die Berichte

 

Berichte 16. bis 31. Mai 2017

Dienstag, 16. Mai 2017

Mehrere Reisende die wir treffen erzählen uns vom „Rainbow Gathering“, einem Fest das aufzeigen soll, dass alle Menschen, egal welcher Herkunft, friedlich mit- und nebeneinander leben können. Das ganze soll im 60er Jahre Stil ablaufen. Dieses Jahr findet das Gathering auf Java statt und wir beschliessen, dass sich ein Besuch auf alle Fälle lohnt.

Wir fahren den ganzen Tag.  Nach der Eindunkelung kommen wir in ein kleines Fischerdorf. Wir treffen eine Gruppe sympathischer Japaner, die uns erklären, mit dem Auto käme man nicht bis zum Fest. Also beschliessen wir noch eine Nacht im Kamel zu verbringen und uns morgen früh vorzuwagen.

 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Nach einigen Vorbereitungen machen wir uns auf den Weg. Das Zelt lassen wir im Kamel, in der Hoffnung vielleicht doch einen Weg zu finden bis in die Nähe zum Fest zu fahren. Ziemlich schnell sehen wir ein, dass dies wohl ziemlich chancenlos ist. Nach etwa einer halben Stunde Wanderung durch ein kleines Dorf, Plantagen und Wald kommen wir zum Empfangszelt. Wir werden eingeführt in die Philosophie der Bewegung  es wird erklärt wo wir welche Infrastruktur finden. Leider müssen wir nach der Instruktion bereits wieder zurück, da wir noch vor Sonnenuntergang zurück beim Kamel sein wollen.

 

Donnerstag, 18. Mai 2017

Zweiter Versuch: Dieses Mal gehen wir etwas früher und mit Zelt los. Im Camp werden wir herzlich empfangen. Man wird umarmt und willkommen geheissen. Ziemlich im Zentrum des Campings wurde gerade ein Platz frei und wir dürfen diesen mit unserem Zelt übernehmen. Den Nachmittag verbringe ich im Küchenzelt wo ich erste Kontakte knüpfe. Leider habe ich im Auto die Schüsseln vergessen und die improvisierten Petflaschengefässe funktionieren mehr schlecht als recht.

 

Freitag, 19. Mai 2017

Meine heutige Mission lautet Schüsseln aus dem Kamel besorgen. Schon auf dem Weg treffe ich auf eine Gruppe aus den drei Kaliforniern, Pablo, Daniel und Rose, die gerade angekommen sind.  Sie bieten mir an mich zum Auto zu begleiten, wenn ich sie dafür zum Camp führe. Auf dem Weg baden wir im Meer, essen, plaudern und treffen viele spannende Leute. Schlussendlich habe ich für den Weg, der normalerweise eine Stunde dauern würde, acht Stunden gebraucht.

Wir essen und verbringen einen lustigen Abend mit dem Trio.

 

Samstag, 20. Mai 2017

Leider müssen meine neuen Freunde heute schon wieder abreisen. Bei der Verabschiedung bekomme ich ein echtes Kalifornienshirt geschenkt. Zusammen mit dem Longyi passe ich nun gut in die Blumenkinder-Gesellschaft.

Wir verbringen den Tag mit Strand und Baden. Am Abend helfen wir in der Küche. Wir sind glücklich, es gibt chinesisch.

 

Sonntag, 21. Mai 2017

Heute brechen wir auf. Das Abschied nehmen dauert bis nach Mittag. Wir fahren ein gutes Stück und finden schliesslich einen Schlafplatz an einer Bergstrasse.

 

Montag, 22. Mai 2017

Nach langer Fahrt kommen wir endlich nach Yogyakarta. Die engen Strassen und die Dunkelheit erschweren uns die Suche nach einem Hotel extrem. Schlussendlich werden wir doch noch fündig.

 

Dienstag, 23. Mai 2017

Heute treffen wir Peter, einen deutschen Expat der uns einen Abstellplatz fürs Kamel anbieten kann. Wir trinken gemeinsam einen Kaffee im Hotel und führen interessante Gespräche. Am Nachmittag dürfen wir den Platz besichtigen.

 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Obwohl Peters Platz sehr gut ist, werden wir auch Aldos Platz noch besichtigen. Dieser wäre in Jakarta, was zum Vorteil hat, das er sehr nahe am Flughafen ist.

Wir werden auf dem Weg den Borobudur Tempel besuchen. Im Dorf schlafen wir neben einem Sportplatz. Ich bin so müde, dass ich gar nicht mehr mitbekomme, wie wir in der Nacht von einer Gruppe Polizisten mit Scheinwerfern umstellt werden. Glücklicherweise ziehen sie wieder ab ohne uns zu stören.

 

Donnerstag, 25. Mai 2017

Am Morgen wandern wir zum Borobudur Tempel. Unser Ausflug ist geprägt von Fotos mit Einheimischen und der Belagerung der Souvenirhändler. 

Wir schlafen neben einem Restaurant.

 

Freitag, 26. Mai 2017

Die Strasse nach Jakarta ist spannend. Noch nie habe ich so viel Smog gesehen. Kombiniert mit den 41° ist es schwer in den engen Strassen konzentriert zu bleiben.

Wir haben Aldos Platz besichtigt, nur leider kommen wir mit dem zu langen Kamel nicht durch die Einfahrt. Das Gässchen vor dem Haus ist viel zu eng. Schade, der Gartenplatz wäre doch wunderbar gewesen.

Meine Reise auf dem roten Kamel geht leider morgen schon zu Ende. Es war eine sehr intensive Zeit voller Abenteuer und Entdeckung. Ich habe Einblicke bekommen in ganz neue Kulturen, neue Philosophien und neue Weltansichten. Vieles durfte ich lernen und die unzähligen Erfahrungen brachten mich einen grossen Schritt näher auf dem Weg zu mir selbst.

Ich danke dir, Heinz unendlich dafür, mir diese Erfahrung ermöglicht zu haben. Für mich waren die vier Monate eine sehr inspirierende Zeit und ich bin überzeugt, noch den Rest meines Lebens davon profitieren zu können. Danke!

 

Samstag, 27. Mai 2017

Flo ist jetzt alleine unterwegs. Er ist über Jakarta nach Bangkok geflogen und wird am 31.05. bereits in der Schweiz sein. Also bin ich nun selber wieder im Blog…

Lieber Flo, es war sehr eindrucksvoll mit dir vier Monate lang unterwegs zu sein. Trotz des gewaltigen Altersunterschiedes haben wir uns prächtig verstanden, viele prägende Erlebnisse geteilt, viel verarbeitet, oft Überlegungen zum Weltgeschehen, zur Umwelt, zu den bereisten Ländern angestellt, und unterwegs auch viel aus unseren Biografien ausgetauscht. Das Lustige ist: Du gehörst nun auch zu meiner Biografie. Und ich vielleicht auch zu deiner.

Danke! Das war so wunderbar…

Nach einer fast schlaflosen Nacht (wer kommt den schon auf die Idee bei Ramadan Beginn unmittelbar neben einer Moschee zu campen – Kamele eben) fahre ich Flo zur Bushaltestelle des Flughafen Busses. Unterwegs entdecke ich einen wunderbaren Campus bei IMC. Das geschlossene Tor hält mich nicht ab, der Platz ist Spitze. Sofort habe ich ein gutes Gefühl. Saepul, der Besitzer spricht ein gutes Englisch, er und seine Frau sind bereit, unser Kamel aufzunehmen.

Es braucht nur eine kurze Besprechung, und alles ist klar. Das Gelände ist bewacht, abgeschlossen in der Nacht, und eine ansehnliche Infrastruktur ist auch vorhanden. Hier werde ich auch die Reparaturen vornehmen und die notwendigen Vorbereitungen für die Weiterreise treffen können.

Ein Stein fällt mir vom Herzen. Nun haben wir doch noch in der Nähe von Jakarta einen Platz für das Kamel gefunden.

Heute habe ich ein Hotel in der Nähe dieses zukünftigen Kamel Campus aufgesucht. Ein bisschen teurer als üblich, fast 35 CHF. Aber nach so einem Glück darf ich mir ja auch ein bisschen Luxus gönnen.

 

Sonntag, 28. Mai 2017

Heute geniesse ich meinen Ruhetag. Zunächst muss mein Fuss im Betadine Bad behandelt werden. Dieser Infektionsherd begleitet mich seit dem Rainbow Gathering, erst war es nur ein enorm juckender aber harmloser Sandfliegenstich. Das Aufkratzen hat sich aber definitiv nicht gelohnt… schnell hat sich die Wunde entzündet.

In der Facebookgruppe „Rainbow Gathering“ tauchen im übrigen dauernd Rückmeldungen mit den verschiedensten Krankheitsbildern auf. Die einen haben 20cm lange Würmer im Stuhl, andere haben böse Augenentzündungen und wieder andere haben arg zerstochene Beine. Wir sind halt eben in den Tropen. 

Am Nachmittag inspiziere ich die spannende Cibinong City Mall. Habe wieder einen 15er Schraubschlüssel und den defekten Gasherd ersetzt.

Es gibt da alles zu kaufen. Und sehr viel billiger als bei uns. Trotzdem bleibt das Shopping Angebot für die meisten unerschwinglich. Armut und gar Hunger nehmen in diesem Schwellenland zu. Fast die Hälfte der indonesischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

 

Montag, 29. Mai 2017

Alle warten gespannt auf den Minarett Lautsprecher, welcher um 18 Uhr die Erlaubnis erteilt, wieder zu essen und zu trinken.

Die meisten Menschen sitzen kurz vor sechs schon am Tisch. In den Restaurants werden die leichten Vorhänge, welche eigens für Nichtmuslime gezogen wurden, wieder zurückgezogen, die Angestellten mit den Bestellkarten haben alle Hände voll zu tun. Und Punkt um sechs geht’s dann los… Attacke aufs Teller.

Heute haben wir an der Dachkante die Steinschlagspuren aus Tadschikistan geflickt. Geschliffen, grundiert und gespritzt. Die rote Farbe ist etwas anders, aber auch schön. Kamele haben manchmal eben ein paar Flecken. 

 

Dienstag, 30. Mai 2017

Den Muslime hier, und das sind mit 88% aller Indonesier doch weitaus die meisten, die haben es eigentlich gar nicht so schlecht. Das Fasten ist nur von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang durchzustehen. Und da ergeht es doch den Muslimen in Grönland um einiges schlechter.

Aber es ist mir aufgefallen, dass auf dem Gelände von Indah Motor die Arbeiter durch den Tag immer müder erscheinen. Die essen nicht, rauchen nicht und die trinken ja auch nicht. Nix. Und das setzt offensichtlich zu.

Ich habe mir heimlich hinter dem Auto Nudeln gekocht und Kaffee aus der Thermokanne getrunken und war dann auch vergleichsweise aktiv.

Ich habe die Schrauben bei der Hydraulik ersetzt, das Lavabo ausgebaut um den Wasserhahn zu ersetzen, die Kisten aus dem Auto genommen und alles gereinigt, die Werkzeugkisten neu angeschrieben und den Inhalt fotografiert, Geschirr und Pfannen… Ach, was erzähle ich hier alles: Jedenfalls ist das Kamel schon fast wieder reisebereit für die nächste Etappe…

 

Mittwoch, 31.Mai 2017

Geduscht wird in Indonesien eigentlich im gleichen Raum, wo die Stehtoilette ist. Superpraktisch. So eben auch bei der lieben Familie von Saepul Anwar. Neben der Toilette ist ein Kübel stehen, der wird mit Wasser gefüllt, dann behandelt man sich mit dem Wasserfall aus einer grossen Schöpfkelle. Die Familie ordnete an, dass das Badezimmer für mich frisch gestrichen werden muss. Was man für den (das) Boulee (=Ausländer) nicht alles tut. Jedenfalls erstrahlt nun das Räumchen in einem strahlend neuen grün. Und mein Hintern eben auch…

Das Kamel wird nun durch ein Team zwei gute Stunden lang gereinigt, innen und aussen. Für 3.63 CHF…

 

Donnerstag, 1. Juni 2017

Heute ist ein heiliger Feiertag im Ramadan. Die Familie lädt mich zu einem Ausflug auf den Berg Bunjab ein. Eine wunderschöne Teeplantagen Umgebung beeindruckt mich sehr. Tee aus Indonesien macht übrigens rund 10% der Weltproduktion aus.

Wir fahren bis auf 1300m ü.M. und das wirkt sich denn aus. Plötzlich ist es nur noch 25°C und wir frieren alle. Saepul braucht das erste Mal die Heizung im Auto… hat sie erst gar nicht gefunden.

Diese Nacht ist die letzte im Kamel… bis im Januar des nächsten Jahres.

 

Freitag, 2. Juni 2017

Das Kamel wird eingepackt und auf Böcke gestellt. Letzte Besprechungen und dann heisst es Abschied nehmen. 

Saepul und Familie: Many thanks for keeping my Red Camel for such a long period. I’m so happy that I found just the right place with the right people. Have a nice Ramadan…

Ich fahre mit dem Bus nach Jakarta Airport und suche mir ein eher günstiges Hotel. 

 

Samstag, 3. Juni 2017

Am Flughafen waren die Hotels extrem teuer, doch das hartnäckig Bleiben und Nachfragen hat sich gelohnt… Plötzlich telefoniert ein Angestellter, ein Shuttle Bus fährt vor, mein Bagage wird verladen. Im Cengkareng Transit Hotel nur 20 Minuten vom Flughafen entfernt schlafe ich wunderbar für etwa 20.- Franken. Dann gehts ab über Kuala Lumpur nach Singapur. In Singapur sind die Hotels auch sehr teuer. Ich quartiere mich in der bunten China Town ein. Und warum wohl… 

 

Sonntag, 4. Juni 2017

Eben… deshalb: Da gibt es gute, günstige Chinesische Restaurants. Und ich geniesse die scharfe Suanlatang und das noch schärfere Gongbaorouding. Endlich mal kein Nasigoreng. Ausserhalb der China Town ist nicht viel los, viele Geschäfte sind geschlossen. Und so soll das auch morgen sein. In einer Chinesischen Apotheke versuche ich die von Jie bestellten Medikamente zu finden. Nur da ist fast alles Chinesische aus Taiwan, und das Bestellte finde ich nicht.

 

Montag, 5. Juni 2017

In der Stadt ist fast niemand. Ich schlafe lange und bummle herum, besuche eine Klinik und lasse mir die Infektion am Fuss behandeln.  Alles hier in den neueren Stadtteilen ist so sauber und aufgeräumt, ich hätte meine Pizza heute auch am Boden essen können. Heute habe ich mit Leichtigkeit das U-Bahn System begriffen. Und das Bahn fahren ist nicht teuer.

Interessant ist, dass fast das ganze Leben im neueren Teil der Stadt in den gekühlten Glas- und Betontürmen stattfindet, und vor allem eben auch unterirdisch. Klimatisierte Wandelhallen und Einkaufsstrassen noch und noch.

 

Dienstag, 6. Juni 2017

Ja, man müsste eben früh die Abflugzeiten genauer anschauen. Da steht manchmal hinter den Abflugzeiten auch noch ein AM oder PM. So bin ich frühzeitig am Flughafen, um den 11.30 Flug zu erwischen. Und nun habe ich doch Zeit genug, den Flugplatz in allen Richtungen zu erkunden. Das Flugzeug fliegt nämlich erst um 11.30 PM. He nu so de…

Der Flughafen Singapur ist mit Gärten und Parks und Teppichfluren und Marmorplatten wirklich einzigartig.

 

Mittwoch, 7.  Juni 2017

Back home… So schön auch wieder gesund und munter hier anzukommen. Irgendwie scheint es mir sonderbarerweise, dass ich gar nicht so lange weggeblieben bin. Die Kälte ist noch fast in der ähnlichen Temperaturlage. Ganz rasch suche ich mir den Pullover aus der Tasche. 

So, und nun pausiert auch der Bloc wieder ein wenig… nach 13’450 km in der zweiten Etappe ( 43’900 km insgesamt seit dem Start in der Schweiz. Also der Erdumfang ist schon mal überschritten, aber wir fahren ja auch nicht dem Äquator entlang.)

Im Januar 2018 soll die Reise weitergehen.