Berichte 16.06. – 30.06.2022

16.6.2022

Mein Papa ist in dieser Nacht verstorben. Ein trauriger Tag.

Und es gilt einen weiteren Verlust zu verarbeiten.

In den letzten Tagen hat er sich einen solchen Tod gewünscht, er meinte am Sonntag per Video Call, er würde nun «das Wägli gah, wo jede wird müesse gah». Er sei nun zu alt, mit 92. Und er hätte ein gutes Leben gelebt.

Schön, dass ich mich so ein letztes Mql verabschieden konnte. Eigentlich haben wir schon im März Abschied genommen – und doch hoffte ich insgeheim, ihn im August noch mal zu treffen.

Sein Motto war etwas wie: Eines Tages müssen alle sterben, aber an all den anderen Tagen eben nicht. Er liebte das Reisen, in der Schweiz, in den Bergen, aber er war auch in Taiwan, China, und mehrmals in Alaska.

Die letzten Reisemöglichkeiten schöpfte er mit dem GA aus, morgens auf den Zug, spät abends nach Hause… Sehr gerne war er mit dem Schiff unterwegs, auf seinem so geliebten Thunersee.

Sein Wille war denn auch, dass die Kamel Reise weitergeht, dass ich nicht nach Hause komme. Auch Eugen in Alaska solle nicht fliegen.

Ich nehme ihn nun mit… achte heute mit anderen Augen auf Schiffe, Eisenbahnen, Seen… mit seinen Augen?

17.6.2022

Ich fahre durch endlose Präriegebiete und hänge meinen Gedanken nach.

Tod ist nichts anderes als Verwandlung… wo ist er denn jetzt, mein Vater?

Die sanfte Hügelwelt ist eindrücklich. Doch die Winde sind sehr stark, so dass die Rückspiegel zu flattern beginnen. Und die Wetterlage ändert ständig.

Ab und zu regnet es, die Tropfen werden vom Wind fast waagrecht getragen. Sogar gemischt mit etwas Schnee. Doch ich fahre der Wärme entgegen. Das ist deutlich spürbar.

Vor allem auch an Bauch und Rücken: In Bouder Hot Springs wage ich mich ins Becken draussen – und kriege tatsächlich meinen ersten Sonnenbrand seit langem.

 

18.6.2022

Ich bin in Bern. In einem kleinen Bern. Kunz Hans war da, und hat diesen Ort 1878 gegründet. Und fortan nannte er sich John Kunz. 1875 baute er hier sein erstes Haus,

Geboren war John 1923 in Zwischenflüh im Diemtigtal. Er heiratete Rosina Knutti….  Und bald liessen sich die beiden von den Mormonen aufnehmen.  Willard B Richards taufte die beiden. 1870 wanderte die Familie nach Amerika aus, und gelangten über Salt Lake City in diese Gegend. Und hier machte er, wie sollte das anders sein, den besten Bergkäse.

Das Farmland ist unendlich riesig, da hätte die Anbaufläche von vielleicht vier Diemtigtälern Platz.

Nun, nicht nur der Boden scheint hier fruchtbar zu sein. Er hatte 10 Kinder und 127 Grosskinder.

Auf dem Friedhof sind es fast nur 3 Schweizernamen zu finden: Kunz, Bühler und Alleman. Noch zweimal Schmid. Und alle sind irgendwie halt verwandt.

 

19.6.2022

Es ist gut, dass ich mich beschäftigen kann. Es bringt mich etwas auf andere Gedanken.  Heute habe ich mit Frau Anthony-Kunz abgemacht.

Sie ist Nachkomme des Bern Village Gründers. Und auch ihr Bruder ist zugegen.

Alle beide können sie kein Schweizerdeutsch sprechen, und sie waren auch nie in der Schweiz. Dazu habe das Geld gefehlt. Doch ein paar wenige Wörter sind geblieben. Gar das berndeutsche Wort «waschle». Und das taten wir denn auch eine Weile.

Ich mache ein kurzes Interview und ein paar Fotos für das geplante Fotobuch (Schweizer/innen in den Amerikas).

Für die Fotos präsentieret sich die Familie in Sonntagskleidung. Sie sind direkt nach der Predigt nach Hause gekommen.

 

20.6.2022

Ich fahre verlangsamt*, esse gemütlich, denke viel nach, stehe spät auf und nehme mir für alles etwas mehr Zeit. Denn er gilt abzuwarten, wann der Yellowstones Park aufmacht. Es könnte Dienstag, Mittwoch werden.

Ich bin immer noch in grosser Höhe, und es ist kalt. Heute morgen um 5°C, mittags so um die 11°.  Es ist wie Aprilwetter, sehr schnell wechselnd. Die Gegend wird gebirgiger, erste Schneegipfel sind zu sehen.

Ich esse wieder mal in einem Restaurant, in einem Chinesischen Restaurant (China Fun Restaurant, Jackson) mit einem Hunan Koch. Und es ist nicht teurer, als wenn ich in einem McDonalds absteigen würde – nur viel besser. Man begrüsst mich wie einen Einheimischen. Und selbstverständlich bekomme ich einen authentischen Food – Jie hätte Freude.

*Ab und zu überholt mich ein Riesentruck sichtlich entnervt…