Berichte 01.05. – 15.05.2020

01.05.2020

Einmal mehr scheint mir das Glück hold zu sein… Es ist wunderbar, die beiden Berner Hans und Ruth kennen kennen zu lernen und ihre ausserordentliche Gastfreundschaft geniessen zu dürfen.

Und das alles habe ich natürlich der Aufmerksamkeit und der Hilfsbereitschaft von Daniel Y. M., dem Bruder von Hans zu verdanken. 

Dänu, Thanx!

Zudem brauche ich keine Selbstgespräche mehr zu führen. Und ich kann sogar meine eigene Sprache sprechen.

Gut, mit Sprechen halte ich mich eher zurück, denn es ist absolut spannend, Hansens Geschichten zuzuhören. 

Diese höchst interessante Persönlichkeit bringt mich zum Staunen, ein Geschichtenerzähler in einer  Mischung zwischen Lederstrumpf und Lexikon, zwischen Karl May und Naturwissenschafter, zwischen Abenteurer und einem ortskundigen Historiker.

Ich staune ob dem breiten Wissensspektrum,  auf jede Frage folgt eine spannendste Geschichte. Es sind die Erlebnisse eines Abenteurers.

Hans ist 1969 nach Kanada ausgewandert, hat seine Kenntnisse als Tierpräparator (Naturhistorisches Museum Bern) hier einbringen dürfen, war  auch als Farmer, Goldgräber und Goldwäscher, war als Federal Fisheries Officer tätig, hat sich für First Nations (Indianer) eingesetzt, bei der Dorfplanung mitgewirkt, er weiss über jeden Creek Bescheid, und jeder kennt ihn hier. Und er kennt jeden. Er kann Häuser bauen und Autos flicken, fischen und Bären jagen, Jet Boot fahren… ein Unikum, und jeder Versuch von Aufzählung kann ihm gar nicht gerecht werden. Staunend kann ich ihm stundenlang zuhören.


02.05.2020

Lillooet besteht hauptsächlich aus einer grossen, breiten Hauptstrasse mit Gebäulichkeiten irgendwie im Wildwest Stil, hang auf- und abwärts hat es einige Nebenstrassen. Und teilweise wirkt der Ort auch modern, es hat Einkaufsmöglichkeiten und eine moderne Schulanlage, ein Museum, Polizeiposten usw. Wohl fast die Hälfte der Einwohner sind First Nations, es gibt eine alte und eine neue Brücke über den Fraser River, welcher sich hier wild durch das Tal schlängelt. Es ist ein typischer Goldgräber Ort, entstand denn auch im Goldrauschzeitalter 1858, und zählte damals sogar mal bis über 20’000 Einwohnern. Heute sind es in etwa noch 2500 Einwohner.

Die neuere Brücke heissst „The Bridge of the 23 Camels“  und erinnert an die 23 Kamele, die während des Goldrauschs als Transporttiere gebraucht  wurden.  Die haben sich aber offenbar nicht bewährt, weil sie die Pferde, ja ganze Pferdetransporte und andere Tiere, oder auch Menschen jeweils erschreckt und in die Flucht getrieben hätten.

Ab heute heisst die Brücke anders, die Ortsbehörden wollen sie „The Bridge of the 25  Camels“ nennen, weil ich mit dem Red Camel drüber gefahren bin.


03.05.2020

Das Tal ist eine Art subalpines Grasland, Halbwüste, es ist sehr trocken. Die Gegend ist als sehr niederschlagsarm bekannt. Heute fahre ich mit Hans und Bäri dem Hund in das Bridge River Valley, es hat ein „Geisterdorf“ indianischen Ursprungs, und man kann zum Fluss hinunter sehen, wo Einrichtungen zum traditionellen Lachsfang stehen. Dann bietet Hans mir eine spanende Tour de Ville an – über einige Sehenswürdigkeiten weiss ich nun doch Bescheid. Danke.

Übrigens probiere ich heute den Haarschneider, den ich in der letzten Woche in einem abgeschlossenen Glasschrank gesehen und gekauft habe, aus. Zuerst in der grossen Einstellung, und dann immer kleiner und kürzer, und immer wieder wird nachkorrigiert… Es gestaltet sich noch schwierig, sein eigener Frisör zu sein. Der Bart ist jedenfalls merklich kürzer geworden – und ist vielleicht nicht mehr ganz in der idealen Form.


04.05.2020

Heute buche ich den Rückflug, mit der Iceland Air. Wenn alles klappt, so werde ich am 15.05. in Vancouver abfliegen und über Reykjavik am 16.05. in der Schweiz ankommen. Wieder mal ein Meilenstein.

Das feiern wir mit einem guten Chinesischen Znacht – natürlich nicht im einzigen China Restaurant im Dorf. Das China Restaurant habe ich ja selber bei mir, im RedCamel.


05.05.2020

Nur Schaufel, Schüssel, Sieb und wasserfeste Schuhe braucht es, um reich zu werden. Mit Ruth und Hans fahre ich zu einem Creek in der Nähe des Seton Lakes, Hans zeigt mir die wichtigsten Abläufe und Tricks, wie man Gold wäscht. Ich finde das lustig.

Unter einem grösseren Stein grabe ich denn nun Sand ab, geduldig schwenke und das Becken – nun, um meinen Rückflug zu finanzieren.

Leider ohne Erfolg.

Morgen fahre ich für fünf, sechs Tage dem Fraser River entlang ins Outback. Und ich darf die Goldrush Ausrüstung mitnehmen. Ich werde bestimmt reich ;-), mal sehen.


Ein paar Kurven nach Lillooet und schon gabs kein Internet mehr. Sorry – es waren nun doch ein paar Tage ohne Berichte und Bilder… Hier der Nachtrag.


06.05.2020

Es ist eine gute Ausgangslage, wenn man einen ortskundigen Berater hat. Und Hans kennt sich in dieser Umgebung hier bestens aus. Eines seiner Lieblingsgebiete liegt im Gebiet des Poison Mountain. Proviant und Diesel habe ich genug und fahre zunächst dem Bridge River entlang. Die Strasse wird immer schwieriger, dann  enger und steiniger, und heikler. Der Steinschlag und die Erdrutsche sind das Gefährliche. Jede vorstellbare Art und Dimension von Steinen liegen auf der Strasse, nicht nur faustgross, sondern oft auch in der Grösse eines Autos. Und über etwelche Geröllkegel (stoneslides) führt nur eine autobreite Spur. Etwas mulmig wird mir schon, das arme Kamel kommt in schlimme Schräglagen, und links geht es einfach nur runter ins Tobel. Wie weit ist kaum sichtbar, vielleicht besser, denn es regnet. Und nach 75km bin ich gar in einem Schneegestöber, und schliesslich vor einem recht tiefen und unbefahrenen Schneefeld drehe ich um. So vernünftig bin ich mittlerweile schon geworden. Genug abenteuerlich war das ja schon, so ganz alleine. Zudem hat mir Hans ja schon erzählt, dass ich in dieser Jahreszeit wohl nicht bis ganz hoch fahren könne…

Unterwegs treffe ich einen Bären, der das Kamel verblüfft anguckt und dann „tifig abhaset“. Das ist wohl ein Hasenbär.

Beaverdam heisst der Ort wo ich übernachte, auf nur noch 1070m Höhe.


07.05.2020

Beim Frühstück beobachte ich einen grauen Wolf in weniger als 100m Distanz. Er trippelt elegant in einem grossen Bogen um meinen Platz herum und bleibt dann hinter zwei Bäumen längere Zeit beobachtend stehen. Leider gelingt es mir nicht, diesen auf einem Foto festzuhalten. Irgendwann begreift er, dass ich mein Frühstück nicht teilen möchte und huscht von dannen.

Auf dem Rückweg passiere ich wieder die Kontrollstelle „waypoint“ der lokalen First Nation – und diesmal ist auch jemand da. Eine Frau ist die beeindruckende Wortführerin und zwei Männer stehen in Distanz bei ihr. Sie erklärt, dass sie prüft, wer ins Tal hinein oder hinausfährt, dass sie jeweils ermahnt, Sorge zur Umwelt zu tragen, Littering verbietet, und auch wissen will, was und wie gejagt wurde. Zudem sei es wichtig, alle Feuer unter Kontrolle zu halten. Und sie schreibt Autonummern und Namen auf.

Wir kommen lange ins Gespräch, und es ist spannend, wie die First Nation Leute reagieren, wie das „Eis bricht“, wenn ich von meinem Glück erzähle, 1983 an einem Sundance der Oglala Lakotas (Sioux) teilnehmen und mit dem AIM Führer und Häuptling Russell Means im Yellow Thunder Camp die Friedenspfeife rauchen zu dürfen. Nun, da bin ich wirklich auch stolz, dazu waren damals keine Weissen und nur wenige Indianer geladen. Ein Highlight in meinem Leben.

Übernachten tue ich an der West Pavilion Road in einer Waldlichtung.


08.05.2020

Nach dem Geniessen der freundlichen Abendsonne gestern finde ich einen tiefen Schlaf und erwache recht spät in der wärmenden Morgensonne.

Die Strasse ist nicht asphaltiert, aber in einem sehr guten Zustand. Ich begegne vielen Tieren wie Hirschen, Murmeltieren, Raubvögeln, und oft so graumelierten Poulets… und es hat eigentlich kaum mal einen Lastwagen oder ein Auto auf der Strasse. Ich fahre unzählige Kurven, bergauf, bergab, durch trockene, karge Landschaften, aber zunehmend auch durch unendliche Waldstücke. Ich möchte zum Schraeder Lake.

Was mir gerade durch den Kopf geht: In der Schweiz habe ich ein ganz anderes Waldgefühl. Wenn man geradeaus geht, so kann man doch sicher sein, dass nach zwei, drei Kilometern, spätestens 20 irgendwann ein Haus, eine Siedlung auftaucht und dass der Wald endet. Hier in Kanada ist es möglich, in einen Wald einzutreten und hunderte und hunderte von Kilometern im Wald zu bleiben. Eine Wahnsinnsdimension. Das ist nicht zu unterschätzen.

Kurz vor dem Schraeder See bleibt mir die Strasse versperrt. Ich lasse das Kamel stehen und gehe zu Fuss weiter. 37 Bäume liegen quer auf dem Weg, dass hätte ich mit der Seilwinde nie geschafft. Jetzt verstehe ich, weshalb die 4×4 Menschen hier immer eine Kettensäge bei sich haben. Also hat das mit dem Film „Shining“ nichts zu tun.

Es hat sich gelohnt. Und auch bin ich keinem Bären begegnet – denn alle 2 Minuten habe ich ihn mit der Schulsporttrillerpfeife erschreckt.

Dieser See und diese Umgebung ist schlicht eine Art Paradies. 1597m über Meer, letzte Eisstücke umsäumen das blaue Wasser. So schön. Vielleicht klappt das im nächsten Jahr.

Ich fahre wieder etwas zurück zum South French Bar Creek. Ebenfalls ein wunderschöner Platz, halt nicht am See, aber an einem kleinen Flüsschen gelegen.

Den frühen Abend verbringe ich an der Sonne auf der Brücke – kommt ja keiner, und die Sonne scheint voll auf diesen baumfreien Ort….

Und es ist ein ausgezeichneter Schlafplatz, um die Nacht in der Wildnis zu verbringen und den Nachthimmel mit hellen Sternen und Sternschnuppen zu bestaunen. Und das wiederum an einem Lagerfeuer.

Danke Kari – mit deinen Zündwürfeln lassen sich rasch schönste Lagerfeuer entfachen. Und so ein Lagerfeuer gibt doch etwas Sicherheit.


09.05.2020

In der Nacht habe ich immer etwas mit der Kälte zu kämpfen, und ich bleibe wirklich solange tief in meinem Schlafsack, bis die Sonne das Dach erwärmt. Und ich stelle das Kamel immer so, dass es möglichst schon früh voll von der Morgensonne erfasst wird.

Und jetzt fahre ich doch schon fast hundert Kilometer seit Lillooet und bin immer noch niemandem begegnet.

Das ist Social Distancing pur.

Irgendwann vormittags starte ich beim French Bar Creek und komme halt erst nach Mittag an den Fraser River. Dort warte ich erst mal, denn Brücke gibt es keine, und der Fährmann hat Mittagspause. Pünktlich um ein Uhr fährt er auf meine Seite und nimmt mich mit. Und er scheint froh zu sein, wieder mal mit jemandem plaudern zu können. Übrigens seien alle Flussfähren in Kanada gratis, erzählt er.

Den Nachmittagshalt mache ich am Little Big Bar Lake. Und auch das Corona Virus Warn Schildchen, auf dem steht, dass auch dieser Ort geschlossen sei, kann mich nicht abhalten doch da zu übernachten.

Und ich bin nicht mal der einzige…. etwa  250m weiter oben hat sich ein junges Pärchen eingenistet und macht das Holz für das Lagerfeuer bereit… mit Kettensäge.

Wie immer Abends ist es sehr einsam und langweilig. Und auch etwas unheimlich… denn man weiss nie, wie viele Augen einem gerade jetzt beobachten. Und das sind bestimmt nicht wenige. Ich lasse die Musik im Autoradio laut spielen, mit der Idee, dass das die Bären vertreiben könnte. Bis mir in den Sinn kommt, dass es ja auch Tanzbären gibt. Sch… ön.


10.05.2020

Wiederum geht es durch einsame Gegenden. Es hat aber auf dieser Seite des Fraser Rivers Farmen.

Diese Bauernhöfe bestehen zumeist aus mehreren Gebäuden, und Land haben die Farmer viel. Riesige Flächen.

Ein kanadischer Farmer solle einem Schweizer Bauern erzählt haben, dass seine Kühe von einem Ende der Weide bis zum anderen Ende mindestens einen Tag lang unterwegs seien. Worauf der Schweizer Bauer dann meinte: Ja, ja, solche Kühe haben wir auch…

In einer ganz einsamen Gegend treffe ich eine Häusergruppe an, halte, und möchte ein paar Bilder machen. Sieht wirklich toll aus da.

Plötzlich kommt ein hinkender Mann aus einem Haus und winkt mir zu. Ich gehe in Corona Distanz zu ihm. Er zeigt mir seine Umgebung, er macht extrem schöne Sessel aus Wildholz. Richtige Kunstwerke. Ab und zu könne er auch einen verkaufen, meint er.

Und nach und nach erzählt er mir, weshalb er hier alleine seit 22 Jahren lebe. Er hatte als Baby eine Kinderlähmung, kann kaum gehen, wurde als Krüppel von den verschiedenen Männern seiner ledigen Mutter schlecht behandelt, von seinen späteren Halbbrüdern gemieden, und es ging ihm richtig schlecht.

Er fühlte sich ausgestossen, konnte keine Ausbildung machen, flüchtete dann vom Outback in die Stadt, landete in den Drogen, schlug sich recht und schlecht durchs Leben, fand nie eine Beziehung und erlebte sich immer wieder als Opfer. Er merkte, dass es bergab ging und zog sich wiederum in die Wälder zurück, heilte sich gewissermassen selbst vom Drogenkonsum. Er fühlte sich in der Einsamkeit erstarken.

Und irgendwann hatte er das Glück, dass ein Unternehmer, der an der Jesmond Road in einer ehemaligen Goldgräbersiedlung erst ein Resort bauen wollte, ihn als Hüter gratis dort in einer Hütte leben liess. Er lebt seither dort ohne Strom, ohne Telefon, abgeschirmt in einer anderen Zeit, alleine mit einer Katze. Alle Monate einmal geht er mit seinem alten Truck in den nächsten grösseren Ort, bezieht seine Rente, geht zur Post und kauft ein, um alsdann wieder in seiner Hütte zu bleiben. Im Winter werde es bis -40° kalt, das Katzengeschirr sei morgens jeweils gefroren.

Bob freut sich, dass nach Jahren wieder einmal jemand richtig zuhöre und mit ihm diskutiere.

Und ich habe eine neue Idee. Wenn 2021 ein Weiterreisen möglich sein wird, so stelle ein Fotobuch mit 25 verschiedenen Menschen aus Amerika zusammen. Bob wird der erste sein. Ich mache mir eine Menge Notizen.


11.05.2020

Aber zunächst gilt es, andere Schwierigkeiten zu meistern.

Heute fahre ich zurück nach Lillooet. Da funktioniert das Internet so einigermassen… Pling, pling, pling… die Mails. Und mehrmals erscheint: Der Flug vom 15.05. zurück in die Schweiz ist ge-canceled.

Das ist schon mal schlecht.

Ich versuche eine Lösung zu finden, begebe mich in die unendliche Warteschlange von CheapOAir, bezahle 122 C$ und verschiebe auf den 18.05. Ich hoffe dass dies klappt.


12.05.2020

In der Nacht werde ich aus dem Schlaf gerissen, und höre wiederum die Mails pling-plingern. Ich kann nicht weiterschlafen und muss diese mal checken. Und siehe da: Der Flug vom 18.05. ist ebenfalls ge-canceled.

Subidui, gut. Der Krimi geht also weiter. Es scheint, dass auch CheapOAir Tickets verkauft, ohne wirklich zu wissen, ob dann auch ein Flieger abheben kann oder nicht. Hauptsache mal verkaufen und dann auch noch 122$ einkassieren, für die Umbuchung selbstverständlich. Obwohl ich eine Flugverschiebeversicherung abgeschlossen habe. Das gelte so eben nicht, wenn die Fluggesellschaft den Flug streiche, meint der freundliche Mann in der Leitung. Knirsch!

Diesmal rufe ich die Fluggesellschaft IslandAir direkt an. Die nette Dame meint, dass eventuell am 19.05 eine Maschine fliegen könnte. Ich solle aber noch bis morgen warten. Machen wir doch.

Und doch beginne ich schon, das Auto einzurichten, das heisst, auszuladen um auszusortieren, was die Minustemperaturen hier im Auto nicht überstehen könnte.

Und so beginne ich mal damit, die Kühlerflüssigkeit zu checken. Da hat Hans sogar das passende Gerät.


13.05.2020

Der telefonische Kontakt direkt mit IcelandAir funktioniert erneut. Und die Assistentin ist sehr freundlich. Flüge jedoch sind in den nächsten Tagen keine möglich. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Flug mit einem Zwischenhalt erfolgt, und der Flug Vancouver – Reykjawik sowohl als auch der Anschlussflug Reykjawik – Zürich funktionieren müssen. Denn es ist kein Aufenthalt (Stoppover von mehr als 24 Stunden) in Island möglich.

Ich solle mich in 48 Stunden wieder melden, um nicht erneut Umbuchungskosten zu erfahren.

Ja, das habe ich mir doch etwas einfacher vorgestellt. Abwarten und Tee trinken (Das tue ich tatsächlich oft, eine gekochte Mischung aus frischem Ingwer, Zitrone und Cocoszucker und etwas Grüntee. Wunderbar – und gesund).

Und Abwarten auch deshalb, weil das Herumreisen nicht wirklich gross Sinn macht. In den abgelegenen Wäldern fühle ich mich zu einsam, die Parks sind geschlossen, und die First Nations schaut recht misstrauisch auf das Kamel – sie haben Angst vor dem Virus. Und überall in den Reservaten sind Plakate, dass man bitte nicht anhalten solle. Vielleicht, weil schon mal Weisse die Indianerstämme Kanadas mit einem Virus (Pockenvirus) unglaublich dezimiert haben, womöglich sogar wissentlich.

Glücklicherweise sind die unglaublich beiden lieben, Ruth und Hans in der Nähe. Jeden Tag wird berndeutsch gesprochen – wie zu Hause.


14.05.2020

Mal etwas anderes… Das Nachbarhaus von Ruth und Hans soll verkauft werden. Als kaufkräftige Interessenten besuchen Hans und ich das neu umgebaute Haus. Vielleicht muss ich mich ja mal umschauen, und auf ein längeres Hierbleiben einstellen 😉

Hier also das spannende Beispiel: Für 489’000 C$ (340’000 CHF) ist das Haus hier zu haben, in Vancouver sind die Liegenschaften doppelt so teuer. Es ist grau und weiss und im kanadischen Stil gebaut, also ganz aus Holz. Es hat 5 Schlafzimmer (die kann man auch anderweitig nützen) und 3 Badezimmer (die nur als Badezimmer ;-).

Die Aussicht ist erstaunlich, mit direktem Blick auf den Fraser River, die Lage an absolut ruhigem Ort.

Das Haus ist frisch renoviert; es habe ein Indianerhäuptling mit Familie das Haus bewohnt und das Mietobjekt nahezu ruiniert. Alkoholprobleme, erzählt man.

Im Haus gibt es wie hier üblich weder Keller noch Estrich, weil man in Kanada ja offenbar immer noch genug Landfläche habe. Der Landbesitz zieht sich bis zum Fluss hinunter, bleibt also unverbaubar, 85m x 110m wird angegeben.

Die Wohnfläche pro Geschoss beträgt 3036 sqft, das sind in etwa 282.05m2.

Interessant ist auch die Warmluft Heizung, die anderen Heizungssysteme sind elektrisch, es hat aber im UG auch eine Holzheizung. Eine gute Heizung lohnt sich: Es soll im Winter hier bis max. -40° C werden, ziemlich kalt also. Und im Sommer bis +40°C, ziemlich warm also.

Mir gefällt der Baustil nicht schlecht, oben ist die Wohnung auch sehr hell. Und die Lage ist schon mal toll. Die Bauausführungen sind aber absolut nicht mit Schweizerqualität vergleichbar, man baut hier ja auch nicht für 100 Jahre, und viel pragmatischer. Die untere Wohnung steht direkt auf dem Grund – und wirkt auf meine Füsse in Socken auch sehr kalt. Es stören mich die flächendeckenden, dicken Teppiche, der Holzboden im Wohnzimmer ist hingegen sehr eindrücklich.

Hier der Link – ist ja auch mal interessant, wie so ein kanadisches Haus aussieht. Folge mal der Bildstrecke. Und wer es kaufen möchte, melde sich bei Ken.

(Übrigens, es gäbe auch Bauland zu verkaufen, 1.889 km2 für 350’000 CHF… Man könnte einen Campingplatz aufmachen. Hier die Beschreibung, lesenswert:

Panoramic views from this mainly level 46.7 acres overlooking the town of Lillooet and the Fraser River. The land may be sub-dividable in half & could be an excellent location for a winery yet only minutes from downtown. Zoning also allows for campgrounds, agriculture, cannabis, storage containers & riding academy. The land is not in the ALR. A paved road with hydro leads to the property line. Lillooet is a hidden gem. The area’s abundant sunshine, dry winters and hot summers are turning it into viable wine and hops growing country. House prices are affordable and it is an easy drive to the Lower Mainland and Okanagan. Come view for yourself!


15.05.2020

Die Telefonnummer Icleandair kann ich schon fast auswendig. Anders als bei Opodo oder CheapOAir wird das Telefon aber abgenommen, und die Bedienung ist immer sehr entgegenkommend. Heute werde ich auf morgen vertröstet. Vielleicht könne man mich dann umbuchen.

Ich bin Hans behilflich, den Fahnenmast neu zu verankern, das heisst in ein Zementrohr einzubetonieren. Bald wird hier unter der Kanadischen Flagge die Berner Fahne wehen.

  2 comments for “Berichte 01.05. – 15.05.2020

  1. Eer / Jack London
    11. Mai 2020 at 8:53

    Eine sagenhafte Goldmine sollte es dort geben, und ihre Geschichte war so alt wie die Geschichte des Landes. Viele Männer hatten schon nach ihr gesucht, und kaum einer war zurückgekehrt. Geheimnis umgab diese Mine, ein tragisches Geheimnis. Kein Mensch wußte, wer sie entdeckt hatte, selbst die ältesten Überlieferungen reichten nicht so weit zurück. Sterbende Männer schworen auf ihrem Totenbett, daß es diese Mine gab, und bewiesen es mit Goldkörnchen, so groß wie sonst kein Nugget im Nordland. Seit jeher sollte dort eine alte, baufällige Hütte stehen, aber kein Lebender hatte sie je gesehen, und die Toten blieben stumm.
    😂

  2. 15. Mai 2020 at 18:47

    Lieber Heimz
    Ich habe mich riesig gefreut, durch dich von meinem lieben Brüetsch zu lesen. Ich war schon zweimal im wilden, offenen Fraser-Valley in Lillooett bei „Meyers“… Es freut mich ausserordentlich, dich in guten Händen zu wissen, während du den hoffentlich baldigen Rückflug planst. Deine Bilder sind grossartig !
    Freue mich sehr auf ein Wiedersehen in der CH – z.B. bei mir am See…

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