Berichte 01.07. – 15.07.2025

1. Juli 2025

Tja, Ruhetag. So um acht finde ich gleichwohl, ich sollte aufstehen. Ein gutes Zimmer, ein bequemes Bett, eine warme Dusche – was will man mehr? Die Unterkunft hier gefällt mir. Das Hostal Km Zero ist nicht übertrieben, aber gut.

Frühstücken ist nicht so möglich. Es ist eben wirklich so, dass in der Fresskiste kaum mehr etwas ist. Aber Kaffee ist noch da, zum Glück.

Wir lassen heute Wäsche waschen. Um zehn versuchen wir, die Flut an Bildern, Eindrücken und Infos in den Computern zu verarbeiten. Das ist eine etwas mühsame Arbeit: all die Bilder sichten, auswählen, beschneiden, beschriften, hochladen – ein halber Job.

Am Mittag gehen wir in die Stadt. Es hat hier aussergewöhnlich viele Touristen, wobei wohl ein Grossteil aus Amerika kommt. Entsprechend viele Läden gibt es für Touren, Souvenirs, Handwerk, Ramsch, Schmuck und Snacks.

 

2. Juli 2025

Das Aufstehen ist relativ mühsam. Das warme Bett, die kühle Luft, der labile Geist – alles spricht dagegen, das Bett zu verlassen. Irgendwann, es ist fast neun Uhr, raffen wir uns auf. Das Frühstück ist noch etwas einseitig. In meinem Bauch glunscht den halben Vormittag der Joghurt.

Heinze fährt weiter mit Fotos und Texten für redcamel.ch.

Ich habe gesehen, dass es in der Stadt eine Bäckerei Suiza geben soll. Ausserdem will ich nach meiner Uhr schauen. Also mache ich mich auf in die Stadt. Die Strassen sind beidseitig mit hohen Mauern und Hecken gesäumt.

Zur Bäckerei komme ich recht schnell. Sie sollte um neun öffnen, um Viertel nach zehn ist da aber noch alles geschlossen. Ja gut, dann gehe ich nach der Uhr schauen. Aber auch dort ist die Verantwortliche noch nicht da.

Ich denke, ich sollte wenigstens etwas Brot mitbringen. Nach kurzem Suchen finde ich eine offene Bäckerei und werde fündig. Auf dem Rückweg ist beim Suizo immer noch geschlossen. Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen auf gut zwanzig Grad.

Wieder im Hostal muss ich schauen, dass ich meine Beiträge endlich ins Netz kriege. Um drei ist es soweit, und gleich darauf ist auch Heinze fertig. Wir gehen nochmals in die Stadt. Ich kriege meine Uhr mit neuem Bändel – ein Unikat.

Danach gehen wir essen, Heinze fotografiert.

Sobald die Sonne untergeht, wird es sofort kühler. Es ist eben immer noch Winter.

Wir essen ganz gut zu Mittag. Kurz danach hat meine Uhr das Gefühl, sie müsse sich selbständig machen. Das Band reisst. Eine Armbanduhr ohne Band? Wir fragen in einem Handwerksladen nach. Zuerst heisst es «No», dann doch ein «Momentito» – und jemand läuft los. Er kommt mit der Frau zurück, die mit Leder arbeitet. Sie verspricht, das Teil über Nacht zu flicken.

Wir bleiben lange in ihrem Laden. Ihre Arbeiten sind aussergewöhnlich – eine Mischung aus traditionell und kreativ.

Erst spät kehren wir zum Hostel zurück und fahren weiter mit der Computerarbeit. Noch im Bett sitzen wir an Texten, laden Fotos hoch, basteln Beiträge – damit auf den Webseiten bald wieder etwas Neues zu lesen und schauen ist.

 

3. Juli 2025

Der „Ein-Wort-Mensch“ meint: „Heizen!“ Es dauert dann noch bis nach neun, bis beide aus den Federn sind.

Duschen und so, Frühstücken und so, dann räumt Heinz das Kamel auf. Ich grüble im Internet herum, wegen meiner Stirnlampe.

Die Zeit vergeht im Flug. Es ist schon fast zwei Uhr, als wir in die Stadt zu einem Supermercado fahren. Der liegt am Rand einer Fussgängerzone. Google zeigt den Weg. Ob Einbahnstrasse oder nicht – Google kennt keine Gnade und bleibt bei seiner Route. Irgendwann sind wir dann wirklich dort und gehen einkaufen. Es ist ein grosser Haufen an Dingen, die wir brauchen. Der „Küchenschrank“ ist fast leer, die Vorräte sind aufgebraucht. Der Einkaufswagen füllt sich rasant.

Anschliessend hätten wir ins Valle de la Luna wollen. Die fortgeschrittene Zeit und die Touristenschwärme halten uns jedoch davon ab. Das machen wir morgen.

Also zurück zur Unterkunft. Dort kramt Heinz seine Winterkleider vom Kameldach. Die Sommershirts kommen rauf, die Winterklamotten runter. Es geht ja bald wieder nach Patagonien.

Ein Kaffee zum Nachtessen und ein Nusstörtchen vom Suiza-Beck runden den Tag ab. Bald wird es dunkel – und wieder kühler.

 

4. Juli 2025

Der frühe Vogel dreht sich nochmals um und schläft weiter.

So sieht das auch heute aus.

Es ist ein wunderbarer Morgen. Das Wetter zeigt sich wie in den letzten Tagen von seiner besten Seite: strahlend schön. Dank unserer gestrigen Einkäufe gibt es ein Super-Frühstück, das sich entsprechend in die Länge zieht. Heinz packt die Sommerkleider aufs Kameldach, ich mache den Abwasch und kümmere mich dann um die Vanish-Wäsche.

Um halb zehn verlassen wir das Hotel. Ziel ist heute das Valle de la Luna. Dieser Ort wird touristisch ordentlich vermarktet. Eigentlich ist es ein grosses Wüstental – spektakulär zwar, aber mit klaren Regeln. Schon am Eingang lösen wir ein Eintrittsbillet, das später auch mehrfach kontrolliert wird. Der Nationalpark erlaubt nur den Zutritt zu bestimmten Bereichen.

Wir fahren auf der Hauptroute durch das Tal. Bei sehenswerten Orten gibt es markierte Parkplätze. Von dort darf man auf definierten Wegen zu Fuss losziehen. Und ja, die Parkangestellten kontrollieren tatsächlich, dass niemand über die Stränge schlägt. 

Die Landschaft ist grandios. Durch die strengen Vorschriften bleibt sie hoffentlich noch lange erhalten. Besonders die alten Salzabbaugebiete faszinieren mich – bizarre Formationen, kristalline Strukturen. Mit der Zeit wiederholen sich die Eindrücke etwas, aber langweilig wird es nicht.

Gegen fünf verlassen wir den Park und fahren zu einem Mirador namens „Kari“. Zuerst sind wir fast allein, doch bald strömen die Touristen herbei – alle warten auf den grossen Moment: den Sonnenuntergang.

Wir gehören zu denen, die früher gehen. Statt Sonnenuntergang gibt’s für uns ein gutes Abendessen in der Stadt. Ein gelungener Tag.

 

5. Juli 2025

Heute sind wir den fünften Tag in San Pedro. Es ist nicht so, dass wir uns in den Ort verliebt hätten. Zuerst war er ein willkommener Zufluchtsort nach unserer bolivianischen Schneetour. Inzwischen fühlt sich San Pedro eher wie ein kleines Gefängnis an. Eigentlich wollten wir nur kurz chilenische Luft schnuppern und dann weiter nach Argentinien. Aber: Die Pässe dorthin sind geschlossen. Am 7. Juli sollen sie angeblich wieder öffnen. Wir sind gespannt.

Heinze leidet heute unter einer Art Schlafkrankheit. Er erwacht erst, als ich schon geduscht habe – um halb zehn. Vielleicht muss er sich vom gestrigen Marsch erholen.

Nach dem Frühstück – immerhin haben wir noch Vorräte – und dem obligaten Abwasch fahren wir in die Stadt. Ich muss Geld wechseln und ein paar Kleinigkeiten besorgen. Danach geht’s ins Valle de Marte, auch bekannt als Death Valley oder Valle de la Muerte. Diese Landschaft ist völlig unwirklich. Wer hier Leben sucht, braucht viel Geduld. Es soll wilde Tiere geben – sie zeigen sich aber nicht.

Irgendwann ist Schluss mit Autofahren. Unten am Hang beginnt der Fussweg. Heinze verzichtet. Ich mache mich alleine auf den Weg und staune über die absolute Stille der Wüste. Nur ein paar Vögel leisten mir Gesellschaft.

Heinze fährt einen Umweg und erwartet mich auf der anderen Seite des Hügels. Nach anderthalb Stunden und rund fünf Kilometern habe ich die Strecke geschafft. Es war eine gute Tour.

Zurück in San Pedro machen wir zuerst Büroarbeit, dann bekommt das Kamel eine dringend nötige Dusche – und wir einen Kaffee. Später gehen wir essen. Heinze bleibt noch etwas in der Stadt, ich ziehe mich ins Hostel zurück.

 

6. Juli 2025

Sonntag und früh aufstehen? Nicht gerade unser Traum, aber es muss sein – wir haben heute einen langen Weg vor uns.

Um halb neun stehen wir auf. Schon bald merken wir, dass einer der Dauergäste im Hostel einen über den Durst getrunken hat. Er schwankt durch den Innenhof, während sich ein paar Leute bemühen, ihn irgendwie aufzufangen. Ein armer Teufel, der offenbar das Mass verloren hat.

Gestern Abend haben wir, während das Kamel gewaschen wird, bei einem Bäcker ein Brot gekauft. Heute zeigt sich beim Frühstück, dass es zwei Teile sind. Der eine passt nicht in den Rucksack und der andere hat auf der Strasse wohl eine feine Sandschicht eingesammelt. Nun ja – wir frühstücken Brotreste. Dann aber los!

Unser Ziel ist das Geysirfeld beim Vulkan El Tatio. Ein rechtes Stück Weg, aber das Vulkänliwesen interessiert uns. Zum Glück ist die Landschaft spektakulär. Die Sicht auf die Vulkankette an der Grenze zu Bolivien ist überwältigend: perfekte Kegel wie aus dem Bilderbuch, explodierte Krater, verlorene Spitzen, rauchlose Gipfel. Heinze vermisst bei all dem geologischen Theater nur eins: das gute alte Räuchlein. 😛

Beim Eingang zum Geysirfeld gibt’s erst mal eine Sammlung an Verhaltensregeln – schliesslich will man nicht gekocht werden. Dass die Geysire am Mittag weniger eindrucksvoll sind, wissen wir. Trotzdem: Die Ebene ist fast menschenleer, die Sonne steht hoch, und aus allen Ecken dampft, zischt, gurgelt und brodelt es. Einige Fontänen erreichen gut einen Meter. Beeindruckend, was da unter der Erde abgeht. Anfassen? Besser nicht – das Wasser hat über hundert Grad.

Auf dem Rückweg machen wir nur noch Halt fürs Fotografieren. Dann fahren wir direkt zurück nach San Pedro – und geradewegs zur Tankstelle. Das Kamel bekommt endlich wieder Diesel. Danach essen wir noch etwas und kehren zurück ins Hostel.

Morgen wollen wir es wagen: Der Plan ist, Argentinien zu erreichen.

 

7. Juli 2025

Auszug aus San Pedro: Die Regenerationszeit ist vorbei, wir brechen auf nach Argentinien. Früh aus den Federn, schnell duschen, Kaffee, Brot und zusammenpacken – so sieht unser Start aus. Um neun Uhr fahren wir los, ohne ganz genau zu wissen, wo eigentlich der chilenische Zoll ist. In San Pedro steht zwar ein entsprechendes Gebäude, aber das könnte auch nur der Vorposten sein. Vielleicht kommt der richtige Zoll erst oben auf dem Pass.

Wir nehmen Kurs auf Jama. Jama ist ein kleines Nest im Norden Argentiniens, auf über 4000 Metern Höhe, und wahrscheinlich ist dort auch der Grenzposten. Die Strasse dorthin zieht sich spektakulär durch die Berge. Das Kamel kämpft tapfer. Wir schrauben uns höher und höher, fast auf die Höhe der Spitze des Mont Blanc.

Der Grenzposten kommt später als erwartet. Wir passieren den Paso del Jama, überqueren endlose Hochtäler, und irgendwann stehen wir wirklich in Jama. Überraschung: Chile und Argentinien teilen sich hier eine gemeinsame Zollstation. Der Ablauf ist zwar wenig selbsterklärend, aber es geht erstaunlich schnell. Mehrere Schalter, mehrere Stempel – und dann die Fahrzeugkontrolle: Der Beamte öffnet die Hecktür, schaut eine Sekunde rein und winkt ab. Willkommen in Argentinien.

Nach einem kurzen Kaffeehalt fahren wir weiter bis Susques. 280 Kilometer haben wir heute geschafft – von San Pedro durch die Anden bis ins argentinische Hochland. Die Strecke ist grandios: riesige, leere Ebenen, Vulkane, Weite. Was auffällt: grosse Minenanlagen mitten in der Landschaft. Metalltürme und Container, wo sonst nur Wind und Sand zuhause sind.

In Susques biegen wir auf die Ruta 40 ab – ein legendärer Name, aber die Realität ist staubig und rumpelig. Wir holpern bis Pasajes Chicos und schlagen unser Lager neben einem Polizeiposten auf. Es gibt ein einfaches Nachtessen, der Wind pfeift, und wir verkriechen uns früh in die Schlafsäcke.

 

8. Juli 2025

Mama mia, war das kalt letzte Nacht. Was frieren kann, friert. Selbst das Wasser im Kanister ist hart wie Stein, und die Pialetti streikt ebenfalls – sie lässt sich nicht mal aufschrauben. Ich friere die ganze Nacht durch, kaum ein Auge zu. Ein Wunder, bin ich nicht auch gefroren wie ein Fischstäbchen im Tiefkühler.

Um acht Uhr zwinge ich mich zum Aufstehen. Der Kaffee ruft – theoretisch. Praktisch ist das Wasser gefroren und die Kaffeemaschine blockiert. Erst als ich sie direkt über die Gasflamme halte, lässt sie sich widerwillig öffnen. Ich schlottere wie ein Schlosshund, Finger und Zehen sind gefühllos.

Heinze hat ein Einsehen. Er startet das Kamel und die Heizung. Eine Wohltat! Allmählich beginnt mein Blut wieder zu zirkulieren.

Von unserem Übernachtungsort Pastos Chicos bis San Antonio de los Cobres sind es nur rund 80 Kilometer – aber 80 Kilometer purer Schütteltest. Die Strecke besteht aus Naturstrasse mit tiefen Rillen. Wir werden durchgerüttelt, durchgeschüttelt und halb zerlegt. Die Landschaft ist grossartig, aber geniessen kann man sie nur mit sehr guter Federung.

Gegen vier Uhr erreichen wir San Antonio. Eine denkbar schlechte Zeit: Der Ort ist voll mit Touristengruppen, die Restaurants überfüllt. Doch beim Tourist-Info haben wir Glück. In einem kleinen Lokal erwischen wir zwei sonnige Plätze und bekommen etwas Warmes zu essen. Eine Wohltat.

Danach suchen wir eine Unterkunft mit einem Hof, in dem wir das Kamel parken dürfen. Drinnen schlafen geht nicht – also schlafen wir wieder im Auto. Ich hoffe, diesmal wird es nicht ganz so arktisch.

 

9. Juli 2025

Was für eine Nacht! Wir übernachten vor dem Hostel in San Antonio de los Cobres – und sind überrascht: berühmt für seine Kälte ist der Ort ja, aber diesmal bleibt uns der Frost erspart. Es ist fast schon mild, verglichen mit den letzten Eisnächten.

Bevor wir abfahren, tanken wir voll. Dann verlassen wir das Dorf und schrauben uns den Berg hoch. Wir folgen der legendären Ruta Nacional 40 – sie zieht sich durch ganz Argentinien und hat beinahe mythischen Status. Allerdings: Wer da an eine normale Nationalstrasse denkt, wie man sie aus Europa kennt, liegt gründlich daneben. Die Strecke ist Natur pur, holprig, eng und voller Überraschungen. Grosse Fahrzeuge haben hier kaum eine Chance. Dass uns trotzdem Kleinwagen entgegenkommen, bleibt ein Rätsel.

Der Anstieg zum Abra del Acay ist spektakulär. Das Kamel schnauft zwar gelegentlich, aber es hält tapfer durch – schliesslich geht es rauf auf 4895 Meter über Meer! Höher als der Mont Blanc. Die Täler sind weit, der Blick reicht bis in die Anden-Träume.

Die Abfahrt auf der anderen Seite ist dann eine ganz andere Hausnummer: eng, eisig, kurvig – und nervenaufreibend. Ich muss mich mehrfach am Haltegriff festklammern. Heinze sucht sich im Slalom einen Weg zwischen Schlaglöchern und Eisspuren. Manche Ausspülungen am Strassenrand wirken, als hätten sie ein Drittel der Piste gefressen. Rechts geht’s brutal steil in die Tiefe. Runterblicken – besser nicht.

Unten im Tal wird’s zwar flacher, aber harmlos ist es deshalb nicht. Ganze Strassenabschnitte fehlen, vom Wasser einfach weggefressen. Zeitweise fahren wir direkt im Flussbett des Río Calchaquí. Furten ohne Ende. Die erste Brücke sehen wir kurz vor La Poma – ein kleines Wunderwerk.

In La Poma essen wir etwas und bleiben dann auf dem Gemeindecamping. Wir sind die einzigen Gäste – zumindest menschlich. In der Luft lärmt ein Geschwader Papageien. Dutzende, nein hunderte. Sie kreisen, landen, schreien, flattern auf, landen wieder – auf Bäumen, auf Stromleitungen, im Chor.

Noch um halb zehn lärmt das gefiederte Volk. Aber sie gehören irgendwie dazu. Die Nacht wird laut. Und besonders.

 

10.7.25

Die Nacht ist überraschend warm, fast zu warm für einen Camping auf dieser Höhe. Der Platz bietet wirklich alles: saubere Waschräume mit warmen Duschen, Toiletten, die man ohne Bedenken benutzen kann, und sogar einen Bereich zum Abwaschen. Einziger Wermutstropfen sind die Felsensittiche, die hier in einer riesigen Kolonie nisten – ihre lauten Rufe begleiten uns den ganzen Tag.

Das Frühstück und das Packen gehen gemütlich über die Bühne, sogar eine warme Dusche nehmen wir noch, bevor wir erst um elf Uhr losfahren.

Die Route führt uns weiter auf der N40, eine Schotterpiste mit typischem Rüttelcharakter. Wir folgen dem Río Calchaquí, der anfangs noch ein kleines Flüsschen ist, aber bald zum mächtigen Fluss heranwächst und das Tal sichtbar prägt.

Unterwegs legen wir einen Halt bei einem Seitental ein, das archäologisch interessant ist. Im Valle Calchaquí lebten vor sehr langer Zeit Ureinwohner in Höhlen. Reingehen darf man nicht, aber die Zeitzeugen an den Höhlenwänden sind eindrücklich und lassen Geschichte erahnen.

In Payogasta, einer grösseren Ortschaft, stärken wir uns in einem Restaurant. Überraschenderweise dominiert hier auf der Speisekarte vegetarisches Essen – ganz anders als das fleischlastige Menü, das ich von Bolivien kenne. Argentinien zeigt sich von einer neuen Seite.

Unser nächstes Ziel ist Cachi. Die Stadt ist lebendig, voll von Geschäften und Tourismus. Der Camping Municipal ist fast komplett belegt.

Eine kuriose Verbindung zur Schweiz gibt es hier: Bekannt ist ja Erich von Däniken, der mit seinen UFO-Theorien für Furore sorgt. Weniger bekannt ist Werner Jaisli, ein Reisender und Künstler, der in der Nähe von Cachi einen UFO-Landeplatz aus Steinen gebaut hat – eine Reihe von Sternen, die als Kunstwerk und Glaubensstätte gelten. Stadt und Provinz pflegen das Bauwerk, Cachi ist ein Wallfahrtsort für UFO-Gläubige.

Ob man daran glaubt oder nicht, der Platz ist auf jeden Fall bemerkenswert.

 

11.7.25

Der Morgen beginnt mit einer kleinen Routine: Kaffee machen, frühstücken, abwaschen, Betten machen, Gepäck verstauen – bis wir endlich abfahrbereit sind, vergeht eine Weile. Die Nacht war ruhig, obwohl der Campingplatz über Nacht noch voller wurde.

Kurz nach neun Uhr verlassen wir Cachi und finden über Nebenwege wieder zurück auf die N40. Der Zustand der Strasse hat sich nicht verbessert: Staub und Schütteln begleiten uns den ganzen Tag. Eigentlich hätten wir genug davon, doch es hilft nichts.

Je weiter wir nach Süden kommen, desto mehr Landwirtschaft prägt die Landschaft. Entlang des Río Calchaquí breitet sich fruchtbares Schwemmland aus, auf dem viele Farmer ihre Felder bestellen. Daneben sieht man Rinderzüchter mit ihren grossen Höfen, den sogenannten Estancias. Viele dieser Anwesen sind eindrücklich und spiegeln den Wohlstand ihrer Besitzer wider – nicht nur Argentinier, sondern auch reiche Ausländer, die hier Prestigeobjekte besitzen. Die lokalen Gauchos scheinen da eher bescheidener unterwegs zu sein.

Kurz vor Churcal zwingt uns eine Umleitung, die beschädigte N40 zu umgehen. So landen wir im Dorf San Martín, wo wir in einem kleinen Restaurant haltmachen. Heinz nimmt das Tagesmenü, ich ein Omelett mit Salat.

In der Region gibt es grosse Weingüter. Das Klima und der Boden scheinen ideal für Reben zu sein, und der argentinische Wein gewinnt auch bei uns zunehmend an Bekanntheit.

Argentinien bleibt ein Land voller Kontraste – seine Grösse, die Berge, die Wüstenlandschaften beeindrucken immer wieder.

Wir nähern uns einem Bergzug, den wir morgen genauer erkunden wollen.

Heute übernachten wir auf dem Camping Municipal in Angastaco. Ein aufziehendes Gewitter mit dunklen Wolken droht, zieht aber vorbei – Glück gehabt.

 

12. Juli 2025

Der Start zur neuen Tagestour beginnt auf dem Camping Municipal von Angastaco. Bis ungefähr zehn Uhr geht es, bis alles geordnet, gemacht, vor- und nachbereitet ist. Der grössere Teil der heutigen Strecke führt durch „las flechas“. Dieser Gebirgszug besteht aus lauter schräg gestellten Spitzen – eben „Pfeilen“.

Es ist eine einzigartige Landschaft, durch die wir fahren. Entstanden ist sie durch Erosion: Das Material zwischen den Felsspitzen wurde weggeschwemmt und liegt wohl längst irgendwo im Meer. Die „Quebrada de las Flechas“ ist einer der eindrücklichsten Talabschnitte.

Beim Weiterfahren trifft Heinze in „Oda las Flechas“ auf eine Familie mit Schweizer Wurzeln. Die Familie Zurbriggen ist im Park unterwegs. Die Urgrosseltern sind offenbar einst aus der Schweiz nach Argentinien ausgewandert. Das Interview-Projekt lebt wieder auf: Heinze macht mit Herrn Zurbriggen ein Interview.

Wir sind immer noch auf der Staub- und Rüttelpiste der N40 unterwegs. Heinze sehnt sich nach Teer. In Los Sauces essen wir – total auf dem Land. Die Chefin tut sich etwas schwer mit der Aufgabe „kein Fleisch“, aber ich bekomme einen Salat.

Die Weiterfahrt führt uns schliesslich nach Cafayate. Noch vor dem Ort beginnt die langersehnte Teerstrasse. Auf dem Hauptplatz findet eine Art Markt statt. Wir bummeln hindurch und gönnen uns einen Kaffee.

Übernachtet wird in Colalao del Valle – auf einem Campingplatz gleich beim Dorfeingang.

 

13.7.25

Heinze hat ein Mailproblem, das sich nicht so einfach lösen lässt. Und wie das so ist, es frisst Zeit, regt auf und man rennt im Kreis. Da ist der Umstand, dass ein Pferd einen Stoffsack eines Zeltes angefressen gilt fast eine Nebensache. Das Übernachten hier auf dem Camping Colalao del Valle war gut, trotz der Discomusik, die man die ganze Nacht hörte. Erst fast am Mittag starten wir erneut.

Heute ist Weiterbildung angesagt. Wir besuchen das Informationszentrum über das Volk der Quilmes. Einerseits hat es die Ruinen der Häuser eines grossen Dorfes, andererseits steht hier ein Museum, das Vieles im zeitlichen Kontext zeigt.

Das Volk, das eigentlich viel älter als die Inka ist, hat den spanischen Eroberern das Leben nicht ganz einfach gemacht.

Auf dem weiteren Weg suchen wir ein Restaurant. In Santa Maria versuchen wir so eines zu finden. Aber alle sind geschlossen. Wir finden auch später nichts. Läden sind offen, aber Restaurants, – nada.

Die N40, auf der wir nun schon einige Zeit fahren, ist in der Zwischenzeit eine ziemliche Strasse geworden. Zwar zweispurig, aber gut ausgebaut und zeitweise pfeilgerade über viele Kilometer. Wenn das Kamel pfeift, fahren wir über hundert. Mir scheint, es pfeift nur noch.

Der Strasse entlang sind die grossen Landwirtschaftsbetriebe verschwunden. Einige Zeit hat es Weingüter gehabt. Riesige Ländereien und nur Trauben drauf. Jetzt, hier ist wieder Busch- und Dornenland. Es hat der Strasse entlang Herden von Geissen und Schafen, die Kleinbauern gehören.

Irgendwann landen wir auf dem Camping Termal Hualfin. Wir haben noch Essensresten von gestern, die wir warm machen können, darum bekommen wir doch noch etwas zwischen die Zähne. Heinze geht Thermalbaden und ich versuche diesen Text da zu schustern.

 

14. Juli 2025

Jeder Morgen ohne Sonne kann ein Problem darstellen. Wir übernachten heute in einem Tal, in dem die Sonne erst spät ankommt. Heinze überlistet die Uhr und beschliesst, sich nach chilenischer Zeit zu richten – bringt ihm aber wenig.

Um halb elf ist Abfahrt, und bald sind wir im gewohnten Trott unterwegs. Schon beim Frühstück merken wir: Heute müssen wir einkaufen. Belen ist ein grösserer Ort, dort sollte es passende Geschäfte geben.

Weil schwer abzuschätzen ist, wo man gut und günstig einkauft, halten wir beim ersten, der gut aussieht. Vielleicht wäre ein anderer besser gewesen. Wir kaufen, was uns zum Frühstück fehlt. Leider merken wir erst am Abend, dass der Schinken, auf den sich Heinze gefreut hat, fehlt. Irgendwo unterwegs ist er wohl geblieben.

In der Bäckerei gegenüber gibt’s Brötchen – und eine kleine Belohnung: ein Cornet, süss und zäh, in ein „Blätterteigmöcklein“ verpackt, das auch zwei Stunden später noch an den Zähnen klebt.

Die Strasse heute ist eine Sensation – kilometerlang schnurgerade, mit dem Lineal gezogen. Eine surreale Erfahrung.

Gegen drei Uhr finden wir bei Tinogasta eine Finca mit Restaurant. Zwar etwas teuer, aber das Essen ist hervorragend. Natürlich kennen sie „vegetarisch“ und die Speisen sind lokal geprägt.

Dann beginnt wieder die Suche nach einer Unterkunft. In Fiambalá treffen wir um vier ein. Wir beschliessen, wieder einmal in einem Hostal zu übernachten. In den „Cabañas de los Andes“ beziehen wir ein kleines Häuschen – auch um endlich wieder einmal das Internet nachzuarbeiten.

 

15. Juli 2025

Der Tag beginnt ruhig hier im Hostel. Ich stehe um sieben Uhr auf, kann warm duschen und mache mich gleich hinter die fehlenden Beiträge. Das Auswählen und Bearbeiten der Bilder braucht am meisten Zeit. Ich habe massenhaft Aufnahmen, aber viele eignen sich erst später für eine Galerie. Eine Auswahl zu treffen, ist nicht einfach.

Relativ spät gehen wir zum Frühstück. Es hat aber noch genug für uns.

Danach sitzen wir im Zimmer am Computer und arbeiten. Nach elf geht Heinze los, um Eintrittsbillette für die Therme zu kaufen. Am Nachmittag wollen wir in einer bekannten Thermalquelle in den Bergen baden. Weil die Nachfrage offenbar einmal überwältigend war, verkauft man die Tickets heute im Ort. Also, Heinze geht – und bringt die Billette.

Kurz nach Mittag sind wir mit dem Kamel unterwegs. Die Fahrt ist nicht weit. In einer grossen S-Kurve kommen wir dem Bad näher. Die Kolonne vor dem Eingang schockt uns zuerst, aber es ist dann doch nicht so schlimm wie befürchtet.

Dem Hang entlang sind Becken mit unterschiedlichen Temperaturen angelegt – von unten 30 °C bis oben 45 °C. Wir steigen bei 36 °C ins Wasser, bleiben etwa eine halbe Stunde und wechseln dann ins nächst Wärmere. Das braucht manchmal etwas Überwindung.

Irgendwann bin ich ganz oben – und danach gleich ganz unten. Ich dusche eiskalt. Auch das braucht Überwindung.

Schade nur, dass es so viele Leute hat. Ganze Gruppen, Familien, viele Einzelne – manchmal wird das Baden etwas grenzwertig.

Um fünf sind wir mit dem Kamel wieder in Fiambalá. Zum Abschluss wollen wir noch essen gehen. Die Suche nach einem offenen Restaurant ist gar nicht so einfach. Wir finden eines, trinken etwas – essen gibt es erst ab sechs. Es wird fast sieben, bis wir bestellen können.

Zurück im Hostel möchten wir am Computer weiterarbeiten – aber Natelverbindung und Wifi streiken. Tja, Südamerika! Später funktioniert dann doch alles wieder.