Berichte 16.06. – 30.06.2025

16. Juni 2025

Es ist vollbracht!

Schon lange ärgern wir uns darüber, dass sich die hintere Kameltüre kaum noch öffnen lässt. Türschloss und Angel funktionieren zwar, aber Heinze hat zusätzlich eine Diebstahlsicherung mit einem Riegel (Haspe) und Schloss montiert. Die Zeit und unvorsichtige Leute haben dazu geführt, dass es immer mühsamer wurde, die Türe zu öffnen.

Was tun wir also? Wir bohren die Befestigungsnieten der Haspe auf und nehmen sie ab. Heinze hat bereits eine neue vorbereitet. Dabei sehen wir, dass das Kamelhinterteil unter der Haspe ziemlich eingedrückt ist. Wir überlegen: Holz, Plastik oder Hartgummi als Unterlage?

Irgendwann müssen wir sowieso essen. Vorher besuchen wir aber noch eine „Gommeria“, um zu schauen, ob sie ein passendes Stück für uns haben. Hauptsächlich werden hier Gummireifen verkauft – das ist nicht, was wir suchen. Doch schliesslich finden sie ein Stück Gummi, das passt – für 10 Bolivianos, etwa ein Franken. Gut, jetzt aber Pizza – weil es einfach und gut ist. Wir fahren mit dem Taxi zum „Plaza 25 de Mayo“, dem zentralen Platz.

Nach dem Essen gönnen wir uns ein Eis und schlendern dann über den Platz zurück zur Unterkunft.

Auf einer Parkbank liegt ein Stück Ledergurt. Perfekt – der Gurt hat genau die passende Breite. An Leder als Material haben wir gar nicht gedacht. Zurück beim Kamel bauen wir ein Stück bolivianischen Ledergurt unter die Haspe.

Noch etwas Entroster, etwas feilen, ölen, putzen – und das Kamelhinterteil ist fast wieder wie neu.

Dann heisst es aufräumen, Nachtessen, etwas Büroarbeit – und schon ist die Nacht wieder da. Morgen geht es weiter Richtung Potosí.

 

17. Juni 2025

Nach diesem kurzen Zwischenhalt in Sucre geht es heute weiter. Wir packen alles zusammen und um zehn sind wir wieder auf Piste.

Nächste Station ist der SAS Supermarkt. Wir müssen mal wieder Lebensmittel kaufen.

Von da weg gehen wir auf Diesel-Entdeckungstour.

Die ist nicht sehr erfolgreich. In keiner Tankstelle ist welcher zu finden. Nun, noch geht es.

Wir fahren weiter. Mittagessen gibt es in Viña Pampa in einem Restaurant. Es ist wie immer, Fleisch gehört zu einem Mittagessen. Aber die Wirtin hat ein Einsehen. Sie ersetzt das Fleisch durch Spiegeleier.

Es geht wieder den Berg rauf, oben ist eine neue Hochebene. So ist das im Altiplano.

In Betanzos, einem ziemlich grossen Ort, finden wir beim Dorfende eine Tankstelle, die Diesel verkauft. (Für Touristen fast vier Bolivianos teurer als üblich. Trotzdem sind die Chauffeure alles andere als erfreut, dass wir vorne in die Warteschlange reinschlüpfen.)

Blöd ist, dass der Tank wieder undicht ist. Das macht Sorgen.

Potosi ist eine grosse Stadt. Wer hier lebt, hat ziemlich sicher mit Bergbau zu tun. Die ganze Gegend ist voller Minen. Verschiedenste Metalle und Mineralien werden in grossem Stil abgebaut. Entsprechend sieht es in der Stadt aus. Alles ist staubig und dreckig. Die Strassen sind verstopft mit Lastwagen. Was für ein Leben hier.

Wir flüchten und finden in Rosario einen Campingplatz. Das Nachtessen wird einfach und bald sind wir in den Schlafsäcken. Internet gibt es nicht.

 

18. Juni 2025

Wenn man sich im bolivianischen Altiplano aufhält, hat man einerseits ein schlechtes Gewissen, weil man kaum erreichbar ist – kein Telefon, kein Internet. Andererseits ist die Welt hier so „änedrann“, so unwirklich anders, schön, faszinierend und packend, dass es sich bei weitem lohnt, weg zu sein.

Wir stehen um halb acht auf. Das Frühstück ist heute besonders üppig – wir haben eine grosse Auswahl an „Fressalien“. Ich gönne mir süsse Schnittchen, Heinz brät Speck mit Ei. 😋

Die Nacht verbringen wir neben einer heissen Quelle. Das Gebäude erinnert zwar nicht an „Bad Zurzach“, aber es reicht aus, um in einem grossen Becken im warmen Wasser zu entspannen. Und das tun wir ausgiebig. Erst gegen elf Uhr fahren wir ab.

Zunächst geht es nach Porco. Die Strecke dorthin ist bereits gebirgig und abwechslungsreich. Von dort aus gelangen wir wieder auf eine Hauptstrasse Richtung Uyuni. Wir fahren durch enge Schluchten, über Pässe und hinein in neue Hochtäler.

Sobald der Wind bläst – und das tut er fast immer – wird es draussen ungemütlich und kalt.

Wir kommen durch Täler mit eigentümlichen Felsformationen und einer ungewohnten, manchmal fast surrealen Vegetation. Immer wieder begegnen wir Lamas und anderen Vertretern der südamerikanischen Kamelfamilie. Menschen sehen wir kaum. Viele Häuser entlang der Strecke sind verlassen oder zerfallen. Wir vermuten, dass sich die Menschen in grössere Dörfer zurückgezogen haben.

Chaquilla ist ein solches Dorf – am Rand einer riesigen Ebene gelegen. In der Regenzeit wird hier wohl ein See stehen, jetzt grasen zahllose Lamaherden auf der weiten Fläche. Allerdings versandet die Gegend langsam, der Wind treibt Dünen zusammen. Eine neue Wüste entsteht.

In Visigza essen wir ein spätes Mittagessen. Danach, nach vielen Fotopausen, beginnt die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Nach ein paar Fehlversuchen landen wir schliesslich in Vils Kkota – wieder neben heissen Quellen.

 

19. Juni 2025

Die Morgenroutine braucht heute etwas länger, denn die Sonne steigt spät über den Bergkamm. Bis dahin ist die Kälte beissend.

Die Badeanlage mit der heissen Quelle besteht aus einem Hof mit drei Becken und Umkleidekabinen. Daneben steht ein Häuschen, in dem die Eintrittsgelder erhoben werden. Hinter diesem haben wir das Kamel geparkt. Dort frühstücken wir auch, schön im Windschatten.

Nach dem Abwaschen, Packen und Planen wollen wir noch ein weiteres Gebäude erkunden, das von Weitem wie eine Burg aussieht.

Wir laufen die hundert Meter hin. Beim Näherkommen sehen wir, dass es ein Friedhof ist.

Wir fotografieren ein wenig und kehren dann zum Bad zurück.

Dort ist immer noch niemand, obwohl ein Schild besagt, das Bad sei von morgens acht bis nachmittags vier geöffnet.

Wir lesen das Schild genauer und bemerken, dass das Bad nur am Wochenende geöffnet ist.

Darum ist kein Mensch da.

Wir fahren weiter. Ziel ist nach wie vor Uyuni.

Unterwegs passieren wir die Mina Pulacayo, eine Silber-, Kupfer- und Zinnmine. Für einen Besuch wird geworben, was sich aber nur bedingt lohnt.

Gleich zu Beginn stehen alte Grubenzüge auf Stumpengeleisen und rosten vor sich hin. Teile, die noch brauchbar waren, wurden ausgebaut. Von einer Ausstellung sehen wir nichts, anscheinend wird sie nur am Wochenende gezeigt.

Wir fahren weiter und erreichen bald Uyuni. Nach einer Fahrt über einen Pass sehen wir die Stadt in der Ebene. Der Anblick ist beeindruckend. Wir suchen eine Unterkunft und finden sie im Hotel Cesare.

 

 

20. Juni 2025

Der heutige Tag ist ziemlich fremdbestimmt. Wir haben gestern eine Tour auf den Salzsee gebucht. Das heisst: zur vereinbarten Zeit bereit sein, die Programmgestaltung abgeben und mit fremden Leuten auskommen. In Uyuni gibt es unzählige Anbieter solcher Touren, denn die wenigsten Touristinnen und Touristen fahren mit dem eigenen Fahrzeug auf das Salz hinaus.

Der Salar de Uyuni gilt als eine der grossen Attraktionen des Landes.

Unsere Tagesroutine beginnt im Hotel mit dem Sonnenaufgang, etwas nach acht Uhr. Das Hotel Cesare ist im Moment eigentlich geschlossen. Der Besitzer renoviert mit einem Angestellten Zimmer für Zimmer. Uns hat er wohl aus Mitleid aufgenommen – darum gibt es auch keine Verpflegung.

Wir frühstücken deshalb im Kamel, was ja problemlos möglich ist.

Um Viertel nach zehn werden wir abgeholt und zum Tourbüro gebracht. Nach einigen Formalitäten treffen wir auf den Rest der Gruppe: ein Chinese, ein Deutscher, ein Argentinier, ein Bolivianer und wir zwei Schweizer Senioren. Die Zusammensetzung überrascht positiv – eine angenehme Gruppe.

Zuerst fahren wir zum Eisenbahnfriedhof von Uyuni. Menschenmassen. Natürlich haben alle das Recht, diese rostenden Eisenriesen zu bestaunen und zu fotografieren – aber das Posieren, Getue und Herumgekraxle ist nicht mein Stil. Die Überreste selbst sind eindrücklich, auch wenn vieles zerstört ist.

Dann geht es in Etappen hinaus auf den Salzsee. Ziel ist die Insel Incahuasi, ein nächster Hotspot. Massen von Menschen klettern auf dem Felsen im endlosen Weiss herum. Das Besondere an der Insel sind die tausenden von meterhohen Kakteen, die auf kargem Untergrund wachsen – sie gefallen mir sehr und beeindrucken.

Den Abschluss der Tour bildet der Sonnenuntergang. Bevor es so weit ist, fahren der Guide und mit ihm viele andere in einen überfluteten Teil des Salzsees. Dort warten die Gruppen inmitten des seichten Wassers auf den Moment, an dem das Licht das Salzmeer verwandelt.

Um sieben Uhr sind wir wieder zurück.

Fazit: Die Tour ist nicht schlecht. Die Gruppe war besser als erwartet. Die Natur – wie so oft – überragend.

 

21. Juni 2025

Die Nacht im Hotel ist nochmals bequem und angenehm warm. Wir ziehen uns wie immer erst dann an, wenn die Sonne scheint – dann wird auch unser Zimmer warm, wenn wir die Tür zum Gang offen lassen. Zum Frühstücken gehen wir wie üblich ins Kamel.

Unser Zimmer liegt im zweiten Stock. Bis unser ganzes Gepäck – Rucksäcke, Fotoausrüstung und was sich sonst noch so angesammelt hat – wieder beim Kamel unten ist, braucht es einige Gänge.

Die Wäsche, die wir zum Waschen abgegeben haben, kommt gerade noch rechtzeitig zurück.

Nach zehn Uhr verlassen wir das Hotel Cesare und kurven durch Uyuni. Erster Punkt auf der Tagesliste: Diesel. Wir haben Glück – bei der ersten Tankstelle bekommen wir welchen. Von dort geht’s weiter zum Supermercado. Es gibt einiges einzukaufen, und wie immer landet noch dies und das zusätzlich im Einkaufswagen.

Wir hatten gestern beschlossen, nochmals bei den alten Eisenbahnen zu fotografieren. Diesmal hat es kaum Touristen – gute Bedingungen für Fotos.

Dann ist Uyuni für uns abgeschlossen. Wir fahren südwärts aus der Stadt, hinein in ein grosses Gebiet ohne Telefon und Internet.

Die Landschaft wird wüstenähnlich. Flach, trocken, karg – der Salzsee liegt nicht weit von uns entfernt. Inzwischen ist es Zeit für das Mittagessen. Die kleinen Orte, die wir durchqueren, haben aber kein Restaurant. Ortsnamen wie Julaca, Vila Vila, San Cristobal oder Rio Grande klingen vertraut, auch wenn wir sie bisher nur von der Karte kennen.

In San Cristobal werden wir schliesslich fündig. Es gibt Gemüsesuppe, dann Reis mit Ei und etwas Salat – einfach, aber gut.

Seit längerer Zeit bewegen wir uns nun auf rund 4000 Metern über Meer. Das entspricht ungefähr der Höhe zwischen der Hörnlihütte und dem Matterhorn. Ich spüre die Höhe manchmal als leichten Druck beim Aufwachen, aber insgesamt kommen wir gut zurecht.

Die Umgebung wird hügeliger. Den grösseren Ort Alota umfahren wir. Die gut ausgebaute Strasse führt uns ins «Valle de las Rocas» – eine fremdartige, eindrückliche Welt aus bizarren Felsformationen. Schön, wild, faszinierend.

Wie dieses Tal entstanden ist, darüber können wir nur spekulieren.

Am Abend brauchen wir einen Schlafplatz. Nach einigen Abzweigungen und Querungen über Schotter und Geröll landen wir an einem kleinen See. An der Laguna Turquin weht ein kräftiger Wind, aber Heinze findet hinter einem Felsen ein geschütztes Plätzchen zum Übernachten.

 

  1. Juni 2025

Gestern sind wir an der Laguna Turquin zum Übernachten angekommen.

Ich habe schon oft Wind erlebt, aber der Wind, der uns letzte Nacht um die Ohren – oder besser ums Kamel – pfiff, war etwas Besonderes. Zeitweise hat er die Empore so heftig geschüttelt, dass ich glaubte, er trägt mich davon. Die Kälte ist spürbar. Heinze heizt dreimal in der Nacht.

Jetzt ist Morgen, und wir schlottern dem Sonnenaufgang entgegen.

Frühstück zubereiten und essen geht einigermassen. Wir stehen an einem windgeschützten, sonnigen Plätzchen und geniessen Kaffee und Schnittchen. Der Abwasch danach gibt eiskalte Finger, fast so, als würden sie gleich abfallen.

Wir fahren früh los. Unsere Route führt an kleinen und grösseren Seen vorbei. Die Flamingos in den Seen finden nur kleine Löcher im Eis, um zu fressen. Ihre Landung und der Anflug gleichen mehr einer Schlittelpartie.

Laguna Cñapa, der Smelly Lake, Laguna Honda und Laguna Ramaditas liegen auf unserem Weg, dazu einige kleinere Seelein.

Wir sind mitten in der Wüste und sehen viele grandiose, majestätische Vulkane.

Bald frischt der Wind wieder auf. Im Windschatten des Kamels kochen wir ein spätes Mittagessen. Der anschliessende Abwasch wird wieder zur Tortur.

Die Berge um uns herum, meist Vulkane, sind beeindruckende Meisterwerke der Natur. Die Farben und Formen faszinieren mich. Doch irgendwann müssen wir mit dem Fotografieren aufhören.

Zum Übernachten fahren wir in eine Art Canyon. Hinter grossen Steinen suchen wir Windschutz. Es ist kalt.

Um 4.30 Uhr ist es draussen sicher minus 15 Grad, drinnen im Kamel auch unter Null. Heinze heizt immer wieder.

Meine Wasserflasche ist eingefroren, so kalt wie die Antarktis.

 

 

23. Juni 2025

Der heutige Tag wird, wie schon gesagt, zur ziemlichen Prüfung für warme, verwöhnte alte Männer. Doch nicht nur wir frieren – auch das Kamel hat kalt. Das geladene Wasser im Tank ist gefroren, und Heinz muss eine kleine Notoperation am Wassersystem durchführen. Das Frühstück bereiten wir auf der Sonnenseite zu, dort ist es erträglich.

Kleine Tiere sehe ich hier selten. Beim Zusammenräumen entdecke ich etwa zwei Felsen weiter ein kaninchengrosses Tier. Die Einheimischen nennen es Viscatcha. Es ist mit dem Chinchilla verwandt. Ich opfere unsere letzten zwei Rüebli (ohne zu wissen, ob sie das fressen) und lege sie auf den Felsen. Dann sage ich tschüss.

Nach und nach bringen wir alles wieder an seinen Platz. Es ist fast elf Uhr.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Inzwischen ist fast alles aufgetaut. Die Nachttemperaturen auf dieser Höhe sind schon eine kleine Prüfung. Ich muss zugeben, so kalt hatte ich es nicht erwartet.

Der ganze Tag ist von Wüste geprägt – der Desierto de Siloil, eine faszinierende, aber auch eintönige und steinige Landschaft.

Nicht lange später treffen wir Bettina und Pascal, zwei Schweizer, die mit einem GMC unterwegs sind. Sie haben neben einer Felswand übernachtet. Dieser Ort scheint ein Treffpunkt für Tourenfahrer zu sein. Offenbar haben diese die hier lebenden Viscatchas angefüttert, weshalb die Tiere fast handzahm sind. Wir können wunderbare Fotos machen.

Die Weiterfahrt durch die Wüste ist geprägt von zahlreichen Fahrspuren der Tourenfahrer. Es gibt zwar einen Hauptweg, der aber voller Querrillen ist, was zu heftigem Gerüttel führt. Das erklärt, warum neben der Hauptpiste unzählige weitere Spuren entstanden sind.

Nach unzähligen Vulkanen zeigt sich schließlich ein See – die Laguna Colorada. Hier beginnt das Eduardo Avaroa Andean Fauna National Reserve. Zuerst fallen uns die vielen Flamingos im See auf. Bis zum Ende Boliviens halten wir uns in diesem Reservat auf.

Eine Unterkunft finden wir im kleinen Dorf Huayajaraim, im Hostal San Bernardo. Zur Feier des Tages gönnen wir uns ein Fondue – passend zu den kalten Temperaturen.

Wir sind weit weg vom Gewohnten: Das Zimmer hat keine Heizung, Strom ist nur zeitweise verfügbar, Handy und Computer können kaum geladen werden, und das Wifi kostet extra und ist quälend langsam.

Berichte auf den Server laden? Sorry, das wird heute nichts.

 

24. Juni 2025

Die Nacht im Hostal ist wenigstens warm gewesen, zumindest unter der Decke. Dass wir die Küche benutzen dürfen, ist ebenfalls angenehm.

Vor zehn Uhr fahren wir ab und dann kommt: Wüste.

Unterwegs sehen wir Fontänen oder Rauch, die auf einem Bergrücken aufsteigen. Heinz meint, es sei ein Geysir, ich bin mir nicht sicher und vermute eher Dampf oder Rauch. Wir fahren den Bergrücken hoch. Oben angekommen sehen wir tatsächlich einen Geysir. Dieser wird jedoch industriell genutzt, zur Gewinnung von Borax. Ein grosser Zaun umschliesst das Gelände, darin stehen ungewöhnliche Gebäude, und die ganze Anlage wird vom Militär bewacht.

Auf dem weiteren Weg finden wir keinen weiteren Geysir mehr. Unser nächstes Ziel sind die Agua Thermales.

Das ist eine angenehme Überraschung: Ein Becken mit warmem Wasser – besser als die Dusche heute Morgen. Diese war spärlich: Zwei Wasserhähne, einer warm, einer kalt. Wenn man den warmen aufdreht, kommt kaltes Wasser. Nach fünf Minuten fühlt es sich etwas warm an. Kleider ausziehen, doch dann tröpfelt es nur noch und danach kommt kein Wasser mehr oder nur noch eiskaltes.

Im Warmwasserbecken treffen wir zwei junge Leute aus Lyon. Sie kommen aus dem Süden, kennen Chile und Argentinien und geben uns Tipps und Ratschläge. Heinz verbringt lange Zeit mit ihnen im Wasser. Mir reicht es irgendwann. Im Auto schreibe ich noch Berichte.

Der pazifische Feuerring ist ein bekannter Begriff. Entlang dieser Linie rund um den Pazifik sind viele Vulkane aktiv. Bolivien liegt zum Teil darin. Wir befinden uns in einem vulkanisch aktiven Gebiet.

Zum Übernachten fahren wir ins nächste Dorf, Chalviri. Neben einem Haus dürfen wir das Kamel aufstellen, etwas windgeschützt, damit es nicht weggeweht wird.

Wahrscheinlich erwartet uns eine kalte Nacht.

 

 

25. Juni 2025

Nach einer vergleichsweise guten Nacht, es ist nicht allzu kalt geworden, erwachen wir unter bedecktem Himmel. Der Wind bläst wieder heftig. Zum Frühstück dürfen wir in einen Essraum. Essen gibt es keines mehr für uns, aber das macht nichts. Bis zur chilenischen Grenze sollten wir unsere Vorräte ohnehin aufgebraucht haben. So gibt es Müesli mit Joghurt und Kaffee.

Heute fahren wir etwa zwanzig Kilometer zurück, zu einem Geysirfeld mit aktiven Geysiren. Im warmen Auto erreichen wir den Ort.

Bei der ersten Durchfahrt hatten wir ihn schon gesehen, doch damals zu früh aufgegeben.

Trotz fast einer Stunde Warten steigen keine Geysire voll auf. Die Erdlöcher, aus denen heisser Dampf aufsteigt, sind dennoch sehr interessant. Die Farben dort sind skurril und faszinierend.

Dann beginnt es zu schneien. Zunächst ist das fast schön: Graupel, Dampf und Nebel zusammen mit den Erdlöchern.

Wir machen uns auf den Rückweg zur Laguna Chalviri, unserem letzten Übernachtungsort. Schnee und Wind nehmen zu, zeitweise ist die Fahrspur kaum noch zu erkennen. Beim See bessert sich das Wetter leicht.

Wir beschliessen, in die Wüste Salvador Dali zu fahren. Ein Ort voller Farben und eigenartiger Felsformationen. Den Weg finden wir, ebenso zurück auf die Hauptstrasse.

Der Schneesturm wird immer heftiger. Von Farben ist nichts zu sehen, die Formen ahnen wir nur. Wir machen einige Fotos und kehren um.

Der weitere Weg wird zur Tortur, wie wir sie nie zuvor erlebt haben. Ein Schneesturm der heftigsten Art. Mühsam starren wir durch die Frontscheibe. Oft sieht man nur noch Weiss. Selbst die Motorhaube ist nicht mehr immer ganz sichtbar. Der Wind treibt den Schnee in dichten Wolken über das Land. Am Strassenrand türmen sich Schneeverwehungen, die Orientierung wird schwierig.

Wir fahren oder schleichen voran, begegnen mehreren Fahrzeugen und erreichen irgendwann das Refugio El Alto. Ein Doppelzimmer kostet 50 Dollar, ein Nachtessen ist in Aussicht.

Das Ausladen des Nötigsten wird zum Kraftakt. Kalt, kalt, kalt – nass, nass, nass!

Im Refugio ist es einfach nur noch kalt. Heizung gibt es keine. Das Nachtessen schmeckt gut. Der Wind pfeift durch das Haus und trägt Schnee durch alle Ritzen herein. Nur noch ins Bett!

 

  1. Juni 2025

Der heutige Tag ist schnell erzählt – wir graben das Auto aus, kommen aber keinen Zentimeter voran.

Gestern erreichten wir glücklicherweise noch gerade ins Refugio, knapp vor der Grenze. Das Wetter ist miserabel.

Wir stellen das Kamel neben den anderen Fahrzeugen vor dem Eingang ab und gehen hinein. Geschlafen haben wir einigermassen gut, trotz der eisigen Kälte draussen.

Als wir am Morgen hinausgehen, sind die Wagen komplett unter einer dicken Schneedecke verschwunden.

Wir sind nicht die einzigen Schweizer hier – Bettina und Pascal mit ihrem GMC sitzen ebenfalls fest. Gemeinsam beginnen wir, die Autos aus dem Schnee zu befreien.

Das ganze Schaufeln dauert den ganzen Vormittag bis in den Nachmittag hinein, gegen zwei Uhr. Von Einheimischen ist keine Hilfe zu erwarten, und an brauchbaren Schneeräumwerkzeugen fehlt es völlig.

Kalt. Nass. Nass. Kalt. Immer wieder. Zehen und Finger schmerzen.

Frühstück gibt es vorher auch nur in der bolivianischen Billigversion: heisses Wasser mit Teebeutel und Instantkaffee, dazu eine Art dünner Kräcker. Ein Abendessen ist wenigstens bestellt – mehr bleibt uns nicht.

Zwischendurch meldet sich der bolivianische Zoll – heute gibt es kein Weiterfahren, kein Weiterkommen.

Also heisst es: ein trockenes, warmes Plätzchen suchen, durchhalten und abwarten bis morgen früh.

Am Nachmittag, um halb vier, suche ich das Bett auf. Draussen peitscht ein neuer Schneesturm gnadenlos über das Land.

Was bleibt uns anderes übrig? Warten. Hoffen. Durchhalten.

 

27. Juni 2025

Heute verbringen wir den zweiten Tag im Refugio El Alto. Die Sonne zeigt sich zwar, aber der Wind pfeift scharf und wild um jede Ecke. Alles, was am Haus lose ist, klappert und klirrt bedrohlich – ein unheimliches Konzert aus Metall und Holz.

Wir nehmen es langsam, bleiben ruhig, doch die Hoffnung, heute nach Chile zu kommen, lässt uns nicht los. Zu viert frühstücken wir, bereiten die Autos vor und räumen das Zimmer aus. Heinz verkündet bestimmt: „Viertel vor Elf fahren wir los.“

Doch jetzt ist halb zwei, und wir sitzen fest. Nichts tut sich. Der Himmel zieht sich wieder zu, Wolken kriechen zurück und verschlucken das Licht. Vom Zöllner kommt kein Signal, keine Nachricht, kein Zeichen, dass sich die Lage bessert.

Die Zeit zerrinnt in Langeweile und Sorgen. Jeder Blick zur Tür hofft vergeblich auf Veränderung.

Schliesslich kommt die Meldung: Weder in Bolivien noch auf chilenischer Seite ist die Strasse offen. Also alles zurück ins Zimmer, alles wieder verstauen.

Es ist vier Uhr nachmittags. Wir müssen erneut Zeit überbrücken, im Wartestress, in der Kälte, in der Hoffnungslosigkeit.

Das Abendessen teilen wir mit Bettina und Pascal. Gemeinsam versuchen wir, den Mut nicht zu verlieren.

Hoffentlich wird morgen besser.

 

28. Juni 2025

Wir stehen um neun auf, und es ist eisig kalt. Der Wind hat die ganze Nacht mit den Dachplatten getrommelt, als wolle er das Refugio auseinanderreissen. Die Einheimischen liegen zum Teil noch tief im Bett. In der Küche ist niemand zu sehen. Eine Schüssel mit unbestimmbarem Fleisch steht dort, eingefroren in Wasser. Zum Glück können wir uns wenigstens einen Kaffee machen.

Heute ist der dritte Tag, den wir im Refugio el Alto feststecken. Kurz gesagt: Wir sitzen immer noch fest. Der Schnee hat zwar aufgehört, aber der Wind bläst die vorhandenen Schneereste in alle möglichen Ecken. Wann die Strassen wieder frei werden, will oder kann niemand sagen.

Was macht man also an einem Ort mit Refugio, Zollstation, Militärposten und Parkverwaltung, ohne richtige Heizung, wenn der Wind unaufhörlich durch und um die Häuser pfeift und einen fast umbläst? Internet gibt es nur, wenn Strom für Starlink vorhanden ist – und der fehlt. Die Zollstation hat zwar ein offenes Wifi, aber das funktioniert nur draussen, wo es saukalt ist, und auch dort kaum. Die Parkverwaltung hat ebenfalls Wifi, doch niemand will oder kann das Passwort herausgeben. Eine verzwickte Lage.

Letzte Nacht entdecke ich ein Loch in meinem Innenschlafsack. Mein heutiges Projekt: Schlafsack flicken. Da Heinze das Kamel startet und heizt, ist das der wärmste Ort für diese Arbeit. Also packe ich Schlafsack und Nähzeug ein und setze mich ins warme Auto. Vorsichtig nähe ich den Riss zusammen, gerade so, dass er nicht noch grösser wird.

Es läuft nicht ohne Komplikationen, aber am Schluss ist es geschafft.

Jetzt liege ich im Bett und schreibe mit kalten Fingern diesen Bericht. Hier ist es halbwegs warm.

Im Zimmer hat es rund zwei Grad, draussen etwa minus zwei. Diese Nacht soll es bis auf minus zehn und mehr Grad runtergehen.

Heute Abend gibt es Fondue. Darauf freue ich mich sehr.

 

29. Juni 2025

Der Morgen bricht an – kalt wie nie zuvor. Das Fenster unserer Bude ist komplett zugefroren, und die Kälte kriecht in jeden Winkel. Es wird langsam Zeit, dass wir endlich abfahren können. Doch unsere Verpflegung schrumpft bedrohlich. Was wird uns dieser Sonntag bringen?

Die Nachricht vom Zoll ist alles andere als ermutigend: Die Chilenen öffnen den Grenzübertritt nicht. Rund um das Refugium räumt ein Verantwortlicher den Schnee, doch später merken wir, dass ihm das reicht. Die eigentliche Passkontrolle liegt noch fünf Kilometer entfernt – das ist unser nächstes Ziel.

Wir melden die Autos ab und machen uns auf den Weg. Den Rat, nicht auf der Hauptpiste zu fahren, nehmen wir ernst. Anfangs klappt alles gut, doch dann stecken wir in einer Schneeverwehung fest.

Stunden vergehen mit Schaufeln, Sandblechen auslegen, Schieben und Kratzen. Immer wieder graben wir uns aus, immer wieder stecken wir fest.

Gegen vier Uhr erreichen wir endlich die bolivianische Passkontrolle. Die Sandbleche haben wir unzählige Male ausgelegt, und die Schaufel ist abgenutzt vom vielen Graben – doch wir sind da.

Nach Chile gelangen wir aber nur zu Fuss. Zwischen der bolivianischen Kontrolle und der geteerter Strasse in Chile türmt sich eine gewaltige Schneeverwehung.

Von dem Bolivianer mit seiner grossen Schneeräummaschine fehlt jede Spur.

Wir Vier sind also heute nicht nach Chile gekommen. Bei der Passkontrolle dürfen wir übernachten. Hier kochen wir, frieren erbärmlich und warten auf den nächsten Tag.

Bolivien hält uns fest im Griff.

Es ist mörderisch kalt, und unser Vorrat an Nahrungsmitteln schwindet alarmierend schnell.

 

30. Juni 2025

Montagmorgen. Fast eine Woche sind wir nun blockiert. Die Bolivianer behaupten, die Chilenen hätten den Grenzübergang geschlossen, nach dem Motto: „Wir sind nicht schuld an der Situation.“

Den Weg vom Refugio bis zur Passkontrolle haben wir geschafft. Zum Frühstück gibt es einen einfachen Überlebensbrei und Tee vom Vortag. Die Lebensmittelkiste bietet nicht mehr viel Auswahl.

Es ist etwa neun Uhr, als ich mit der Toilettenschaufel beginne, den Weg freizuschaufeln. Am offiziellen Grenzübergangsweg geht das nicht, zu viel Schnee. Weiter oben am Berg liegt weniger Schnee. Mit vereinten Kräften und zwei Schaufeln schaffen wir es bis etwa ein Uhr, einen Weg bis zur Strasse nach Chile freizulegen. Von bolivianischer Seite gibt es keine Unterstützung – der Diesel für die Schneeräummaschine sei ausgegangen. Tja, was soll man sagen.

Heinz montiert Schneeketten und kämpft das Kamel durch den Schnee. Auch Bettina und Pascal kommen mit einem einmaligen Feststecken durch.

An der Passkontrolle bekommen wir von einem erstaunten Zöllner den Ausreisestempel. Dann fahren wir los, ins Niemandsland Richtung Chile. Heinz fährt immer noch mit Ketten.

Irgendwann erreichen wir den chilenischen Grenzposten. Eigentlich haben sie zu, sind aber überrascht, uns zu sehen. Der Chef organisiert alles, sodass wir abgefertigt werden – eine tolle Leistung. Die Strasse bis San Pedro ist geräumt. Wir fahren entspannt von 4600 auf 2500 Meter hinunter.

Um unseren „Ausbruch“ aus Bolivien zu feiern, gönnen wir uns eine Pizza und lassen es uns gut gehen. Aber wir sind erschöpft und hundemüde.

Anschliessend trennen sich unsere Wege: Bettina und Pascal fahren zu einem Campingplatz und folgen danach ihrer Route. Wir, Heinz und ich, suchen ein Hostal auf, um uns zu erholen.