Berichte 20.10. – 31.10.2025

Ein neuer Abschnitt beginnt. Etappe 9.3. Nun darf ich mit Peter durch Argentinien reisen. Ein alter Freund, mit dem mich vieles verbindet. Peter ist vielseitig interessiert und kennt sich besonders in der Archäologie und Geschichte aus. Sein Wissen wird der Weltreise neue Aspekte verleihen.
In den nächsten Tagen wird er die Berichte schreiben. Wir dürfen uns freuen.

 

Bom dia de São Paulo

21. Oktober 2025

Nach einem elfstündigen, ruhigen Flug heisst es in São Paulo (Brasilien) umsteigen und den ersten Kaffee auf dem südamerikanischen Kontinent geniessen. Das Gepäck ist laut Position der AirTags auch hier, bereit zum Umladen. Die beiden zweibeinigen Kamele sind wohlauf.

Bienvenidos a Mendoza

Nach dem spannenden, äusserst abwechslungsreichen Flug über den südamerikanischen Kontinent landen wir pünktlich und mit Blick auf die Andenkette in Mendoza. Auf unser Gepäck warten wir vergebens! Laut AirTags ist es immer noch beim Abflugpunkt des Flugzeugs in São Paulo. 🤔 Mañana?
Also erst einmal das Kamel aus der Garage holen und entstauben….
Den Abend trotzdem in San Martín im kleinen Stadtpark ausklingen lassen und noch das Nötigste bei den örtlichen Händlern einkaufen…. Buenas noches!


 

Vom Suchen und Finden

22. Oktober 2025

Nach dem Zmörgele begleitet uns das frisch gewaschene Kamel wacker auf der Suche nach dem vermissten Gepäck und nach Reinbenzin für den Kocher. Dank den Trackern im Gepäck wissen wir früh, dass es unterwegs ist. Erleichtert holen wir es am Flughafen ab. Auf einer regelrechten Stadtführung durch die erfrischenden Baumalleen von Mendoza klappern wir zig Outdoorläden und Ferreterías (Eisenwarengeschäfte) ab, um Coleman Fuel, White Spirit, Bencina blanca, Reinbenzin etc. zu finden. Erfolglos! Fortsetzung folgt.
Noch ist nicht Outdoorsaison. Am Abend testen wir – wie in den Schweizer Kaufhäusern – schon mal die Weihnachtsbeleuchtung für das rote Kamel aus. Das wiedergefundene Gepäck ist ja das wahre Geschenk von heute.


Der Logistik Tag

23. Oktober 2025

Ausräumen, kontrollieren, umpacken, einräumen – bereitmachen für die grosse Fahrt. Medikamente, Ersatzteile, Kleider nach Saison – hunderte Teile sortieren und im engen und minimalen Platz sauber sowie mit System versorgen. Das ist schon die halbe Fahrt und sichert den „WG-Frieden“ im Kamel.
Neben uns steht ein amerikanischer RV, quasi ein Tiny House auf Rädern. Die haben Platz „en masse“!
Im Garten laute Zuschauer, welche einen Einblick in die kommende Tierwelt gewähren. Für Argentinien gibt es tolle Apps zum Kennenlernen der Fauna und Flora.


Kreuz und quer durch Mendoza

24. Oktober 2025

Heute Morgen verabschiedet uns Valentín, der liebenswürdige Besitzer der Garage und unserer Startbasis, aufs Herzlichste. Auf der anschliessenden Stadtwanderung zu Fuss durch Mendoza geniessen wir den Mercado Central, zig kleine Geschäfte und decken uns mit „deutschem Brot nach Omas Rezept“ ein. Den mehrstündigen Grillplausch – Asado – lassen wir für heute wohlweislich aus. Gegen Abend verlassen wir die Grossstadt endgültig, Richtung …?
… Ojo de Agua, dem Weingut von Dieter Meier! Sein Wein ist bei uns sehr bekannt und beliebt, Meier produzierte sehr früh – in Argentinien als Pionier – biologisch.


Ojo de Agua

25. Oktober 2025

Nach später Ankunft verbringen wir die vergangene Nacht auf dem Weingut. Wir sind die einzigen Besucher, nur ein überaus freundlicher Wächter ist vor Ort und klärt per Telefon, ob wir auf dem Gelände übernachten dürfen.
Wir dürfen – und verbringen am Ojo de Agua eine wunderbare Nacht unter Sternen, inmitten der Rebberge. Nach dem ausgiebigen Mittagessen mit Steak und Wein aus Dieter Meiers Produktion sowie mit Blick auf die verschneite Andenkette reisen wir nach der Siesta gesättigt und äusserst zufrieden weiter.


Durch den Cañón des Río Atuel

26. Oktober 2025

Nach der Weinbauregion um Mendoza führt die Fahrt auf der berühmten Ruta 40 zuerst schnurstracks Richtung Süden. Der anschliessende „kurze“ Abstecher (250 km – für argentinische Verhältnisse ein Katzensprung) Richtung Osten bringt uns über San Rafael ins Tal des Río Atuel – Cañón del Atuel – zum Übernachten. Nach einer rauschenden Nacht – ohne Wein, der Fluss führt mächtig Wasser – bringt uns das rote Kamel zuerst durch das steile, bunte und an Erosionsformen vulkanischer Erdgeschichte äusserst reiche Tal zu den Stauseen. Die ersten Kondore kreisen über uns. Es ist Sonntag, Einheimische legen ihr Asado auf den Grill – kiloweise Fleisch. Was dieser Wahlsonntag Argentinien bringen wird…?
Wieder auf dem Hochplateau angelangt, erblicken wir in der Ferne die verschneite Andenkette – welch ein Kontrast! Gegen Abend schliessen wir den Abstecher nach erneuten zig Kilometern und treffen wieder auf die Ruta 40. Mit dem letzten Abendlicht geht’s westwärts in das Tal des Río Salado hoch, direkt Richtung Zentralmassiv. In der Therme von Los Molles endet dieser eindrückliche Zweitagesabstecher.

Zum Tagesabschluss gönnen wir uns ein heisses Bad im Thermalbad. 

 

Vom Schnee zu den Flamingos

27. Oktober 2025

Wir stehen früh auf und sind durch die Meteo-App vorbereitet, dass es sehr kalt und neblig ist sowie höchstwahrscheinlich auch schneien wird. Eine grosse Tasse Milchkaffee erhellt den Tagesbeginn. Wir sind praktisch die einzigen Gäste im kleinen Thermenhotel. Nach der Besichtigung von riesengrossen Erdtrichtern – nicht vulkanischen Ursprungs – geht es wieder talabwärts. Kondore kreisen über den nebelverhangenen Bergen, und es beginnt bis weit ins Flachland zu schneien. Überall tragen die Einwohner warme Kleidung, praktisch alle Vulkangipfel sind schneebedeckt.

Nach einem Mittagstopp suchen wir die Piste zu einer Lagune mit Flamingokolonien. Bei eisiger Kälte schlagen wir weitab das Nachtlager auf und werden von einem berittenen Ziegenhirten entdeckt. Eine Tafel Schweizer Schokolade und ein Schwatz lösen die Anspannung, und wir dürfen auf seinem Gelände bleiben.

 

Schlotternd aus den Federn

28. Oktober 2025

Am nächsten Morgen fällt es schwer, die warmen Schlafsäcke zu verlassen (in der Nacht noch viel mehr, um doch schnell den nächsten Busch aufzusuchen). Die brodelnde Bialetti garantiert mit der aufgehenden Sonne sowie dicker Daunenjacke den perfekten Tagesanbruch. Die Stimmung an der Lagune ist märchenhaft, der Schnee von gestern bedeckt die Hänge.

Nach längerer Fahrt und einer kleinen Wanderung entdecken wir mehrere Flamingogruppen im seichten, salzigen Wasser. Ein Rotkopfgeier begleitet uns entlang der Schotterpiste. Weiter geht’s erneut auf der Ruta 40 südwärts, die Landschaft ändert sich markant und ist praktisch menschenleer. Nahe einer engen Schlucht des Río Grande im kantigen, harten Lavagestein wird das Kamel fürs Abendessen und zur Nachtbasis parkiert. Feuriges Abendrot lässt die Vulkane in nächster Umgebung leuchten.

 

ChatGPT:

Am Rio Grande

28. Oktober 2025

Nach einer total ruhigen Nacht unter traumhaftem Sternenzelt begrüssen uns die Vulkane im Morgenlicht 😉. Weiter geht’s auf der Ruta 40. An vielen Stellen und besonderen Orten sind kleine Altärchen, Schreinchen als Fürbitte für eine gute Reise oder Andenken an Verkehrsopfer platziert. Die Overlander („touristischen Fernfahrer“) verewigen sich dort oft mit Abziehbildern.

 

Geologie in allen Farben mit weiss getupften Vulkanen

Mittwoch 29. Oktober 2025

Das heutige Tagesziel ist Chos Malal. Der Name des Städtchens ist in Quetchua – die früher indigene Sprache – und bedeutet „gelber Stall“. Diese sind von Bäumen umgeben, welche sich im Herbst goldgelb verfärben.

Die Fahrt führt uns durch Millionen Jahre alte bunte, Fossilien reiche geologische Schichten.Die Strasse verläuft entlang grosser Flusssyteme, in welchen das Wasser frei mäandriert oder durch schroffe Lavafelder der alles dominierenden Vulkane. Diese erreichen hier noch stattliche Höhen von knapp 4000 Metern und sind auch noch immer schneebedeckt. Die Gegend ist bis auf kleinste, karge Gehöftemit Ziegenhaltung menschenleer, ebenso leer sind die Pisten (asphaltierte Strassen sind in dieser Gegend rar). Nach der Provinzgrenze Mendoza-Neuquén gibts einen Stopp für unsere Kamelkarawane.Im kleinen Dörfchen Barracas verteidigen wir unsere feinen argentinischen Canelloni vor „fliegenden Hunden“ und nutzen das örtlich aktive Mobilnetz für Internetzugang.

Da die Argentinier selber viel im Inland herumreisen, finden wir in Chos Malal – ähnlich anderen Orten – einen sauberen, gut eingerichteten Gemeinde Campingplatz vor. Dort treffen wir auch Velofahrer, welche unsere Strecke per Velo zurücklegen, RIESEN RESPEKT!

Das typische quadratische Strassenbild mit zentralem Platz – meist schöne Parkanlage – zu Ehren San Martin schliesst an die Uferpromenade des Rio Neuquén an. Charmanter Ort zum Übernachten, Einkaufen ( ja, ja, immer noch auf der Suchenach Reinbenzin), Tanken (200 Liter Diesel) und Besuchen des archäologischen Museums. In der Wüste nennt man solche Stationen Karawanserei.

 

Am Rio Neuquén

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Nach dem spannenden Besuch im örtlichen Museum zu der regionalen Archäologie verlassen wir das fruchtbare Gebiet am Rio Neuquén und tauchen sprichwörtlich in eine Wüste ein! Das Thermometer klettert auf rund 30° C.

Über 170 Kilometer nur Asphalt und eintönige Sedimentlandschaft. Unterwegs überholen wir die Velofahrer von gestern Abend, stoppen kurz und geben ihnen Wasser. In Las Lajas treffen wir gegen Mitte des Nachmittag auf ein grünes Dorf mit Zeltplatz am Rio Agrio. Zeit für Wäsche undFoto- sowie Berichteredaktion.

 

Pinturas rupestre y Araucarias

Donnerstag 31.10.2025

Die kalte Nacht wird von einer warmen Morgensonne abgelöst. Das  Bereitmachen zum Abfahren ist mittlerweile eingespielte Routine, jeden Tag mit kleinen humorvollen Abweichungen. 

Ausserhalb von Las Lajas suchen wir  nach versteckten präkolumbischen Felsmalereien. Das ganze Gebiet um den Ursprung des Río Neuquén zu den Anden war in prähistorischer früh besiedelt. Über die Andenpässe herrscht seit Jahrtausenden ein reger Austausch, die heutigen Grenzen sind modernes Phänomen. 

Wir verlassen die eher flache Ebene und fahren in Richtung Villa Pehuenia, dem Tagesziel. Der Wechsel in der Landschaft und Fauna könnte nicht abrupter sein. Nach dem Überqueren einer kleineren Bergkette, auf welcher noch Restschnee liegt,  finden wir uns in fast mitteleuropäischer Alplandschaft wieder. Trotz vulkanischer Geologie ist alles  grün und weit herum wachsen Bäume! Nadelbäume und … eine besonderere Baumart taucht auf und begeistert das Fotografenauge: Die Araukarie. Die Akzente sind uns sehr fremd. Überall wird an den Strassen (nicht asphaltiert) gearbeitet , die Schäden durch Schnee und Wasser sind immens.  Bei frostigem Wind erreichen wir den Lago Aluminé, von den Argentinier eine sehr geschätzte Perle nahe der chilenischen Grenze. In der Hauptsaison ist das Dörfchen Villa Pehuenia überfüllt, jetzt herrscht zum Glück ruhige, entspannte  Zwischensaison. Der See am Zeltplatz präsentiert sich im prächtigen Abendlicht. Die Nacht zieht wiederum frostig auf.