Berichte 01.11. – 15.11.2025

Encuentros al borde de la carretera

Samstag, 1.11.2025

In Villa Pehuenia fahren wir spät ab, zuerst geniessen wir die wärmende Sonne und Stimmung am See Aluminé. Entlang des gleichnamigen Flusses geht’s weiter. Unterwegs haben wir bei Fotostopps herzliche Begegnungen:

Mit einer Rinderzucht Familie bei ihrer Matte Pause, einem nordargentinischer Strassenarbeiter in brütender Hitze und einer Verkäuferin an ihrem Strassenstand tauschen wir uns aus. Offene und liebenswerte Menschen. 

Beim Mittagessen bestellen wir eine Portion Gemüse mit explizit kleiner Fleischbeilage, von einer ebenso herzlichen Kellnerin empfohlen. Schlussendlich sitzen wir vor einem sehr unbescheidenen Fleischteller. Glück gehabt, er hätte definitiv grösser ausfallen können! 😉

Bis zum späten Nachmittag geht’s entlang von Flüssen, welche beliebt bei Riverrafter und Wildwasser Kanuten sein müssen – an vielen Stellen sieht man Boottransporte. 

An allen Ecken zeigt sich der Frühlingsbeginn. 

Da unsere Abfahrt spät ausgefallen ist, wird klar, dass wir das gesetzte Tagesziel hinter dem Ort San Martin  nicht erreichen können. Auf gut Glück und mit der iOverlander App entdecken wir den bisher wunderbarsten Übernachtungsplatz. Die Szenerie und Abgeschiedenheit sind purer Genuss. 

Mit Mond und Saturn (sind in Konjunktion) gehen wir schlafen. 

 

Vulcán Lanín y los siete Lagos 

Sonntag,  2.11.2025

Sonnenaufgang und Frühstücken am See  verzaubern den Start in den Tag. Eine sehr lange Fahrt durch das äusserst abwechslungsreiche Gebiet der „Ruta de los Siete Lagos“ in der Reserva Nacional Nahuel Huapi bis zur Colonia Suiza (!) steht bevor. Wir beide Fotografen ahnen , dass das mit der zeitlichen Planung wieder eng werden könnte, die Szenerie unterwegs wird uns sicher an manchen Ecken wie Sirenen locken. San Martin de los Andes präsentiert sich als „Klein-Interlaken“ , eine Vorahnung auf die touristische Region von San Carlo de Bariloche. 

Nach einem Sujet reichen Umweg  entlang dem Lago Traful landen wir im Sonntagsstau vor Bariloche! Alle kommen vom Wochenendausflug an die Seen zurück. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Colonia Suiza.

Ana, Besitzerin des Campingplatz Ser empfängt uns herzlich, obwohl der Platz ausgebucht ist. 

 

Dos Suizos en la Colonia Suiza 

3.11.2025

Heute ist Ruhetag und somit Zeit zum erkunden des Weilers „Colonia Suiza“. 

Das Örtchen bietet für mich als Schweizer ein augenzwinkerndes Bild auf die Schweiz. Für Argentinier ist es ein historischer Ort, welcher an ihre eigene Einwanderungsgeschichte erinnert. 

Zitat:

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet von Einwanderern aus dem Süden des Kanton Wallis in der Schweiz besiedelt und war damit die erste Schweizersiedlung in Patagonien. Die Goye, Mermoud, Cretton, Felley, Jackard, Fotthoff, Lojda und Neu waren die ersten Familien; alle französischsprachig.

Quelle:

Verbeke, Liliana (26 de febrero de 2020). «Los fines de semana y la magia de Colonia Suiza». Agencia de noticias Patagónica.

 

Nahuel Huapi – Insel des Jaguars 

Dienstag 4.11.2025

Das Kamel hat immer noch Ruhepause. Heute geht’s per Uber Taxi (kannte ich bisher nicht, verrückt wie so etwas auf der ganzen Welt funktioniert) zum Hafen von Llao Llao ( auf argentinisch schao schao) um das Ausflugsboot auf die Isla Huemul (Insel Victoria) und die Halbinsel Arrayanes im Parque Nacional Nahuel Huapi zu erwischen. Der ganze Tag ist eine wahre Fotosafari mit Blick auf viele Wunder der Natur. 

Wir dürfen immer noch kostenlos bei Ana auf ihrem Campingplatz bleiben, kostenlos weil sie durch Gruppen ausgebucht ist und meint, sie könne uns ja nicht noch zusätzlich etwas verrechnen. Das ist wahre Gastfreundschaft! Ihr „Döschwo“ spricht Bände! Der alte Dampfer Modesta Victoria auf dem See hat viele Passagiere transportiert, unter anderem auch einen berühmten Argentinier: Nein , nicht Messi oder Maradona, sondern ….. Che Guevara! 

 

Día de laburar

Mittwoch 5.11.2025

Vollmond ist für heute angesagt. Zur Sicherheit schon gestern Abend zum See runter gegangen und ein Foto gemacht, mit dem Wetter weiss man nie. Ansonsten ist es nochmals ein Arbeitstag: Bild- und Berichteredaktion, Hene führt ein Interview mit Carina , Ururgrosstochter eines Schweizer Ehepaars aus dem Wallis, Einwanderer und Gründer der Colonia Suiza. Alle frischen Lebensmittel müssen aufgebraucht werden, morgen geht’s über die chilenische Grenze! Dort wird streng kontrolliert! Vorbereitung für die morgige Abfahrt. 

Wir gönnen uns nach diesem anstrengenden Arbeitstag in der lokalen Bierbrauerei ein Bier „typa suiza “! Diese liegt praktischerweise neben dem Wanderweg in das Gebirge. Der Vollmond zeigt sich erst Mitte Nacht, leider ist der Horizont zum Aufgang wolkenüberzogen.

 

El Océano Pacífico ya no está lejos

Donnerstag 6.11.2025

Check der Route, Fahrzeug kontrollieren und dann … Abschied von Ana mit einer herzlichen Umarmung. Tanken. Auf der Ruta 40 geht’s entlang dem Lago Nahuel Huapi. In Villa la Angostura (ähnlich den Hotspots Bariloche und San Martin sehr touristisch ) nochmals ein argentinisches Mittagessen. Am Abzweiger zum Paso Cardenal Antonio Samoré geht es bergauf Richtung Chile! Die Pässe sind hier nur noch moderat unter 2‘000 m. ü. M. , im Gegensatz zu Nordchile, wo sie über 4‘000 m.ü. M. erreichen. Die Landschaft ändert schlagartig! Sattes Grün, Laubbäume, feuchte Luft ….. Aber wieso soviele abgestorbene Bäume? Nach dem massiven Ausbruch des benachbarten Vulkans Puyehue-Cordón Caulle im 2011 bedeckte eine Aschenschicht die Vegetation, vieles starb ab. Die Aschenwolke hatte in der ganzen südlichen Hemisphäre Auswirkungen. Die Aus- und Einreiseprozeduren meistern wir erfolgreich und schnell, freundliche Beamtinnen und keine Schikanen bisher überall. Am Abend schlagen wir am klaren, stillen Lago Puyehue unser Nachtlager auf, mit Blick auf den gleichnamigen Vulkan. Nun sind wir auf der pazifischen Seite Südamerikas. Auf der Strasse werden wir von Oliver auf Bärndütsch angesprochen, er ist hier geboren und hat eine Pizzeria. Wohin wir morgen Abend essen gehen ist klar. Hene braucht noch einen Interview Partner mit Schweizer Bezug in Chile.

 

Pura Vida in Interlaken

Freitag 7.11.2025

Wir sind tatsächlich in Interlaken gelandet – Entre Lagos!

Ein unscheinbares, aber hübsches Dorf zwischen den Seen. Überall blüht es, kleine Gärtchen werden gepflegt, auch bei unserem Campingplatz Besitzer. Diese Gegend ist bei den Chilenen selber sehr beliebt. Zahlreiche Seen, unendliche Wälder sowie majestätische Vulkane bieten ihnen Sommer wie Winter Ausflugs- und Sportmöglichkeiten. Die Landwirtschaft dominiert vor der Forstwirtschaft die Tätigkeiten in der Region. Im örtlichen Supermercado wird die Weihnachtdeko eingeräumt. 

Ein kleiner Campesino Markt bietet auch lokales Handwerk an. Der Besuch in Olivers Pizzeria „Pura Vida „ ist die Überraschung und das absolute Highlight des Tages: Olivier zeigt uns seinen selber aufgebauten Betrieb, erzählt uns die Familiengeschichte und wir dürfen das grosselterliche Haus besichtigen. Aus dem grossen Gemüsegarten kommen die frischen Zutaten für die – auch für Schweizer Gewohnheiten – absolut herrlichen und kreativen Pizzen! Genuss pur , ebenso die „Mürbetorte“ von seiner Mutter. Hene hat den perfekten und äusserst liebenswürdigen Chile Interview Partner für sein Buchprojekt gefunden. Spät und überaus satt verlassen wir Interlaken. Das rote Kamel muss unterwegs wegen den beiden zweibeinigen Kamele zig-mal anhalten. An jeder Ecke lockt ein Vulkan mit seinem Posieren. Verspätet wie oft bei solch reichen Tagen finden wir ein unerwartetes Nachtlager. Der Lago de Los Santos am Fusse des Vulcán Osorne präsentiert sich wolkenverhangenen, der Strand ist schwarz von den vulkanischen Schichten, überall blüht der Ginster.

 

Del vulcán al mar

Samstag 8.11.

Das Aufwachen und Frühstücken am Lago Todos Los Santos hat etwas Magisches. Innerlich lächelnd erfasse ich die Koinzidenz, dass ich viele Jahre im Museo Todos Santos gearbeitet habe (Museum zu Allerheiligen). Weit draussen ist ein Fischerboot unterwegs, sonst sind wir in dieser Stille mutterseelenallein vor Ort. Entsprechend geht das Fahrbereitmachen bedächtig und still vonstatten. An den Saltos del Río Petrohué legen wir einen Zwischenhalt ein. Heute ist Jahrestag der Nationalparks – Freier Eintritt landesweit. Die Parkplatzwächter freuen sich über meine alten Peso Scheine, scheinbar beliebte Sammlerstücke. Über den reissenden Wasserfällen thront der majestätische Vulkan Osorno, wir „verabschieden“ uns von diesem prägnanten Fotosujet. Eine Szenerie erinnert an den Rheinfall. Wir lassen die Vulkan-, Seen-, und Pumagegend hinter uns und fahren sprichwörtlich schnurstracks Richtung Pazifik! Bei Maulín erreichen wir plötzlich die Küste, das Meer! Ein feiner Moment. Weit weit draussen liegt Polynesien – ich muss unweigerlich an Rapanui (Osterinsel, Chile zugehörig) denken – und noch viel weiter weg Asien. Neben Alejandro seinem Hostal bekommt das rote Kamel seinen Standplatz, unser Nachtlager. Bei untergehender Sonne erzählt uns Alejandro von seinem Leben und seine Meinung zur aktuellen Politik. Einiges stimmt uns nachdenklich. Unterwegs hören wir viele, kontroverse Stimmen. Nach der magischen Morgenstimmung endet der Tag mit einer nicht weniger magischen Sonnenuntergangsstimmung am östlichsten Punkt unserer Reise.

 

Tras los pasos de las primeras personas en América Latina 

Sonntag 9.11.2025

Wir lagern hinter einer Nehrung an der Lagune, nicht direkt am offenen Meer. Es ist entsprechend windstill und zum Frühstücken nach der kühlen Nacht herrscht bei uns frühsommerliche Stimmung. Man hört die Brandung des Pazifik. Nach dem sonntäglichen Spaziergang durch das verschlafene (trotz Wahlplakaten für die anstehe Präsidentenwahl) Hafendorf Maulín gilt unser Besuch einer aussergewöhnlichen archäologische Fundstätte: Monte Verde!

https://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Verde

Sie gilt als eine der frühsten – wissenschaftlich belegten – Fundstellen für die Besiedlung Amerikas und sorgte nach ihrer Entdeckung für grosse Kontroversen, da bisherige Theorien revidiert werden mussten. Auch heute sind die Erklärungen zur Besiedlung Amerikas nach neueren Studien erneut unter Druck. Die Datierung verschiebt sich weiter in noch frühere Zeiten: vor über 20’000 Jahren und mehr! Ein sehr spannendes Thema!

Das rote Kamel muss vor der weiteren Fahrt runter nach Tierra del Fuego noch in die Garage, mehr als stolze 225‘000 km hat es mittlerweile unter den Hufen. Deshalb werden wir die kommenden Tage in einem Airbnb im Städtchen Puerto Varas am Lago Llanquihue verbringen.

Sogar das rote Kamel passt ins Häuschen.

Auf dem Weg dorthin regnet es zum ersten Mal auf unserer Reise. Gutes Timming mit den Betten im warmen Airbnb.

 

Camello rojo y pantalones en la reparación

Montag 10.11.2025

Zmörgele im Airbnb Zimmer, versorgt aus der fliegenden Küche des roten Kamels. Eine neue Erfahrung. Unsere Schlummermutter – eine rüstige chilenische Seniorin – nimmt regen Anteil an unserer Geschäftigkeit. Ihr Häuschen ist top sauber und ordentlich, wir werden für zwei Tage richtig sesshaft. Das Kamel findet mit Heinze den Weg in die erste Garage, aber dort ist nicht alles wie es für den Preis sein müsste. Erst in der zweiten Garage werden die beiden gebührend und kompetent bedient. Gute Beratung, alles Wesentliche ge-checkt, kleinere Reparaturen und elektrische Mängel können behoben werden.

Gut gelaunt treffen die beiden zeitig zum Mittagessen wieder in der Basis ein. Es gibt Chilenische Bohnen- und Pastasuppe mit Wurst… wir sind in einer durch und durch deutsch geprägten Region Chiles. Häuser, Alltagswörter, Speisen und Fahnen zeugen von den europäischen Einwanderern Ende des 19. Jahrhunderts. Die indigene Bevölkerung der Mapuche verlor im Gegenzug Land und Freiheit und bleibt bis heute marginalisiert.

Ich bringe unterdessen meine zerrissene Hose zur Schneiderin. In Entre Lagos hatte ein Hund nach mir geschnappt und zum Glück nur das lose Hosenbein erwischt. Eine Wäscherei liegt auch gleich um die Ecke, nach der Schneiderin gehen ein paar Kilo Wäsche dorthin.

Puerto Varas mit dem langen Sandstrand und dem historischen Stadtkern ist ein beliebtes Ausflugsziel. Vulkane reihen sich in Postkarten Manier rund um den See.

Die Suche nach White Spirit, Bencina blanca, Reinbenzin zeigt endlich Erfolg! Wir finden im Internet einen grossen Baumarkt, welcher im Webshop solcher anbietet. Morgen wird es dorthin gehen.

 

En la casa de las maravillas

Dienstag 11.11.2025

Früh geht’s los zum Megabaumarkt, um endlich das Bencina blanca zu kaufen … Fehlanzeige! Trotz Webshop Angebot haben es die zwei örtlichen Grossfilialen nicht vorrätig! Auf gut Glück mit dem Webshop Foto ein Eisenwarengeschäft aufsuchen … Letzter Versuch … und siehe da … 4 Flaschen vorrätig! Im nächsten dann nochmals 10 Flaschen! So können wir endlich den Kanister mit Kocherreinbenzin befüllen! Die Näherinnen haben unterdessen tolle Arbeit geleistet, Hose und Hemd sind perfekt repariert. Unsere Schlummermutter heizt extra den Holzofen ein, damit unsere Handwäsche heute noch trocknen kann. 

Wir vergessen Zeit und Gefühl für die Gegenwart beim Besuch des wunderbaren, skurrilen, witzigen sowie phantasievollen und kreativen Gesamtkunstwerk „Museo Pablo Fierro“ ! Der Maestro ist gerade am Streichen vom äusseren Holzwerk. 

Der Schlussspurt am Ende des Tages gilt dann wieder Profanem: Einkäufe für die nächsten Tage, ab morgen ist wieder Outdoor Leben angesagt, fern von warmen Airbnb Betten und Einkaufsmöglichkeiten. Wir finden sogar Sauerteig Vollkornbrot und eine lokale Rösterei mit himmlischem Kaffee.

 

En ruta por la carretera austral

Mittwoch 12.11.2025

Iris Amalias Grosssohn öffnet dem roten Kamel früh das Tor zum Verlassen des Grundstücks, Iris winkt uns zum Abschied aus dem Zimmerfenster.  Hier haben wir Airbnb in der ursprünglichsten,  originalen Form erlebt: Persönlich und herzlich im privaten Haus, mit „Familienanschluss“. 

Heute bekommt das Kamel zum ersten Mal die berühmte Ruta 7 – die Carretera Austral – unter seine weichen Sohlen (keine Hufe!), muss aber noch kurz in die Garage: die Batterie der Photovoltaik Anlage hat den Geist aufgegeben. Monstergrosser Rhabarber, kurvenreiche Strassen und erste Seelöwen zeigen sich entlang des über 100 Kilometer langen Fjordes, welchem wir folgen. Überall sind Fischzucht Anlagen installiert. Unterwegs überholen wir etliche Velofahrende, schwer beladen, ebenfalls unterwegs Richtung Süden. An diesem nebligen und kühlen Tag handeln wir kurzentschlossen und instinktiv: Ein kleine, wundersam am Wegesrand versteckte Therme ladet zum  Bade. Zur Überraschung treffen wir spät am Abend bei der Suche nach einem wilden Nachtlager auf eine der überholten Velofahrenden: eine Chilenin, mutterseelenallein unterwegs. Wir kochen eine heisse, reiche Gemüsesuppe und teilen mit ihr. Spannendes und angeregtes Gespräch mit ihr – Buchhalterin, Umweltaktivistin und Feuerwehrfrau – entsteht. Sie vermittelt uns eine weitere, einprägsame Innensicht auf Chile,  unter anderem auch auf die grosse Problematik der  beobachteten Fischzucht Anlagen. 

 

Feliz con 5,2 metros para un coche

Donnerstag 13.11.2025

Gestern Nacht konnten wir zum Glück und mit spärlicher Internet Verbindung doch noch für heute einen Platz auf der Fähre buchen! Trotz Nebensaison sind die Überfahrten oft ausgebucht! Es wird pro Gesamtlänge des Fahrzeugs gebucht. Wir ergattern von den letzten vorhandenen 10 Metern noch die nötigen 5,2 m für das rote Kamel. Geduldig wartet das Kamel und weitere Reisende auf die Fähre. 

Die Region hier ist stärker geprägt vom indigenen Erbe als anderswo, Dorfplätze und Verwaltung zeigen Bewusstsein und Stolz.

Die Abendfähre kommt verspätet in Hornopirén an. Die Ent- und Beladung geht zackig. Sauber in Reihen gegliedert werden wir eingewiesen und fahren auf das Ladedeck. Lastenzüge, PKWs, Kleinlaster und Touristenfahrzeuge finden ihren Platz. Die abendliche, fast wind- und wellenlose Überfahrt durch den Fjord ist grandios, norwegischer Szenerie sehr ähnlich. Sich Sattsehen an der Naturschönheit. In stockdunkeler Nacht gilt es „umzusteigen“, eine 10 km lange Strecke über Land führt zum nächsten Hafen. Aus unseren Lautsprechern tönt die passende Musik…. Voyage voyage …. . Wieder einfädeln und auf die nächste Fähre. Die Carretera austral besteht aus mehreren solcher See- und Landpassagen. Streckenplanung und Reservationen sind unerlässlich. Die mühsame Online Buchung der Passagen bedingt gute Internetverbindung und ebenso gute Nerven, welche nicht immer vorhanden sind. Die 2. Überfahrt ist in der Finsternis praktisch unbemerkbar, so ruhig ist das Meer. Nun gilt es noch ein Nachtlager in der Wildnis zu suchen. Im Finstern parken wir an einer Ausstellmöglichkeit, klemmen einen grossen Stein unters Vorderrad zum Niveauausgleich …. Buenas noches ! Beim Aufwachen werden wir von einer wunderschönen Aussicht überrascht! Die Vegetation ist überaus üppig und Nebelwald artig. Wir sind im Patrque Nacional Pumalin Douglas Tompkins, mehr dazu im nächsten Bericht.

 

Vivir con los volcanes

Freitag, 14.11. 2025

Nach der kurzen Nacht gibt es ein reichhaltiges Frühstück im Aussichtspavillon. Die anschliessende Fahrt führt an einer  grossen Infotafel vorbei. Wir lesen diese sehr aufmerksam, da hier mehr Informationen stehen als im Reiseführer. 

Einerseits zum Parque Nacional Pumalin Douglas Tompkins, im Kern ein Geschenk des  Northface Outdoor Equipment Gründers Douglas Tompkins: Ein Leben für die Erhaltung und Rettung chilenischer Natur. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Douglas_Tompkins

Andererseits zum Vulkan Chaitén – welcher von hier aus besteigen werden kann – und den Bewohnern des gleichnamigen Ortes. Ein Leben unter ständiger Bedrohung durch den Vulkan. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Chait%C3%A9n_(Vulkan)

In Chaitén gibt es einen kurzen Kaffeehalt und Blick auf den Pazifik, weit draussen im Nebel liegt die Insel Chiloé. Reste der zerstörten Häuser wurden als Gedenkstätte hergerichtet. Vieles wurde komplett neu aufgebaut, modernisiert. Alles schliesst jedoch für die lange Mittagspause. Das Örtchen ist ausserhalb der Hauptsaison still und verschlafen. Unser Tagesziel liegt weiter hinten in den Bergen: Termas El Amarillo. Aufgrund der vulkanischen Geologie ist die Dichte an Thermen in dieser Region hoch, für uns in dieser kalten Witterung hochwillkommen. Nach ausgiebigem Aufwärmen gibts ein feines Selfmade Dinner, begleitet mit exzellentem chilenischen Rotwein: Carmeniére aus dem Haus von Siebenthal. Für mich als Bärner Oberländer ein Muss! Heinze pflichtet, resp. prostet bei. Die Nacht ist plötzlich stürmisch und regnerisch. Notfall mässig muss alles regendicht gemacht werden. 

 

La región glaciar se acerca

Samstag , 15.11.2025

Der Regen hält auch am Morgen an. Flink und routiniert, aber ohne Kaffee und Frühstück, wird fahrbereit gemacht und weiter geht’s. Die Suche nach einem kleinen Restaurant zum Zmörgele scheitert, alles noch geschlossen. Einen Griff zur Thermoskanne und in den Notvorrat. Gnädig zeigt sich die Sonne, schnell einen openair Frühstückshalt unterwegs. Die Wolkendecke reist auf und gibt einen Blick auf das Gletscherfeld des Yelcho Massivs frei. Ein Vorgeschmack auf die kommende Region mit den immensen Gletschern. Eine mehrstündige Wanderung durch wundersame Urwald Vegetation führt den Berg hinauf, in die Nähe der Gletscherzunge. Der Weg im Naturpark ist informativ beschildert. Der Rückzug der Gletscher auch hier in Chile ein Thema! Bald setzt der Regen wieder ein und wir fahren weiter südwärts, durch ausgedehnte Flusstäler, flankiert von noch schneebedeckten Bergen. An der orangefarbenen Hängebrücke links abbiegen und das heutige Nachtlager „Agua vida“ heisst uns willkommen.