im Zimmer mit Klimaanlage oder draussen stellt man sich am besten irgendwo in den Schatten eines Eingangs in ein Warenhaus oder wartet an der Bushaltestelle, bis der Bus kommt und die Türen öffnet, da kann man wenigstens etwas von den Klimaanlagen abbekommen. 38° sind ja auch nicht unbedingt ein Pappenstiel nach alldem, was wir im Süden von Argentinien und Chile erlebt haben.
Abends sind ganz viele Menschen unterwegs, in den Strassen und in den zahlreichen Strassencafés. An gewissen Standorten gibt’s Gaukler, erstarrte Spidermans und Musik. Es gibt Open-Air-Konzerte und Tangodarbietungen. Man könnte teilweise gar mitmachen, doch das lasse ich wohl lieber sein. Gut: Einen Hut würde ich mit der Lachnummer sicher füllen.
Sonntag, 18.01.2026
Heute ist der Abschiedstag. Peter fliegt zurück in die Schweiz und verlässt das „Dream Team“.
Ziemlich spät verlasse ich die Stadt und kehre zurück zur Zapparancho. Hermann holt mich an der zehn Minuten entfernten Poststation ab.
Ich übernachte nicht mehr im Zelt, jetzt probiere ich selber das obere Bett wieder mal aus. Dieses steht ja hauptsächlich den Mitreisenden zur Verfügung. Ich schlafe meistens im unteren Stock. Schon gewusst? Das Kamel hat zwei Stockwerke. 🤣
Lieber Pesche
Drei Monate teilten wir uns einen kleinsten Raum.
Das Kamel bleibt, nüchtern betrachtet, ein winziges Tiny House von vielleicht drei bis fünf Quadratmetern.
Doch unser eigentliches Zuhause war die Natur. Und diese zeigte sich grosszügig und unerbittlich zugleich: Hitze und Kälte, absolute Ruhe und rauschende Flüsse oder Meere, Sonnenschein, Regen und vor allem Wind in praktisch allen erdenklichen Varianten begleiteten uns.
In diesem Rahmen danke ich dir, Peter, für eine beeindruckende Copilotenarbeit. Dein umfassendes Wissen floss ganz selbstverständlich in die Reise ein – sei es in der Vogelwelt, wo ich nun tatsächlich den Rotkopfspecht vom Kiebitz unterscheiden konnte, oder in Archäologie und Geschichte, wo plötzlich selbst Höhlen und Ruinen beinahe zu leben begannen. Dazu kamen deine pragmatischen Lösungsansätze für den Reisealltag, die vielen Vorbereitungen, Abklärungen und elektronischen Anmeldungen, die du unterwegs erledigtest. Dein vorausschauendes Denken eröffnete uns immer wieder neue Möglichkeiten.
Ich genoss die vielen spannenden Gespräche ebenso wie die stillen Momente. Du erwiesest dich als absolut geeigneter Reisepartner. Bemerkenswert war, wie wir uns ohne Diskussionen in kürzester Zeit reisefertig machten und wie Handlungsabläufe fast von selbst funktionierten.
Besonders prägend war deine Beobachtungsgabe – dir entging schlicht nichts. Gut, wenn ich dann meine neue Brille habe, werde ich vielleicht auch wieder etwas mehr entdecken können. Nicht zuletzt bleiben deine Herzlichkeit und deine grosse Toleranz, die diese Reise wesentlich mitgetragen haben.
Gracias, Peter. Y buen viaje de vuelta a casa, en Suiza.
Montag, 19.01.2026
Die ganze Angelegenheit mit dem Verschiffen des Kamels bereitet mir schon ein bisschen Sorge.
Schon im November habe ich ausgeschrieben, dass ich einen „Container-Buddy“ suche, entweder nach Europa oder nach Südafrika. Mit Container-Buddies würde ein 40-ft-Container geteilt, das heisst, man zahlt ungefähr die Hälfte dessen, was ein einzelner Container kosten würde.
Da haben sich zwei Interessenten für Südafrika gemeldet und drei für Europa. Die Interessenten für Europa waren für Februar und März interessiert. Einer für Südafrika Ende Januar, genau nach Plan. Der ist aber leider aus Krankheitsgründen ausgefallen.
Erich F. hat sich so gemeldet, dass er gerne Anfang März oder möglicherweise Ende Februar einen Container teilen möchte. Wir haben uns dann auf Ende Februar geeinigt. Am 18. Februar hätte es ein Schiff gegeben, das war für ihn zu früh. So haben wir vom 23. Februar gesprochen. Nun sei es für ihn auch wieder zu früh, und wir haben uns auf den 4. März geeinigt. Nun hat Erich aber gemerkt, dass er dann ein Hotel buchen müsste, weil sein Flug am 29. März ist. Nun zögert er alles auf meine Kosten hinaus. Zudem ist er am Telefon jeweils sehr frech und fordernd, obwohl er sein Wort nicht hält. Denn das Kamel ist schon abgabebereit.
Leider habe ich allen anderen abgesagt, sodass ich nun in der Klemme sitze. Glücklicherweise habe ich einen Reederei-Manager, der für mich jetzt eine Lösung sucht. Voraussichtlich werde ich am 23. Februar das Auto am Zoll abgeben können.
Dienstag, 20.01.2026
Nun geht es eigentlich hauptsächlich wieder ums Einpacken. Die ganzen Kisten und Schachteln sind gesäubert und am richtigen Ort, auch das Zelt ist abgebrochen und ladebereit. Ich gehe in die nahegelegene Stadt und kaufe etwas Lebensmittel ein. Diese Verkäuferin dort ist unheimlich neugierig und steigt fast in mein Auto ein. Ich schenke ihr eine Schokolade und einen Sticker, und schon beginnt sie, das Auto für ihr Instagram-Profil zu fotografieren.
Wie schon viele Leute sagt auch sie, dass ich mit Instagram Posts sehr berühmt werden und entsprechend auch die Reise finanzieren könnte.
Die Familie Zapp hat das relativ gut angegangen und konnte ihre 22-jährige Reise finanzieren: mit Büchern und Fotos und vor allem auch mit Verfilmungen. Eine japanische Filmgesellschaft hat offenbar mehrere zehntausend Franken für Veröffentlichungsrechte bezahlt.
Mittwoch, 21.01.2026
Ein weiterer Tag bei Candelaria und Hermann Zapp. Heute kann ich alles ein wenig langsam angehen, die meiste Zeit verbringe ich mit Bilder aussortieren und entwickeln. Zwischenzeitlich habe ich mir auch das Familien Auto noch ein bisschen genauer angesehen, es ist ein Graham-Paige von 1928. Eigentlich habe ich von dieser Marke noch nie etwas gehört. Erstaunlicherweise soll es sogar noch Ersatzteile geben.
Das Auto wurde unterwegs auch etliche Male geflickt. So mussten sie beispielsweise nach einer Wasserquerung in Somalia den Motor neu zusammenschrauben (man sollte nie mit einem heissen Motor ein Wasser queren). Erstaunlich, was man mit dieser alten Autotechnik alles machen kann und wie sie fast alles überlebt. Ob die modernen elektrischen Autos, vollgestopft mit Elektronik, das auch können werden?
Donnerstag, 22.01.2026
Edi und ich lernten ihn auf seinem Motorrad kennen, irgendwo ganz im Norden auf der Ruta 40. Daniel Escalante fotografiert unser Auto und stellt sich anschliessend als Bürgermeister einer Ortschaft vor, die 1870 vor allem von schweizerischen Auswanderern gegründet wurde. Und dann lädt er mich kurzerhand ein. Ja nun denn – ich folge der Einladung, und bin da!
Der Empfang ist entsprechend feierlich. Eine Pressefrau ist da, der Präsident der Schweizer Gesellschaft und natürlich der Gemeindepräsident Daniel selber. Der Ort heisst heute Roldán, früher offenbar Bernstadt, bis er 1966 umgetauft wird. Es folgt eine Orientierung, eine Besichtigung der Büros, eine Stadtplanbesprechung – und zum Abschluss gibt es ein feines Nachtessen.
Daniel hat sogar eine ganze Tasche vorbereitet: ein Buch über die Geschichte des Dorfes, Kugelschreiber, Notizblock, Ansteckpin. Touristen gibt es hier kaum, Campingplätze folglich auch nicht. Also werde ich kurzerhand beim Sicherheitsdienst am Bahnhof einquartiert. Dort gibt es jede Menge Monitore, und die WC-Anlage mit Dusche steht mir die ganze Nacht offen. Pro Tag fahren etwa fünf Züge an diesem Bahnhof vorbei – das wird mich diese Nacht nicht stören.
Ja, die Reise verspricht weiterhin spannend zu bleiben.
Freitag, 23.01.2026
Es ist eine gute Nacht beim Bahnhof. Der Morgen ist ebenfalls unterhaltsam. Irgendwann werde ich die Geschichte dieser Reise wohl ins Sprachmemo sprechen – dann kann ich sie einfach abspielen. Heute Morgen hätte ich das gut zwanzigmal tun können.
Mit dem Bürgermeister schlendere ich noch etwas durch die Stadt, danach fahren wir zum Friedhof. Er zeigt mir die Gräber der ursprünglichen Einwanderer aus der Schweiz – die Namen klingen vertraut, fast wie zu Hause. Viele haben das Geburtsdatum um die 1860.
Am frühen Nachmittag fahre ich weiter nach Rosario. Dort möchte ich das Geburtshaus von Che Guevara besuchen. Es ist leicht zu finden, sogar ein Hinweisschild steht da. Der Eingang bleibt jedoch geschlossen. Ich klingele beim Portier, ohne Erfolg. Irgendwo habe ich gelesen, Che habe im zweiten Stock gewohnt, also läute ich dort. Zunächst passiert nichts. Dann öffnet eine nette junge Frau und erklärt mir, dass sie nun mit ihrer Familie in dieser Wohnung lebt. Von Che sei keine Spur mehr da.
Später lese ich, dass es hier einmal eine Ausstellung gab, die wegen mangelnder Unterstützung von Stadt oder Staat wieder geschlossen wurde. Es erinnert mich ein wenig an Zimmerwald im Kanton Bern – gewisse politische Grössen möchte man offenbar lieber nicht museal verewigen.
Samstag, 24.01.2026
Ich wache auf dem Campingplatz am mächtigen Río Paraná auf. Diesem Fluss werde ich in den nächsten Tagen folgen. Riesige Schiffe mit Getreideladungen ziehen flussabwärts vorbei.
Der Paraná ist mit rund 4’880 Kilometern der zweitlängste Fluss Südamerikas nach dem Amazonas. Er fliesst durch Brasilien, Paraguay und Argentinien. Sein Name stammt aus dem Guaraní und bedeutet so viel wie „grosser Fluss“ oder „wie das Meer“. Er ist eine zentrale Verkehrsader für den Handel, Trinkwasserquelle für Millionen Menschen und Energielieferant durch grosse Staudämme.
Ich fahre über Esperanza Richtung Cerrito. Die Gründung von Esperanza durch Schweizer Einwanderer ist ein Meilenstein für die landwirtschaftliche Entwicklung der Provinz Santa Fe im 19. Jahrhundert. Eigentlich möchte ich Esteban Zurbriggen besuchen, doch er ist mit seiner Familie gerade in Uruguay in den Ferien.
Ich mache einen kurzen Rundgang durch Esperanza. An vielen Orten finden sich Hinweise auf die Schweizer Gründung, Namen, Denkmäler, Strassenbezeichnungen. Offenbar ist Esperanza auch eine Partnerstadt des Kantons Wallis.
Sonntag, 25.01.2026
Ich bin auf dem Bauernhof von Sami G. und Marianne W. Wunderbare Natur umgibt mich: ein beeindruckender Baumbestand, Papageien und andere Vögel, dazu Schmetterlinge und Insekten in Hülle und Fülle. Sami bewirtschaftet 175 Hektaren Land und hält 240 Milchkühe – Dimensionen, die man in der Schweiz kaum kennt.
Das Bauernhaus ist über hundert Jahre alt, massiv gebaut und wirkt sehr einladend. Die beiden haben baulich viel investiert. Mir gefällt es hier ausgesprochen gut. In spannenden Gesprächen erfahre und lerne ich viel über das Leben in der Region, über Voraussetzungen und Chancen, aber auch über die Entbehrungen, die dieses Leben mit sich bringt.
Montag, 26.01.2026
Ich geniesse die Zeit auf dem Bauernhof sehr. Die Aufnahme ist herzlich, ich bin dankbar für die Offenheit und Vertraulichkeit, die mir entgegengebracht werden.
Heute telefoniere ich noch mit der Reederei in der Schweiz. Es zeichnen sich Lösungen ab. Ich werde demnächst versuchen, meinen Flug zurück in die Schweiz umzubuchen.
Dienstag, 27.01.2026
Noch immer weile ich auf dem Bauernhof in der Nähe von Cerrito. Das Haus, fast ein wenig im Toskana-Stil renoviert, gefällt mir immer besser. Sami ist als Person eindrücklich, abenteuerlich und risikofreudig. Das muss man hier auch sein: pragmatisch, lösungsorientiert, mit den Voraussetzungen, die dieses Land bietet. Er organisiert geschickt, hat ein gutes Team von Angestellten und verhält sich fair und gerecht.Und er ist ein echter Erfindergeist – gewisse Maschinen konstruiert er selber, um sie optimal an die Gegebenheiten anzupassen. So zum Beispiel einen Zaunpfostenborer, einen wendigen Mäher für die «Hostet», Pumpen usw.
Endlose Felder prägen die Landschaft. Die Strassen sind nicht jederzeit befahrbar, das Land ist wasserreich, zuweilen aber auch sumpfig. Landwirtschaft in Argentinien bedeutet Arbeiten mit den Elementen: Wetter, Böden und Entfernungen geben den Takt vor, nicht nur der Kalender. Maschinen sind eher gross, die Wege zu den Feldern lang. Und Entscheidungen müssen schnell und selbständig getroffen werden.
Sami funktioniert gerne auch frei und unabhängig. Diese Art zu wirtschaften und zu leben wäre in der Schweiz kaum denkbar. Hier hingegen ist sie fast Voraussetzung, um bestehen zu können.
Mittwoch, 28.01.2026
Der Abschied zieht sich in die Länge. Es gibt noch ein Interview, dann neue Gespräche, dann ein letztes Thema. Irgendwann wird aus dem Abschied fast ein Programmpunkt.
Aber danach folgt eine lange Fahrt. Zwei Pausen, mehr aus Vernunft als aus Lust. Die Strecke ist eintönig, schnurgerade, flach. Eben, eben, nur eben. Und heiss. Und heiss. Und nur heiss.
Die Landschaft verändert sich kaum, dafür die Temperatur umso deutlicher. Der Motor brummt bei den offenen Fenstern laut, die Musik höre ich nur bei den Fortissimos, die Gedanken schweifen, der Tag zieht vorbei. Solche Etappen gehören auch zur Reise. Nicht spektakulär, aber notwendig.
Am Ende des Tages ist klar: Heute war kein Tag für Bilder, keiner für Berichte… sondern fürs Durchhalten.
Donnerstag, 29.01.2026
Heute werde ich zum Kaiser, zum «Barbarossa». Der Bart ist tatsächlich knallrot. So viel leuchtend roten Staub gab es nicht einmal in Australien auf den Pisten. Alles ist rot. Tierra colorada. Nicht nur aussen, sondern konsequent auch innen. Das ganze Kamel, die Trockentücher, die Essigflasche, das Apothekenschränklein, die Kleider – alles trägt nun dieselbe erdige Patina.
An einer Tankstelle kommt es zur Notfallaktion. Ich schleiche mich etwas beschämt in die Tankstellentoilette, er Bart wird schamponiert. Und das Auto dort, wo man hinsteht oder etwas anfassen muss, vom gröbsten Staub befreit. Es bleibt dennoch klar: Der rote Staub gewinnt immer. Also beschliesse ich kurzerhand, gleich hier an der Tankstelle zu übernachten. Die Entscheidung fällt leicht, denn die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und neugierig. Man kommt ins Gespräch, lacht, tauscht ein paar Worte.
Ich freue mich bereits auf den nächsten Morgen: frische Brötchen, ein doppelter Espresso – mehr braucht es nicht. Draussen leuchtet die Landschaft in sattem Rot. Tierra colorada – das tönt doch so schön bunt.
Freitag, 30.01.2026
Heute steht Mate im Zentrum (nicht Mathe). In Misiones kommt man daran nicht vorbei, und so besuche ich die riesige Anlage Las Marías. Schon die Dimensionen beeindrucken: endlose Reihen von Mate-Sträuchern, sauber angelegt, fast schon parkartig. Mate ist hier kein Getränk, sondern Kulturgut, Wirtschaftsfaktor und Alltag zugleich.
Las Marías gehört zu den bekanntesten Mate-Produzenten Argentiniens. Seit Jahrzehnten prägt das Unternehmen die Region, von der Aufzucht der Pflanzen über die Ernte bis zur Trocknung und Reifung der Blätter. Alles wirkt gut organisiert, industriell, aber dennoch stark mit der Landschaft verwurzelt. Mate wächst nicht irgendwo – er braucht genau dieses Klima, diese rote Erde, diese Feuchtigkeit.
Mir wird bewusst, wie sehr Mate den Rhythmus des Landes mitbestimmt. Er begleitet Gespräche, Autofahrten, Arbeitstage und Pausen. Die Thermosflasche ist fast immer dabei, der Mate-Becher sowieso. Getrunken wird nicht hastig, sondern gemeinschaftlich, ruhig, wieder und wieder nachgegossen.
Nach dem Besuch schmeckt der Mate aus meiner kleinen Kalebasse vorne auf dem Armaturenbrett fast ein wenig anders. Vielleicht bilde ich mir das ein. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls passt er perfekt zu dieser Gegend: herb, erdig, ausdauernd. Wie Misiones selbst.
Samstag, 31.01.2026
Gestern Abend habe ich den Camping £Platz Salto Cuña Pirú erreicht. Und heute schreibe ich für das iOverlander App zum aktuellen Platz… und hier die etwas ergänzte Version für euch, liebe Camel Fans:
Ein eindrücklicher Campingplatz inmitten der wunderbaren Landschaft von Misiones. Natur, Erholung und ein Hauch Abenteuer beim Wasserfall Salto Cuña Pirú. Der Wasserfall und das breite, helle Flussbett liegen eingebettet in dichter Dschungelumgebung und bieten ein Erlebnis, das sofort entschleunigt. Das Wasser rauscht, Vögel rufen, und der rote Boden setzt einen starken Kontrast zum satten Grün.
Die Stellplätze verteilen sich grosszügig im Baumbestand. Natürlicher Schatten ist reichlich vorhanden, dazu einfache Tische und – natürlci: Grillstellen.
Der Platz bietet Raum für alles: Zelte, Vans, Expeditionsfahrzeuge und auch grosse Trucks. Jeder findet hier seinen Ort. Die Sanitäranlagen sind teilweise neu, und die zuständigen Gemeindearbeiter bemühen sich sichtbar um Sauberkeit und Ordnung.
Von hier aus führen Wander- und Vogelbeobachtungswege direkt in den Misiones-Dschungel, eines der biodiversitätsreichsten Gebiete der Provinz. Die Vielfalt an Geräuschen, Farben und Bewegungen ist beeindruckend. Für mich ist es ein idealer Ort für Overlander und Rucksackreisende gleichermassen. Gleichzeitig ist der Platz familienfreundlich: Spielplatz, Fussballfeld, Beachvolleyballfeld – alles da, ohne aufdringlich zu wirken.
Der Campingplatz liegt nur wenige Minuten vom Zentrum von Ruiz de Montoya entfernt. Dort gibt es auch komfortablere Unterkünfte und eine regionale Gastronomie, die durchaus zu empfehlen ist. Eine gute Kombination aus Natur und Zivilisation.
Der Platz ist ganzjährig geöffnet.
Aktuelle Preise pro Tag in ARS (1’000 ARS ≈ 0.60 CHF):
Fahrzeug: 3’000, Lastwagen und Wohnmobile: 10’000. Motorräder: 2’000
Zeltplatzierung: 5’000
Nicht-Residenten: 4’000
Rentner und Personen bis 80 Jahre (nicht ansässig): 1’000
Ein Ort zum Bleiben, Durchatmen – und Weiterziehen, wenn es wieder Zeit wird.