Berichte 16.01. – 31.01.2019

Wir waren in den verschiedensten Wüsten in grosser Abgeschiedenheit aber mit viel Wasser unterwegs… über den Gunbarrel Highway mehr als 1000km. Jegliche Internet Kontakte waren unmöglich. Deshalb folgen die Bilder und Edis Berichte mit Verspätung. Danke für das Verständnis.


16.01.2019

Nachts um halb elf – munter und mit sich selbst im Reinen sitzt der Heinze allein am Tischchen in der grossen Gibson Wüste. Sein Compagnion hat ihn im Stich gelassen  Schon lange hört man das leise, gleichmässige Schnarchen von Edi. Heinze sortiert noch Fotos. Rund um das Camp der Nachwuchsexplorer toben Gewitter und in der Ferne wird der Himmel blutrot erleuchtet durch Buschbrände. Plötzlich hat Heinz das Gefühl nicht alleine zu sein.

Ein leises Zirpen hinter sich, ein Huschen und Lauern lässt ihn aufschrecken. Mit seiner Led-Stirnlampe fasst er wie mit Fingern in die tiefe Dunkelheit. Da, – zwei Augen glänzen in der Finsternis. Ein weisses, kaltes Leuchten lässt ihn erschaudern. Ihm wird bange, nicht nur zwei, – vier, sechs, acht Augen, ja Augenpaare glänzen ihm entgegen. Ungezählt die Leuchtpunkte, die ihn beobachten. Was führen die im Schilde und wer sind sie?

Gross die Erleichterung, als er im Schweiss gebadet im Zelt erwacht. Die Brandwache erübrigt sich, die Gewitter haben sich verzogen; – aber die Vorsorge, die er getroffen hatte, war gut.

Die Augenmonster werden auch in seiner Fantasie wieder zu den zwei Zentimeter kleinen Laufspinnen.

Halb drei, noch drei Stunden Schlaf!

Halb neun, alles wie gehabt gut. Wir haben einen schönen Übernachtungsplatz, frühstücken gut und starten dann auf unseren nächsten Abschnitt.

Auf unserer Frühstücksmilch steht: „Shake me to wake me“. Anscheinend wurde dies auf unsere Fahrwege übertragen. Wir sind zeitweise richtig groggy von dem vielen Geschüttel und Gerüttel. Die Naturfahrbahnen haben eine wellblechartige Oberfläche. Durch schnelles Befahren mit schweren Fahrzeugen kann so was entstehen.

Nach der Mittagszeit lassen wir die Gibson – Wüste hinter uns und über den Central – Highway gelangen wir nach dem Warakurna Roadhouse.

Hier sind wir wieder über Internet verbunden.


17.01.2019

Wenn man Unterhosen wäscht und sie an einer geeigneten Leine aufhängt, sollte der Sandsturm nicht losbrechen. Unser Sturm, gestern um neun Uhr abends, legte los und wollte nicht enden. Die Wäschestücke haben wir alle wieder gefunden. Mühsam war es trotzdem.

Wir haben heute früh unser Morgenritual hinter uns gebracht. Danach hatte Heinze am Auto zu flicken. Ich ging im Roadhouse einkaufen. Dabei lernte ich Patrick aus dem Thurgau kennen. Der junge Mann ist  mit seinem Motorrad alleine unterwegs und interessiert sich für die Gunbarrel Hwy. Er will die Wüste durchqueren.  Wir raten ihm dringend ab, diese Piste zu befahren.

Es ist einfach zu gefährlich, alleine mit einem Motorrad, ohne genügend Wasser und Treibstoff laden zu können, in eine Wüste zu gehen.

Wir hoffen, Patrick überdenkt sein Ziel

Erst um elf fahren wir auf unserer Strecke weiter, unser nächstes Ziel ist Yulara. Eine lange Strecke. Wenigstens ist die Piste gut ausgebaut. Diese heisst nun nicht mehr Great Central, sondern Tjukaruru Road. Auch hier treffen wir ganz wenige Autos unterwegs. Die Strasse gehört fast uns.

Etwas nach vier halten wir auf einem abgelegenen Campingplatz. „Under Oaks“ heisst das rote Fleckchen Erde, von Eichen sehen wir nichts; – und hier kochen und essen wir.

Wie immer in den letzten Tagen, werden wir belagert von unzähligen, kleinem Fliegen. Mit einer beharrlichen Aufsässigkeit versuchen sie durch Mund, Nase, Ohren oder Augen in uns rein zu krabbeln. Da hilft nur Spray oder ein Mückenschutz. Glücklicherweise verschwinden sie beim Eindunkeln.


18.01.2019

Von Warakurna bis nach „Under The Oaks“ gestern und heute weiter zu den „The Olgas“ den Kata Tjuṯa, einer Gruppe von 36 Bergen.

Die Tjukaruru Road ist eine fast endlose Sandpiste. Breit, gerade in die Landschaft geschlagen, man sieht daran deutlich, welchen Stellenwert das Automobil in Australien hat. Auf dem heutigen Abschnitt ist eine Baustelle. Hier wird der Verkehr auf einer zusätzlichen Piste um den Bauabschnitt herumgeführt. Wir vermuten, dass die ausgebaute Strasse wohl auch geteert werden soll.

Sowohl gestern wie heute begegnen wir nur wenigen Fahrzeugen. Das ist fast bis zu den Olgas so. Wir fahren durch heisse Wüstensteppen und schlucken roten Staub. Alles in unserem Fahrzeug hat die gleichen, rotstaubigen Oberflächen. Welche Auswirkungen das Rot auf unsere Technik hat, werden wir sehen. Mechanische Dinge, wie Reissverschlüsse laufen nur noch sehr schwer.

Es knirscht manchmal zwischen den Zähnen. Glücklicherweise funktioniert unsere „Wasserversorgung“. Pro Tag verbrauchen wir 12 Liter Nass. Jeden Morgen füllen wir vor der Abfahrt eine Grossflasche in acht Pet Flaschen um. Diese sollten wir bei den hohen Temperaturen verbrauchen.

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir die Olgas. Wir beginnen, ohne genau zu planen, eine Rundwanderung. Wunderliche, runde, hügelähnliche Felsformationen begeistern uns. Die Berge bestehen aus einer Art roter Nagelfluh. Ungezählte Fotos werden gemacht. Irgendwann, auch weil uns das Trinkwasser fehlt, brechen wir die Wanderung ab und kehren zum Auto zurück.

Das Gebiet der Kata Tjuṯa ist touristisch total erschlossen. Deshalb treffen wir hier auch recht viele der Spezies Tourist an.

Unser nächstes Ziel ist der Ayers Rock Campground. Hier wollen wir uns etwas erholen, – wissen aber, dass wir im Kommerz – Rummel sind. Wir geniessen den Nachmittag im Pool trotz allem.

19.01.2019

Wir haben beschlossen, den heutigen Tag für Krimskrams einzusetzen. Wir bleiben im Ayers Rock Campground. Gestern war noch sowas wie ein kleiner Sturm durch die Gegend gefegt. Es regnete sogar einige Tropfen, die Temperatur fiel auf rund 25 Grad. Das ist auch heute früh so und sehr angenehm. Allerdings wurde soviel Wüstenstaub aufgewirbelt, dass der Himmel rötlich verhangen ist.

Nach einem gemütlichen Frühstück im „Vorgarten“, bei Tauben und freilaufenden Kaninchen, gehen wir Edi ein Paar neue Hosen kaufen. Die Trekkinghosen aus Indonesien wollen sich partout in Einzelröhren aufteilen.

Wäsche waschen steht an und viel Arbeit am Computer. Heinz muss viele Bilder und Texte redigieren und ins Internet stellen.  Ausserdem haben sich viele Bilder auf Kamera und Handy angesammelt, die auf dem Compi sicherer aufgehoben sind.

Zum Mittagessen gehen wir in Gecko’s Cafe und bestellen beide eine Pizza 🍕. Auch an einfachen Dingen kann man Freude haben. Edi braucht noch eine Magnum. Inzwischen ist der Himmel etwas klarer und wir  beschliessen, zum Uluru zu fahren. Es ist tatsächlich so, je später der Nachmittag, desto klarer die Sicht. Wir umfahren den Steinriesen und sind beeindruckt, wie viele neue Ansichten sich zeigen. Wir machen viele Fotos.

Gegen Abend ziehen neue Gewitter auf und wir kehren zum Camping zurück. Die Temperatur sinkt wieder, wie gestern.

Wir kochen und essen und machen dann wieder Büro. Es regnet!

20.01.2019 

Fast hätten wir uns verschlafen! Schon vor fünf beginnt der grosse Auszug im Ayers Rock Campground, alle wollen ’sunrisen‘ beim Uluru. Das bringt ziemlichen Lärm und ich dreh mich noch mal. – 😴 Dann ist es Viertel nach sechs und der Morgen beginnt. 😙
Mit dem Abbau und Zusammenpacken wird es Viertel vor zehn, bis wir den Zeltplatz verlassen.
Wir gehen zu Saskia, das ist eine Schweizerin, die hier in Yulara auf einem Kamelhof (Uluru Camel Tours) lebt.
Wie sich herausstellt, ist dieser Hof ein riesiger Betrieb, ein Unternehmen mit einigen Angestellten.. Kamele werden in der Wildnis eingefangen und zum Reittier umgwöhnt. Gegenwärtig sind dies rund siebzig Tiere. Ausserdem hat es knapp dreissig noch scheue, nicht reitbare. Jetzt, im Januar, sind hier nicht viele Touristen. Trotzdem ist andauernd Betrieb und Gruppen reiten aus. Saskia erklärt und lehrt uns viel. Sie nimmt sich Zeit und geht auf unsere Fragen ein.
Sie nimmt uns in die Kamelkoppeln und stellt uns einzelne Kamel – Charaktere vor (Big Boss, Lausbub, usw.). In einem zweiten Teil gehen wir zu den ‚wilden‘ Tieren. Herzlichen Dank für diese lehrreiche Führung. Da ist viel Engagement und Herz!
Nach einem erneuten Z‘ Mittag in Geckos Kafe und einem Lebensmittel – Einkauf (inkl. Magnum) fahren wir zum Uluru. Im Kulturzentrum verbringen wir fast zwei Stunden damit, das Volk der Anangu (Stämme der Aborigines) kennen zu lernen.
Da heute wesentlich besseres Wetter ist, machen wir erneut Fotos vom heiligen Berg und sind immer wieder beeindruckt.
Über den Lassiter Highway verlassen wir Yulara und die Umgebung. Rund zweihundertzwanzig Kilometer östlich, ohne dass wir einer Hand voll Autos begegnet wären, fahren wir in den Hof des ersten Roadhouses, das wir finden, ein. Gute Nacht!