Berichte 16.11. – 30.11.2025

Café y termas: nada más!

Sonntag 16.11.2025

Agua vida: der Zeltplatz gehört Maria und Ernesto, Bio Schaf- und Bienenzüchter der ersten Generation, einladend und herzlich. Unser Nachtlager ist entsprechend sympathisch. Der prächtige, sternenklare Nachthimmel (einziger Bonus in der Kälte) kann ausgiebig beim nächtlichen WC Gang genossen werden. Gemächlicher Sonntagsbetrieb: Kleine Handwäsche, Müesli und Kaffee mischen, anschliessend zum Geldautomaten und in die „mi casita de té“ für einen weiteren Kaffee. Internet Sonntagstelefonate und dann …. ? Ja, schon wieder!

Ein Ausflug in ein nahegelegenes Seitental bringt uns in ein kleines, natürliches Paradies. Dort verbringen wir herrliches „No hacer nada, Dolche far  niente“ auf Chilenisch:

Termas y nada más!

Das Thermalwasser quillt mit 80°C aus einer unscheinbaren Steinfalte und wird in die kleinen Becken gemischt. Mehr braucht es nicht. 

Wir erwarten gespannt das Resultat der heutigen Präsidentschaftswahlen. 

 

Lluvia y pan integral fresco

Montag , 17.11.2025

Das Dorf La Junta verabschiedet uns am regenreichen Morgen mit einer warmen Dusche und heissem Kaffee. Die geschützte Küche bietet etlichen Reisenden, insbesondere Velofahrenden, Schutz und eine trockene Ecke. Abfahrt in den nass-grauen Morgen. Unterwegs tauchen wir sprichwörtlich in einen üppigen Regenwald ein und lassen uns verzaubern. 

Die Fahrtbahn windet sich aus den Bergen langsam hinunter, Richtung Puyuhuapi, ein kleines Hafen- und Fischerdorf. Das Ende des extrem langen Fjords erscheint am Horizont, erneut kommt ein „Ausläufer“ des Pazifiks weit ins Inland, bis an die Ruta 7. 

Puyuhuapi, erst 1935 gegründet und bis 1982 nur per Boot oder Wasserflugzeug erreichbar, ist heute ein Etappenort an der Carretera austral und Ausgangsort für ausgedehnte Besuche in den umliegenden und riesengrossen Nationalparks. Im Dorf sind noch Zeichen vom gestrigen Wahlsonntag zu finden, jedoch sind alle Plakate verschwunden. Bunte Fähnchen und Hinweise führen uns zu einer „Mikrobäckerei“ mit feinsten Brotsorten. Hiesige Campingplätzen verfügen über Unterstände, welche in dieser äusserst regenreichen Region auch für uns sehr willkommen sind. Der Holzherd wird eingeheizt und Teewasser aufgesetzt, die zugige Schreibstube kann bezogen werden. 

 

Ventisquero Colgante – hängender Gletscher

Dienstag, 18.11.2025

Ein Nachtrag zum Tagesbeitrag vom Freitag, 14.11. (betreffend Northface Gründer Douglas Tompkins):

Diese Nacht bin ich erneut sehr dankbar über meinen fast 40 jährigen Northface Daunenschlafsack (damals noch Made in Great Britain!), welcher schon ein paar Mal mit mir um die Welt gereist ist! Zusammen mit Merino Wolle Unterwäsche und einer Bettflasche schlafe ich trotz klirrender Kälte herrlich gewärmt im oberen Bett (Zeltstoffwände) des roten Kamels. 

Heinze schlummert im unteren Bett gemütlich in seinem top modernen Hightech Exped 4-Saisons Schlafsack, ebenfalls mit Bettflasche! Wir beide verschlafen und kriechen aus den warmen Schlafsäcken, schlussendlich ruft ein weiterer Arbeitstag. Die umliegenden Gipfel sind frisch verschneit, trotz der hiesigen Jahreszeit (kommender Südsommer) nichts aussergewöhnliches. Im Parque Nacional Queulat zeigt sich der Ventisquero Colgante („hängender Gletscher“) für einen kurzen Moment in der nebligen Morgenstimmung von seiner eindrücklichen Seite: Immense Eismassen entladen sich über einer steilen Felsenarena in Wasserfällen. Leider ist zur Zeit der Wanderweg in die Nähe dieses Naturspektakels wegen Witterungsschäden geschlossen. Mit dem Teleobjektiv holen wir uns die Szenerie aber näher heran. In der Hochsaison ist hier ein überlaufener Hotspot, heute sind wir nur eine Handvoll Besucher vor Ort. Die anschliessende Weiterfahrt führt erneut durch wilde, menschenleere Gegend. Sind wir im Urwald oder im Schneegebirge? Die Witterung bleibt stürmisch und kalt. Wir finden erst spät am Nachmittag in einem kleinen Dorf eine Essensgelegenheit. Es wird für uns der Holzofen eingefeuert und schlussendlich entscheiden wir uns, gleich von den Gästezimmern Gebrauch zu machen, obwohl es draussen aufhellt. Der Ofen wärmt so schön.

 

Cóndores, molinos glaciares y campos de lupinos

Mittwoch, 19.11.2025

Ein quälender, merklich unterdrückter Schockschrei von Heinz geht am gestrigen, späten Abend durch die geheizte Stube! Auf einen Schlag sind alle Dateien auf seinem Computer verschwunden, unendlich viele Arbeitsstunden in die Bearbeitung der Fotos scheinen verloren. Nach intensivstem, an Verzweiflung grenzendem Troubleshooting gelingt es uns zusammen, die Daten zu retten und wieder zugänglich zu machen. Teamwork at its best! Ein Glas Carménière besänftigt den Schock.

Unter 4 dicken, schweren Wolldecken schläft jeder wie ein Flunder in seinem Bett ein. So flach und eng ist einbettetet. Der Start in den Tag beginnt mit der bekannten Meteo Lage der letzten Tage: Chilenisches Wetter, also kalt, nass, neblig.

Am Lago Las Torres sollten Kondor Sichtungen möglich sein. Doch im Nebel zeigt sich keiner. Dann weiter südwärts schwebt plötzlich einer der riesengrossen Greifvögel in geringer Höhe über das rote Kamel. Bis wir halten können und mit den Teleobjektiven aus dem Auto hetzen …. ist er weg! In den umliegenden, nebelverhangenen Felsflanken zeigt er sich später in grösserer Höhe und Entfernung. Wir lassen uns Zeit für das Beobachten. Weit abgelegen von der Hauptroute suchen wir im Gelände nach einem Hinweis vom gestrigen Vermieter. Bizzare Auswaschungen und Gletschermühlen in einem Flussbett. Was wir finden und geniessen übertrifft unsere (Verzasca- und Maggiatal) Erwartungen. Formen und Farben, welche Künstlerinnen und Kathedralenerbauer nicht kreativer hätten gestalten können. Entlang dem Rio Mañihuales führt uns die Rute 7 anschliessend weiter südwärts durch die landwirtschaftlich genutzte Landschaft.  Der Frühling in Patagonien verwöhnt uns trotz strömendem Regen mit sagenhaften Lupinenfeldern in satten Farben. Heinze steigt nach dem Fotoshooting mit durchnässter Jeans und Dauenjacke wieder ins Auto. Ein kleiner Bauernhof mit Stellplätzen für Durchreisende bietet sich für diese Nacht an. Unterwegs habe wir schon eine feine chinesische Suppe, reich an Zutaten selber gekocht und genossen.

 

20.11.2025

Que tienen un buen viaje

Die Sonne weckt uns früh! Der kleine Bauernhof und unser Camp erwachen, Emsigkeit greift um sich. Während wir frühstücken und packen, zieht eine Herde Schafe mit den Herdenhunden an uns vorbei, Richtung Weide. Im Bauernhaus wird mächtig gefeuert, der kleine Schornstein qualmt. Unsere Schlafsäcke baumeln in der Sonne zum Lüften. Ein herzliches Abschiedswort von der Bäuerin: „Que tengan un buen viaje!“

Die Fahrt geht weiter durch gebirgige Gegenden mit teilweise intensiver Landwirtschaft und Viehzucht. Ab hier fällt uns auf, dass Äcker und Felder bewirtschaftet werden; in den letzten Wochen haben wir nur reine Viehzucht gesehen. Holzwirtschaft wird nun ebenfalls intensiv betrieben. Der legale wirtschaftliche Holzschlag, aber leider auch der illegale, zunehmende Raubbau an den Wäldern, ist eine immense Belastung für die Umwelt.

In Coyhaique, einer richtigen Kleinstadt, ist viel Betrieb. Weihnachten wird vorbereitet, der Stadtpark „Plaza de Armas“ gepflegt und geschmückt. Wir suchen eine Werkstätte, um an der Trittstufe aus Aluminium Bruchstellen schweissen zu lassen. Nach freundlichen Auskünften finden wir im Aussenquartier in einer unscheinbaren, dunklen Werkstätte einen Meister des Fachs.

Beim Flanieren auf der Plaza de Armas spricht uns Herr Spielmann, Urgrosssohn eines Auswanderers aus Basel, an. Ein sympathisches Gespräch entsteht, und er nutzt seine wenigen Wörter Schweizerdeutsch, die er noch kann. Anschliessend geht es zurück auf die Ruta 7. Wir schaffen noch eine weitere Etappe auf dem Weg nach Puerto Río Tranquilo. Die Distanzen sind schlicht und einfach riesig. Zum Abschluss des Tages nutzen wir das sonnige Wetter zum Waschen; die Hauskatze wirbt um unsere Aufmerksamkeit.

 

21.11.2025

Polvoriento y sacudido

Die Fahrt von El Blanco nach Puerto Río Tranquilo ist sagenhaft. Ein Kaleidoskop unterschiedlichster Landschaften und geologischer Formationen zieht an uns vorbei. Das rote Kamel und die Velofahrer kämpfen tapfer mit Steigungen und extrem staubigen Pisten. Das ist die echte Carretera Austral! Der Berg „Cerró Castillo“ sieht wirklich aus wie eine mächtige spanische Burg.

Wir fahren Richtung Osten, näher an die argentinische Grenze, und passieren auch die Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik. Die archäologische Fundstätte „Paredón de los Manos“ reicht bis ca. 1000 v. Chr. zurück. Hunderte von Handabdrücken an der Felswand (ähnliche prähistorische Motive findet man weltweit) zeugen von der Nutzung dieses Felsschirms, eines sogenannten Abri.

Staubig und gut geschüttelt erreichen wir den riesengrossen See Lago General Carrera, gemeinsame Grenze Chiles zu Argentinien. Es gilt, gut vorzubereiten für morgen. Früh, um 6:45 Uhr, wird die Abfahrt für einen ganztägigen Ausflug sein. Buenas noches!

 

22.11.2025

Asombrarse

Hielo, belleza que desaparece!
Heute haben wir den ganzen Tag nur gestaunt. Schon die Autofahrt durch das Tal des Río Exploradores im frühen Tageslicht, ist ein visueller Genuss. Im Morgennebel zeigen sich die ersten vergletscherten Gipfel nur schemenhaft. Dieselben präsentieren sich am Nachmittag auf der Rückfahrt dann in voller Pracht, mächtig in der Landschaft thronend.

Die lange Bootsfahrt zur Laguna San Rafael und insbesondere das anschliessende Kreuzen vor der immensen, direkt in den Meeresfjord fliessenden (kalbenden) Gletscherzunge ist unbeschreiblich. Fotos vermögen nur einen bescheidenen Eindruck wiederzugeben.

 

23.11.2025

Cátedral de mármol

Die Geologie Südamerikas ist extrem divers. Eine grosse Naturschönheit und „Laune der Natur“ nahe Puerto Río Tranquilo erkunden wir heute von einem kleinen Ausflugsboot aus: die sogenannten Marmorkathedralen!

Das Wasser des Sees hat nach der letzten Eiszeit im anstehenden Marmor ein komplexes Korrosionsbild entstehen lassen, ähnlich wie in unseren Karstgebieten. Die gebildeten Formationen haben etwas Kathedralenhaftes.

Die anschliessende Weiterfahrt führt entlang des Lago General Carrera und Lago Bertrand zum Río Baker. Gigantische Wassermassen aus den umliegenden Bergmassiven treffen an der Confluencia Río Baker zusammen. Der Río Nef schiesst über grandiose Stromschnellen in den Río Baker. Für Wagemutige ist hier einer der River-Rafting-Hotspots in Chile. Mit Blick auf die Confluencia schlagen wir unser Nachtlager auf und geniessen den Sonnenuntergang.

 

24.11.2025

De los Saltos a la Gomeria

Das Frühstück mit Blick auf die Confluencia und die anschliessende Wanderung hinunter zum Zusammenfluss der beiden Gewässer ist ein Erlebnis. Der Río Baker – einer der grössten Flüsse Chiles – bringt sein tiefdunkelblaues Wasser durch mächtige Saltos und Stromschnellen ins Tosungsbecken. Der Río Nef mischt sein grau-braunes, sedimentbeladenes Schmelzwasser ein. Es entsteht ein herrliches Türkis-Azurblau, welches der Río Baker in seinem weiteren Verlauf weiterführt.

Am Zugangstor freuen wir uns über unsere jugendlichen Posturen, dank welchen wir schlank auf den Wanderweg kommen. Das rote Kamel und Heinze sind immer wieder eine Attraktion; Neugierige wollen Auskunft. Eigentlich könnten wir ein Kässeli mit Audioguide montieren.

Die Landschaft verwöhnt uns wieder mit spektakulären Auftritten. Auf der Carretera wird an allen Ecken und in allen Kurven gebaut. Irgendwo unterwegs bohrt sich eine gefürchtete Überraschung in einen der als extrem robust geltenden All-Terrain-Reifen! In einer nahegelegenen Ortschaft finden wir für das Kamel eine Reifenklinik, genannt Gomería. Der Meister und sein Angestellter sind Virtuosen. Konzentriert und in Windeseile bedienen sie mehrere Fahrzeuge aufs Mal, alle mit eingefahrenen Schrauben, Nägeln etc.

Beim Warten kauft Heinze Biobrot von einer fliegenden Händlerin, die ebenfalls mit ihrem Mobil in der Werkstatt steht. Im Garten nebenan wird gerade der Pudel des Meisters gewaschen; Skulpturen aus kaputten Reifen erfreuen das Fahrerauge. Im Ort finden wir zudem einen Super-Minimarkt, der vom 250-PS-Schiffsmotor über Lebensmittel bis zum Nagellack alles verkauft. Grosses Staunen.

Nach einem langwierigen, aber letztendlich geglückten Online-Ausreiseantrag ändern wir die Streckenplanung für den kommenden Tag. Wiederum hat ein lokaler Kleinbauer Platz für drei müde Kamele. Der Herdenhund begrüsst uns freudig.

 

25.11.2025

Maravillosa fauna silvestre sin frontera

Die Änderung der Route, um heute wie geplant nach Argentinien zu gelangen, wird zur wahren Schatzkammer. Wir verlassen die Carretera Austral – Ruta 7 – und wählen eine Nebenroute durch das Valle Chacabuco und über den kleinen Paso Roballos. Am Zusammenfluss des Río Baker und Río Chacabuco können wir kaum glauben, dass hier einmal ein gigantischer Staudamm geplant war. Lokaler, von der Weltöffentlichkeit kaum beachteter Widerstand vermochte das Projekt zu stoppen.

Der in der Region gelegene Parque Nacional Patagonia verfügt über ein ausgezeichnetes Besucherzentrum. Die Tierwelt und die Landschaftsbilder lassen uns einfach sprachlos, aber immer wieder für Foto- und Genusshalte innehaltend, vorwärtskommen. Guanaco, Ñandú, Gänsearten, Kondor sowie Kiebitz und viele andere Vogelarten könnten wir tagelang beobachten.

Am kleinen chilenischen Grenzübergang – 11 km vor der eigentlichen Grenze – werden wir sehr herzlich abgefertigt; der Grenzbeamte kennt die Schweiz. Vor der noch kleineren argentinischen Grenzkontrollstelle machen wir einen ausgiebigen Zvierihalt: Alle frischen Lebensmittel müssen gegessen werden! Die Einreise nach Argentinien oder umgekehrt nach Chile mit frischen, offenen Lebensmitteln ist streng untersagt. Der argentinische Beamte rollt mit den Augen, als er das volle Kamel erblickt, und verzichtet auf die übliche ausführliche Untersuchung des Fahrzeuges.

Um Schutz vor dem herrschenden patagonischen Wind für die Nacht zu finden, parken wir in einer seitlichen Taleinbuchtung. Der Tagesbericht wird im Fahrzeug geschrieben; schlussendlich sind wir im Pumagebiet.

 

26.11.2025

Cueva de las Manos

Der berühmt-berüchtigte Patagonien-Wind hat uns beim Grenzübergang eingeholt. In der Nacht hat es im Kamel kräftig gerüttelt und geschüttelt. Zum Glück – das Hochstelldach ist fragil bei Böen und Seitenwinden – steht es richtig gegen die Windrichtung, und wir schlafen nach einem Check und Blick hinauf zum prächtigen, klaren Firmament mitten in der Nacht beruhigt weiter.

Scheinbar haben wir in einer Tierkadaverdeponie übernachtet, überall liegen massenhaft Knochen herum. Der Puma hat uns in Ruhe gelassen. Wir verlassen den verschneiten Andenfuss Richtung Osten, hinunter in die patagonische Pampa Argentiniens. Der Wechsel im Landschaftsbild und der Vegetation kann nicht abrupter sein! Chiles Seite zum Pazifik hin ist auch so weit südlich immer noch grün und feucht. Mit dem Überqueren der Andenkette landen wir in der absolut ariden und wüstenhaften Pampa; wenig bis kein Regen kommt normalerweise über die Anden hinüber.

Im Moment fliesst noch viel Wasser aus der Schneeschmelze in die Ríos und endlosen Schwemmgebiete, oft abflusslose, salzige Seen. Heftige Regenfälle vor ein paar Tagen in der Bergkette sorgen nun für hohe Pegel, teilweise für Überflutungen. Dafür blühen Fauna und Flora plötzlich. Hunderttausende von Heuschrecken sind unterwegs.

Nach stundenlanger Fahrt durch windgepeitschte, endlose Ebenen, entlang von Tafelbergen und tief eingeschnittenen Canyons, erreichen wir das Empfangsgebäude für den Zugang zur berühmten Cueva de las Manos. Es handelt sich um einen bedeutenden archäologischen Ort mit Weltkulturerbe-Status. Wir sind die einzigen weit und breit, die unterhalb einer windgeschützten Anhöhe über dem grandiosen Canyon, nahe beim Zugang, übernachten. Morgen werden wir die Ersten sein. Das ist das Privileg, mit dem roten Kamel ungebunden unterwegs zu sein.

 

27.11.2025

Patrimonio de la Humanidad

Aufstehen mit Sonnenaufgang und perfekter Aussicht auf den Canyon des Río Pinturas! Frühstücken aus gut angelegten Vorräten, denn seit dem „notfallmässigen“ Aufessen der frischen Lebensmittel vor zwei Tagen wegen Grenzübertritt sind wir an keiner Siedlung, keinem einzigen Geschäft vorbeigekommen, um uns zu versorgen.

Pünktlich um 9 Uhr öffnet der Zugang. Der Ranger empfiehlt jedoch, erst die 10-Uhr-Tour zu machen, das Tageslicht sei dann optimal. So nutzen wir das vorhandene, wundersame Starlink-Internet mitten im Nichts, um unseren Liebsten ein Lebenszeichen zu geben. In der Schweiz ist mittlerweile der Winter eingebrochen.

Der fast 3-stündige Rundgang mit unserer äusserst kompetenten Rangerin entlang der Steilwand (Schutzhelme gegen Steinschlag) über dem Río zu den Felsmalereien gleicht dem Öffnen eines prächtigen Bilderbuches über die örtliche, beinahe 10’000-jährige Urgeschichte! Wandabschnitte, überzogen mit unzähligen Handabdrücken in bis zu vier verschiedenen Farben, Jagdszenen mit filigranen Darstellungen der gejagten Guanacos, Formen, Symbole … Alles in situ und open air.

In Europa sind die bedeutendsten Fundstellen (zeitlich natürlich früher) in Höhlen, gut gesichert und nur für ganz wenige Spezialist:innen zugänglich. Es ist atemberaubend, hier quasi als Laie, in Begleitung der jungen, engagierten Rangerin Avril, freien Zugang zu haben und sich intensiv mit den Darstellungen auseinandersetzen zu können.

Ein Privileg. Solche Fundstellen sind leider gefährdet, oft fehlt das Verständnis, oder mutwilliger Vandalismus, auch seitens des Tourismus, zerstört viel. Hier wird sehr gut aufgepasst und vermittelt.

Die über 200 Kilometer lange Weiterfahrt auf der Ruta 40 führt durch die endlose, windgepeitschte, völlig flache und baumlose Pampa. Viele Schlaglöcher verlangen beim Fahren hohe Aufmerksamkeit; starke Böen drängen unser beladenes Kamel immer wieder seitlich von der Fahrtrichtung ab. Im grünen, von vielen mäandrierenden Wasserläufen durchzogenen Tiefland, im Dorf Gobernador Gregores, finden wir unter hohen Bäumen, gut geschützt vor den Winden, einen ruhigen Campingplatz.

 

28.11.2025

En el Wild West

Die Ruta 40 wird ihrem Namen einmal mehr gerecht! Von Norden nach Süden, wiederum durch endlose, menschenleere Pampa-Wüste, täuschen Fata Morgana einen Fluss auf der Strasse vor. Das uns bisher unbekannte Verkehrsschild einer zerrupften Palme warnt vor extremen Winden; solarbetriebene SOS-Notruf-Säulen alle paar Kilometer sind ein Indiz für die schwierige Strecke.

Wieder liegen grosse, abflusslose Seen in den immensen Senken. Saisonale Wasserlöcher ziehen Tiere an, und es blüht. Leider sieht man an den endlosen Zäunen entlang der Strecke unzählige Guanaco-Kadaver. Wüste Bilder. Die Zäune hindern die Tiere am freien Umherziehen. Beim Überspringen der Hindernisse bleiben viele fatalerweise hängen.

Am Ende der heutigen Etappe landen wir in einer kleinen Oase, glauben, im Wilden Westen gelandet zu sein. Der Fotograf geht auf Jagd nach Sujets.

 

Regalo meteorológico

Samstag, 29.12.2025

Einen herzensguten Sonntagmorgen, liebe Mitreisende:

Von 10-15 wolken- und windlosen Tagen haben wir einen geschenkt bekommen!!! 

Da ist er: Der enigmatische Berg Fitz Roy / Cerro Chaltén!

 

Parque Nacional Los Glaciares 

Sonntag, 30.11.2025

Das rote Kamel hat wieder einmal Pause und parkt vor unserem Tiny Haus im „Wellblechhaus-Quartier“ vom rasch wachsenden El Chaltén (Übernamen Capital Nacional del Trekking). Die Fahrten auf den „Wellblechpisten“ und die Schlaglöcher haben teilweise ihre Spuren hinterlassen, einiges muss gut beobachtet werden, vielleicht wird gar eine Reparatur notwendig sein.

Zwei lange Tageswanderungen führen uns in die Nähe der imposanten, emblematischen Granitnadeln Fitz Roy und Cerro Torre, sowie der benachbarten Spitzen. Schlicht grandiose Impressionen und Gefühle der Weite und Naturgewalt.

Die Instagram Generation überholt uns ständig. Grindelwald-Jungfraumassiv oder Öschinensee-Blüemlisalpmassiv Feeling – ein wenig an den Haaren herbeigezogen – beschleicht uns, resp. das Matterhorn lässt grüssen. Irgendwie verrückt: Wir treffen Argentinier, welche entzückt die Alpen bereist haben und wir staunen hier vor Ort im Parque Nacional Los Glaciares! In der Region ist der Grenzverlauf zwischen Argentinien und Chile noch immer nicht vollständig geklärt, aber im Moment ist der Disput runtergefahren, die Länder haben dringendere Probleme. Die Gründung, respektive Konsolidierung als argentinisches Territorium von El Chaltén 1985 ist eine Folge des friedlichen Standbys.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert